Patientenakte, Deutschland

ePass soll digitale Patientenakte in Deutschland retten

18.03.2026 - 06:08:37 | boerse-global.de

Der neue ePass vereinfacht ab März 2026 den Zugang zur elektronischen Patientenakte. Trotz automatischer Einführung nutzen bislang nur 3,6 Prozent der Versicherten die ePA aktiv.

ePass soll digitale Patientenakte in Deutschland retten - Foto: über boerse-global.de
ePass soll digitale Patientenakte in Deutschland retten - Foto: über boerse-global.de

Der neue digitale Ausweis soll die elektronische Patientenakte endlich zum Leben erwecken. Nach dem offiziellen Start am 17. März 2026 soll der ePass die komplizierte Anmeldung zur ePA überflüssig machen. Ein entscheidender Schritt, denn trotz gesetzlicher Pflicht nutzen bislang nur 3,6 Prozent der Versicherten ihre digitale Akte aktiv. Ab dem 25. März bieten rund 80 Prozent der gesetzlichen Krankenkassen den vereinfachten Zugang an.

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Analoger Anmeldungs-Marathon war das größte Hindernis

Bislang scheiterte die Digitalisierung im Gesundheitswesen oft an der Türschwelle. Für die Freischaltung der ePA mussten Patienten entweder zur Postfiliale pilgern oder wochenlang auf einen PIN-Brief warten. Der neue ePass beseitigt diese Hürden durch ein vollständig digitales Verfahren. Es nutzt den NFC-Chip im Personalausweis oder Reisepass.

Nutzer scannen den Chip mit ihrem Smartphone und bestätigen ihre Identität per Selfie-Video. Die gesamte Authentifizierung dauert nur wenige Minuten. „Diese niedrigschwellige Methode ist entscheidend für die Akzeptanz“, betonen Vertreter von Bitmarck, dem IT-Dienstleister hinter dem System. Die rechtliche Grundlage schuf das „Gesetz zur Erweiterung der Versorgungskompetenz und Bürokratieabbau“ vom 1. Januar 2026.

Trotz Opt-out: Nur 3,6 Prozent nutzen ihre ePA aktiv

Die Dringlichkeit des ePass wird durch ernüchternde Zahlen untermauert. Seit Januar 2025 wird die ePA automatisch für rund 70 Millionen gesetzlich Versicherte angelegt. Doch eine Umfrage vom Januar 2026 zeigt: Nur 3,6 Prozent loggen sich aktiv ein, um ihre Daten zu verwalten.

Viele Bürger finden die Oberfläche abschreckend oder sehen keinen unmittelbaren Nutzen. Zudem schürt das deutsche Datenschutzbedenken weiter Skepsis. Die seit Oktober 2025 verpflichtende Dateneingabe durch Ärzte und Kliniken hat nicht zu mehr Patientenbeteiligung geführt. Die Erkenntnis der Experten ist klar: Die Infrastruktur allein reicht nicht aus. Es braucht eine nahtlose Nutzererfahrung.

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Druck auf Ärzte wächst – Strategie „Digital gemeinsam 2026“

Die Politik erhöht den Druck auf die Anbieterseite. Seit dem 1. Januar 2026 drohen Praxen und Kliniken finanzielle Sanktionen, wenn sie keine ePA-fähige Software nutzen oder die Akten nicht befüllen. Ärzteverbände kritisieren diesen Strafkurs als zusätzliche Belastung für ohnehin überlastetes Personal.

Als Antwort auf die Umsetzungsprobleme stellte das Bundesgesundheitsministerium im Februar 2026 die überarbeitete Strategie „Digital gemeinsam 2026“ vor. Ihr Ziel: Die ePA soll vom passiven digitalen Archiv zum aktiven Begleiter werden. Ein Kernpunkt ist der Wechsel von unstrukturierten PDFs zu maschinenlesbaren „Medical Information Objects“ – etwa digitalen Impfpässen.

Weichenstellung für KI und erweiterte Funktionen

Der Erfolg des ePass gilt als Gradmesser für die gesamte digitale Gesundheitsversorgung der nächsten Jahre. Die Behörde Gematik plant für 2026 bereits den Rollout eines erweiterten elektronischen Medikationsplans mit strukturierten Dosieranweisungen.

Für 2027 sind Push-Benachrichtigungen und eine Volltextsuche in der ePA geplant. Die systematische Generierung hochwertiger Gesundheitsdaten soll zudem den Weg für KI-Anwendungen in der Routineversorgung ebnen. Bis 2028 könnte KI-gestützte Dokumentation in den meisten Einrichtungen Standard sein. Die aktuellen Wachstumsschmerzen legen somit das Fundament für ein datengetriebenes Ökosystem.

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