Widerstand, Videosprechstunden

ePA stößt auf Widerstand, Videosprechstunden boomen

04.02.2026 - 17:34:11

Die elektronische Patientenakte wird in der Praxis massiv kritisiert, während Videosprechstunden durch flexible Regeln einen starken Anstieg verzeichnen. Die Digitalisierung zeigt zwei gegensätzliche Wege auf.

Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung verläuft zweigleisig: Während Videosprechstunden erfolgreich sind, bleibt die elektronische Patientenakte umstritten. Aktuelle Kritik aus Hessen unterstreicht die Kluft zwischen Anspruch und Praxis.

Elektronische Patientenakte: „Digitale Alditüte“ in der Kritik

Ein Jahr nach der Einführungsverpflichtung für Ärzte ziehen Praktiker eine ernüchternde Bilanz. Die elektronische Patientenakte (ePA) wird von Ärzten, Apothekern und Krankenkassen in Hessen massiv kritisiert. Die Vorwürfe: umständliche Handhabung, mangelnde Nutzerfreundlichkeit und kaum erkennbarer Mehrwert für die Behandlung.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen sprach der ePA sogar jeden Versorgungswert ab. Sie komme im Alltag schlicht nicht zum Einsatz. Die Bundesebene reagiert: Ein Update für Sommer 2026 soll eine Volltextsuche und Push-Benachrichtigungen bringen. Bis dahin bleibt die ePA ein umstrittenes Projekt – von Kritikern als „digitale Alditüte ohne Suchfunktion“ verspottet.

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Videosprechstunden: Erfolgsmodell durch flexible Regeln

Im Gegensatz dazu etabliert sich die Videosprechstunde als Erfolgsgeschichte. Seit Januar 2025 ist die frühere Obergrenze von 30 Prozent für Video-Behandlungen aufgehoben. Diese regulatorische Öffnung trägt Früchte.

Bereits 2024 stieg die Zahl der Videosprechstunden um fast 25 Prozent auf 2,7 Millionen. Krankenkassen wie die Techniker (TK) melden eine deutliche Zunahme. Die Vorteile liegen auf der Hand: Patienten sparen Wege und Wartezeiten, Praxen gewinnen an Flexibilität. Die Akzeptanz ist da, wo ein klarer Nutzen erkennbar ist.

Zwei Geschwindigkeiten der Digitalisierung

Die parallele Entwicklung zeigt zwei Geschwindigkeiten auf. Die Videosprechstunde wuchs organisch aus der Pandemie und wurde durch passende Regeln gefördert. Die ePA hingegen leidet unter den typischen Problemen eines verordneten Großprojekts.

Die Kritik macht deutlich: Die reine Bereitstellung einer Technologie reicht nicht aus. Der Erfolg hängt von der nahtlosen Integration in den Praxisalltag und einem echten Mehrwert ab. Während die ePA noch kämpft, ist die Videosprechstunde bereits angekommen.

Nutzer im Fokus: Lehren für die Zukunft

Die Zukunft der digitalen Gesundheit hängt davon ab, ob die Lehren aus diesen unterschiedlichen Wegen gezogen werden. Die geplanten ePA-Updates sind ein Schritt in die richtige Richtung. Zudem startete die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Umfrage, um den Praxiserfahrungen systematisch auf den Grund zu gehen.

Die Botschaft ist klar: Der Fokus muss konsequent auf den Bedürfnissen von Ärzten, Personal und Patienten liegen. Die Videosprechstunde beweist, dass digitale Lösungen angenommen werden, wenn sie alltägliche Probleme lösen. Die ePA hat großes Potenzial – es kann aber nur entfaltet werden, wenn sie endlich praxistauglich wird.

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