ePA: Neuer ePass und Nutzerstudie sollen Digitalisierung retten
21.03.2026 - 04:01:23 | boerse-global.deDie elektronische Patientenakte (ePA) droht zum Milliarden-Flop zu werden. Jetzt starten IT-Branche und Forschung eine gemeinsame Offensive, um die blockierte Digitalisierung des Gesundheitswesens doch noch zu retten. Im Fokus stehen zwei zentrale Probleme: der komplizierte Zugang und die schlechte Nutzerführung.
Die digitale Patientenakte steckt in der Krise
Die Bilanz nach über einem Jahr verpflichtender ePA ist ernüchternd. Seit Januar 2025 besitzt zwar fast jeder gesetzlich Versicherte automatisch eine elektronische Akte. Doch nur etwa 3,6 Prozent nutzen sie aktiv – obwohl 94 Prozent der Bevölkerung das System kennen. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbands.
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Für Ärzte und Patienten bleibt die ePA ein Ärgernis. Medizinische Fachkräfte klagen über fehlende Suchfunktionen, Systemabstürze und zeitraubende Synchronisationsprobleme. „Ohne sofortige Verbesserungen droht die ePA zum digitalen Friedhof für analoge Prozesse zu werden“, warnen Ärzteverbände. Das größte Hindernis: umständliche Anmeldeverfahren mit PIN-Briefen und Post-Ident.
Revolutionärer ePass soll Zugangshürden einreißen
Ab dem 25. März startet die Gegenoffensive. Der IT-Dienstleister Bitmarck führt den neuen „ePass“ ein, der zunächst bei 80 Prozent der Krankenkassen verfügbar sein wird. Entwickelt vom Hamburger Startup Nect, nutzt das System die NFC-Technologie moderner Smartphones zusammen mit dem Chip im Personalausweis.
Die Anmeldung wird radikal vereinfacht: Nutzer scannen ihren Ausweis, fotografieren ihn und nehmen ein kurzes Selfie-Video auf. Die umständliche Post-Ident oder der PIN-Brief entfallen komplett. Die nationale Digitalagentur Gematik hat das Verfahren nach umfangreichen Sicherheitsprüfungen genehmigt – eine Kehrtwende, nachdem Video-Identifikation 2022 aus Sicherheitsbedenken ausgesetzt worden war.
„Dieser niedrigschwellige Zugang ist überlebenswichtig für die ePA“, betonen Bitmarck-Verantwortliche. Gleichzeitig fordern sie die Bundesregierung auf, die Aufklärung über konkrete Nutzen zu intensivieren.
Forschung sucht nach der intuitiven Bedienung
Während der ePass das Anmelde-Problem lösen soll, kümmert sich parallel die Wissenschaft um die tägliche Nutzung. Forscher der FH Münster und des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnik (SIT) starten eine umfassende Usability-Studie.
In einem speziellen Simulator testen Probanden aus Münster und Steinfurt, wie sie natürlicherweise mit ePA-Oberflächen interagieren. Die Teilnehmer lösen typische Aufgaben und kommentieren laut ihren Gedankengang. Anschließende Interviews vertiefen die Erfahrungen.
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„Wir müssen verstehen, wie Bürger den Start und die tägliche Nutzung erleben, um sie langfristig zu binden“, erklärt das Forschungsteam. Die Ergebnisse sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Krankenkassen und Software-Entwickler liefern – weg von rein regulatorischen Checklisten, hin zu praxisorientierten Lösungen.
Wettlauf gegen die Zeit
Die parallelen Initiativen markieren eine notwendige Reifung der deutschen Digitalstrategie. Branchenbeobachter betonen: Der einfache Zugang ist nur der erste Schritt. Entscheidend wird sein, ob die ePA auch im Alltag überzeugt.
Die Weichen sind gestellt. Gelingt der ePass-Start wie geplant, rechnen Krankenkassen mit einem deutlichen Anstieg aktiver Nutzer bis zum zweiten Quartal. Die Fraunhofer-Studie könnte gleichzeitig neue Usability-Standards für alle Gesundheits-Apps setzen.
Das Ziel bleibt ambitioniert: ein nahtlos vernetztes Gesundheitssystem, das Patientensicherheit erhöht, Bürger befähigt und klinische Abläufe modernisiert. Ob die Rettungsaktion im März 2026 diesmal den Durchbruch schafft, wird die Politik ebenso genau verfolgen wie Ärzte und Patienten.
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