Elektrosicherheit, Personalmangel

Elektrosicherheit: Personalmangel gefährdet deutsche Industrie

16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.de

Ein dramatischer Personalmangel bei zertifizierten Elektrofachkräften gefährdet die betriebliche Sicherheit und verzögert Infrastrukturprojekte. Unternehmen setzen auf interne Qualifizierung und Automatisierung.

Elektrosicherheit: Personalmangel gefährdet deutsche Industrie - Foto: über boerse-global.de
Elektrosicherheit: Personalmangel gefährdet deutsche Industrie - Foto: über boerse-global.de

Deutsche Unternehmen können ihre gesetzlichen Sicherheitspflichten kaum noch erfüllen. Grund ist ein dramatischer Mangel an zertifizierten Elektrofachkräften. Die Energiewende und strenge Vorschriften treiben die Nachfrage in Rekordhöhen.

Historischer Engpass bei Sicherheitspersonal

Die Zahlen sind alarmierend. Laut dem DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 erwarten 83 Prozent der befragten Unternehmen negative Geschäftsfolgen durch den Fachkräftemangel. Besonders betroffen ist die Elektrotechnik. Der VDI/IW-Ingenieurmonitor zeigt für Anfang 2026: Auf 100 arbeitslose Fachkräfte in Energie und Elektrotechnik kommen 271 offene Stellen.

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Die Lücke wird immer größer. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert bis 2030 einen Bedarf von bis zu 160.000 zusätzlichen Arbeitskräften allein für Bau, Netzausbau und Montage im Zuge der Energiewende. In der Gebäude-Elektrotechnik, dem Grundhandwerk für sichere Installationen, blieben zuletzt über 18.300 Stellen unbesetzt. Diese Personallücke gefährdet die betriebliche Sicherheit und verzögert Großprojekte im ganzen Land.

Strikte Haftungsregeln verschärfen das Problem

Der Mangel trifft auf ein extrem strenges deutsches Haftungsrecht. Die DGUV Vorschrift 3 verpflichtet Arbeitgeber, alle elektrischen Anlagen und Betriebsmittel nur durch eine zertifizierte Elektrofachkraft (EFK) prüfen und warten zu lassen. Die Norm DIN VDE 1000-10 definiert die erforderliche Ausbildung und Erfahrung.

Bei einem Unfall haftet die Unternehmensleitung persönlich, wenn sie diese Vorgaben nicht einhält. Daher ist die Nachfrage nach Verantwortlichen Elektrofachkräften (VEFK) explodiert. Diese Experten leiten die gesamte Elektrosicherheits-Organisation eines Betriebs. Vom Stahlwerk bis zum Rechenzentrum – ohne VEFK drohen massive Haftungsrisiken.

Neue Wege: EFKffT und EuP als Notlösung

Weil der externe Arbeitsmarkt leergefegt ist, setzen Unternehmen zunehmend auf interne Qualifizierung. Ein vielgenutzter Weg ist die Ausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT). Oft als "kleiner Elektroschein" bezeichnet, befähigt sie beispielsweise Industriemechaniker oder Facility-Manager, bestimmte wiederkehrende Arbeiten bis 1.000 Volt durchzuführen.

Parallel boomen Schulungen zur Elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP). Eine EuP erhält gezielte Sicherheitsunterweisung und darf unter Aufsicht begrenzte Tätigkeiten ausführen. Durch den Einsatz von EFKffT und EuP für Routineaufgaben werden die hochqualifizierten EFKs entlastet. So können Prüfpläne eingehalten werden, ohne gegen Arbeitsschutzgesetze zu verstoßen.

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Internationale Rekrutierung und neue Gesetze

Die Integration ausländischer Fachkräfte ist ein weiterer Ansatz, stößt aber auf hohe Hürden. Ausländische Elektriker benötigen umfangreiche Anpassungsqualifikationen, um die deutschen DGUV- und VDE-Vorschriften zu beherrschen.

Gleichzeitig schafft der Gesetzgeber neue Bedarfe. Das überarbeitete Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG4) führt seit Januar 2026 strengere Rücknahme- und Kennzeichnungspflichten ein. Der Handel muss umfassende Rücknahmesysteme für Altgeräte einrichten. Die Handhabung potenziell beschädigter Elektronik erfordert personal, das elektrische Gefahren erkennt und Batteriebrände verhindert. Das treibt die Nachfrage nach sicherheitsunterwiesenem Personal im Logistik- und Einzelhandel weiter.

Folgen für Infrastruktur und Markt

Der Engpass hat spürbare wirtschaftliche Konsequenzen. Der Mangel an VEFKs und EFKs verzögert nicht nur kritische Infrastrukturprojekte wie den Netzausbau für erneuerbare Energien oder den Aufbau der Ladeinfrastruktur. Er befeuert auch einen Boom bei externen Prüfdienstleistern.

Viele Betriebe lagern die gesetzlich vorgeschriebenen DGUV V3-Prüfungen an spezialisierte Firmen aus. Doch auch diese Dienstleister stoßen an Kapazitätsgrenzen. Die Wartezeiten für obligatorische Geräteprüfungen werden länger – und der Compliance-Druck auf die Betreiber wächst.

Ausblick: Automatisierung und permanente Qualifizierung

Experten rechnen damit, dass der Personalmangel in der Elektrosicherheit das nächste Jahrzehnt prägen wird. Der demografische Wandel und rückläufige Zahlen in technischen Studiengängen verschärfen die Situation.

Die Branche wird daher stärker auf technologische Lösungen setzen müssen. Digitale Prüfprotokolle, Sensoren für vorausschauende Wartung und automatisierte Sicherheitsüberwachung sollen den manuellen Prüfaufwand reduzieren. Die interne Qualifizierung von EFKffT und EuP wird vom Notbehelf zur Dauerstrategie. Die Zukunft der Elektrosicherheit in Deutschland liegt in einer hybriden Strategie: intelligente Automation kombiniert mit hochspezialisiertem, kontinuierlich geschultem Personal.

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