Elektronische, Patientenakte

Elektronische Patientenakte: Datenschutzmängel und mangelnder Nutzen bremsen Akzeptanz

01.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.de

Die verpflichtende ePA wird von den meisten Versicherten nicht aktiv genutzt. Gründe sind fehlender Mehrwert und Sicherheitsbedenken, die Ärzte im Praxisalltag kompensieren müssen.

Die elektronische Patientenakte (ePA) kommt in Deutschland nicht richtig in Fahrt. Trotz verpflichtender Einführung nutzt eine große Mehrheit der Versicherten die digitale Akte nicht aktiv. Gründe sind anhaltende Datenschutzbedenken und ein fehlender praktischer Mehrwert. Diese Lücke müssen nun Ärzte im Praxisalltag füllen.

Verbraucher bleiben skeptisch: ePA wird kaum genutzt

Eine aktuelle Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt ein klares Bild: Obwohl die ePA seit 2025 für alle gesetzlich Versicherten automatisch eingerichtet wird, verwalten 71 Prozent der Nutzer ihre Akte nicht aktiv. Drei Viertel der Nicht-Nutzer haben sich schlicht noch nicht mit dem Thema beschäftigt. Ein Drittel sieht keinen persönlichen Vorteil, 13 Prozent haben explizit Datenschutzbedenken.

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„Die ePA bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück“, kritisiert vzbv-Vorständin Ramona Pop. Es fehlten alltagsrelevante Funktionen wie ein digitales Impfheft oder ein Mutterpass, die den Nutzen greifbar machen würden. Die Verbraucherschützer fordern eine zügige Weiterentwicklung, die sich stärker an Patient*innen orientiert.

Ärzte in der Pflicht: Sie müssen über Risiken aufklären

Ein aktueller Bericht der Ärzte Zeitung deckt auf: Die Krankenkassen kommen ihrem Informationsauftrag über Chancen und Risiken der ePA nur unzureichend nach. Diese Lücke müssen nun Mediziner in ihren Praxen schließen. Sie sehen sich gezwungen, Patient*innen aufzuklären und abzuwägen, welche Daten sie in die Akte einstellen.

Zwar gibt es neue rechtliche Regelungen im Sozialgesetzbuch, um sensible Informationen zu schützen. So kann auf eine Befüllung verzichtet werden, wenn „erhebliche therapeutische Gründe“ vorliegen. Doch eine zentrale Forderung bleibt offen: der Schutz der ePA-Daten vor Beschlagnahme durch Ermittlungsbehörden. Das Bundesgesundheitsministerium sah hierfür zuletzt 2023 keinen gesetzlichen Handlungsbedarf.

Alte Sicherheitslücken schaden nachhaltig dem Vertrauen

Die Sicherheitsdebatte ist nicht neu. Bereits Ende 2024 demonstrierte der Chaos Computer Club (CCC) schwerwiegende Lücken in der Infrastruktur. IT-Experten zeigten, wie man sich mit überschaubarem Aufwand unautorisiert Zugang zu Millionen Akten verschaffen konnte – ohne physische Gesundheitskarte.

Die Betreibergesellschaft gematik schloss die Lücken und betonte, die Angriffe seien in der Praxis schwer umsetzbar gewesen. Doch die Vorfälle haben das Vertrauen in die zentral gespeicherten Gesundheitsdaten nachhaltig erschüttert. Sie befeuern die Forderung nach robusteren Schutzmechanismen.

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Politische Ziele scheitern an der Praxis

Die Bundesregierung treibt die Digitalisierung voran, um die Versorgung zu verbessern. Die verpflichtende ePA-Einführung war ein Meilenstein. Doch der politische Wille stößt auf erhebliche praktische Hürden in Arztpraxen und Kliniken.

Mediziner kritisieren die mangelhafte technische Umsetzung und Störanfälligkeit. Die ePA wird oft als „unsortierte PDF-Sammlung“ beschrieben, der eine intelligente Volltextsuche fehlt. Dieser Umstand, gepaart mit den Datenschutzbedenken, führt zu einer geringen Akzeptanz im medizinischen Alltag.

Ausblick: Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg

Die Zukunft der ePA hängt davon ab, ob das Vertrauen von Versicherten und Ärztinnen gewonnen werden kann. Dafür sind grundlegende Nachbesserungen nötig. Verbraucherschützer fordern nützliche Anwendungen und ein feingranulares Berechtigungsmanagement, mit dem Patientinnen präzise steuern können, wer welche Daten einsehen darf.

Ärzteseits wird eine stabilere und praxistauglichere Technik verlangt. Übergreifend bleibt der Datenschutz die größte Hürde. Nur wenn die Sicherheit sensibler Gesundheitsdaten zweifelsfrei gewährleistet ist, kann die ePA ihr Potenzial als zentrales Instrument einer modernen Gesundheitsversorgung entfalten.

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