DIWASS, Abfall-Chaos

DIWASS: Deutsche Industrie warnt vor digitalem Abfall-Chaos

13.03.2026 - 00:00:15 | boerse-global.de

Führende Wirtschaftsverbände fordern Übergangslösungen für das digitale Abfallnachweisverfahren, das ab Mai 2026 droht, den Transport von Sekundärrohstoffen zu blockieren.

DIWASS: Deutsche Industrie warnt vor digitalem Abfall-Chaos - Foto: über boerse-global.de
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Die geplante Digitalisierung von EU-Abfalltransporten droht, Lieferketten lahmzulegen. Eine breite Allianz deutscher Verbände fordert von der Bundesregierung dringend pragmatische Übergangslösungen.

Dringender Appell an Berlin

Führende Wirtschaftsverbände schlagen Alarm: Das für Mai 2026 geplante digitale Abfallnachweisverfahren DIWASS könnte den europäischen Kreislaufwirtschaftsstandort massiv gefährden. In einem gemeinsam Schreiben an mehrere Bundesminister warnten am 11. März 2026 der bvse, der BDSV, der VDM, der BGL und Die Papierindustrie vor schwerwiegenden Betriebsstörungen.

Der Kern des Problems: Die neue Verordnung verlangt eine vollständige digitale Anmeldung von "Green-List"-Transporten mindestens zwei Werktage vor Abfahrt. "Diese Frist widerspricht der betrieblichen Realität", erklärt ein Verbandssprecher. In der Recycling- und Logistikbranche werden Transporte oft kurzfristig – manchmal innerhalb weniger Stunden – disponiert. Die starre Vorlaufzeit bringe keinen Mehrwert für die Überwachung, verursache aber massive Bürokratie.

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Technische Hürden bedrohen Frist

Das DIWASS-System soll ab 21. Mai 2026 die bisherigen Papierdokumente ersetzen. Doch die technische Umsetzung hinkt hinterher. Laut Industrieangaben wurden entscheidende Spezifikationen und Leitfäden erst mit erheblicher Verspätung veröffentlicht. Softwareentwickler und IT-Abteilungen hätten dadurch kaum Zeit für die Implementierung.

Zentrale Funktionen der Plattform seien derzeit nur eingeschränkt verfügbar. Auch die Prozesse für Benutzerregistrierung und API-Schnittstellen seien noch nicht fertiggestellt. Die Verbände fordern daher dringend, dass während einer Übergangsphase alternative Übermittlungswege – wie physische Dokumente oder E-Mail – weiterhin sanktionsfrei genutzt werden können. Sonst drohten handfeste Lieferengpässe bei sekundären Rohstoffen.

Export-Audits unter Zeitdruck

Parallel kritisiert die Branche neue Prüfpflichten für Abfallexporte. Ab Mai 2027 müssen europäische Exporteure unabhängige Audits in Nicht-OECD-Ländern durchführen. Das Problem: Die EU will erst im November 2026 die finale Liste der zugelassenen Zielländer veröffentlichen.

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"Das gibt Unternehmen nur sechs Monate, um komplexe internationale Prüfungen zu organisieren", moniert der bvse. Diese Unsicherheit mache die EU als Handelspartner unattraktiv und gefährde die optimale Verwertung von Rohstoffen, die im Inland nicht verarbeitet werden können. Die Recyclingverbände fordern transparentere Genehmigungsverfahren, klare Audit-Leitlinien und eine Fristverlängerung um mindestens sechs bis zwölf Monate.

Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spiel

Die Kontroverse zeigt den Spagat zwischen Umweltschutz und industrieller Praxis. Grenzüberschreitende Abfalltransporte sind kein Entsorgungsproblem, sondern die Lebensader der Kreislaufwirtschaft. Sekundärrohstoffe wie Schrott, Altpapier oder sortierte Kunststoffe müssen reibungslos fließen, um europäische Produktionsstandorte zu versorgen.

Sekundärrohstoffe wie Schrott, Altpapier oder sortierte Kunststoffe müssen reibungslos fließen, um europäische Produktionsstandorte zu versorgen.

Marktbeobachter warnen: Während die reformierte Verordnung illegalen Müllexport bekämpfen soll, trifft ihr bürokratisches Raster vor allem legale Recyclingbetriebe. Falls DIWASS zu logistischen Verzögerungen führt, könnten die finanziellen Folgen für die gesamte Branche erheblich sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Digitalisierung als Effizienztreiber wirkt – oder als Handelshemmnis.

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