Discord stellt Plattform auf Jugendschutz-Modus um
10.02.2026 - 22:43:12Die Kommunikationsplattform Discord schaltet alle Nutzer automatisch in einen geschützten Teenager-Modus. Über 200 Millionen Nutzer müssen künftig ihr Alter nachweisen, um uneingeschränkten Zugang zu erhalten. Der radikale Schritt folgt dem weltweit wachsenden Druck auf soziale Netzwerke.
Ab März 2026 startet die gestaffelte Einführung des neuen Sicherheitssystems. Es stellt alle bestehenden und neuen Accounts standardmäßig auf einen restriktiven Modus ein. Damit reagiert Discord nicht nur auf regulatorische Forderungen, sondern auch auf erfolgreiche Tests ähnlicher Maßnahmen in Großbritannien und Australien. Erwachsene Nutzer müssen ihr Alter aktiv bestätigen, um die Schutzvorkehrungen zu deaktivieren – eine fundamentale Änderung der Plattform-Philosophie.
Was der „Teen-by-Default“-Modus konkret bedeutet
Die automatischen Sicherheitseinstellungen sind für nicht verifizierte Accounts verbindlich. Sie blockieren den Zugang zu als altersbeschränkt markierten Servern und Kanälen komplett. Medieninhalte, die als sensibel oder grafisch eingestuft werden, erscheinen automatisch unscharf. Diesen Filter können Nutzer im Teenager-Modus nicht abschalten.
Auch die Kommunikationsfunktionen werden deutlich eingeschränkt. Direktnachrichten von unbekannten Personen landen künftig in einem separaten Anfrage-Ordner. Nur verifizierte Erwachsene können diese Einstellung ändern. Zusätzlich erscheinen Warnhinweise bei Freundschaftsanfragen von Fremden. Die Nutzung der „Stage“-Audiofunktion, bei der einige Nutzer für einen größeren Server sprechen, bleibt ebenfalls Erwachsenen vorbehalten. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, unangemessene Inhalte und unerwünschte Kontakte für jüngere Nutzer zu reduzieren.
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So funktioniert die neue Altersverifikation
Discord setzt für den Zugang zu Erwachsenen-Funktionen auf ein mehrstufiges System, das Privatsphäre betont. Die meisten Nutzer müssen laut Unternehmen nichts tun. Ein „Age Inference Model“ arbeitet im Hintergrund und analysiert nicht-invasive Signale wie Account-Alter und Nutzungsverhalten. So soll mit hoher Sicherheit bestimmt werden, ob ein Nutzer volljährig ist.
In Zweifelsfällen stehen zwei Verifikationsmethoden zur Wahl. Die erste ist ein Gesichtsalterschätzungstool, das ein kurzes Video-Selfie erfordert. Discord betont, dass diese Verarbeitung komplett auf dem Gerät des Nutzers erfolgt – die Videodaten werden nicht an Discord oder Partner übertragen. Die zweite Option ist die Vorlage eines amtlichen Ausweises bei einem vertrauten Drittanbieter. Diese Dokumente werden laut Unternehmen schnell, meist sofort nach Bestätigung des Alters, gelöscht.
Discord gründet ersten Teenager-Rat
Parallel zur Sicherheitsarchitektur baut Discord seinen ersten Teen Council auf. Das Gremium aus 10 bis 12 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren soll authentische Einblicke in die Online-Erfahrungen seiner Zielgruppe liefern. Ihre Perspektiven sollen direkt in die Entwicklung künftiger Produkte, Richtlinien und Bildungsangebote einfließen. Bewerbungen sind bis zum 1. Mai 2026 möglich – ein Signal für das langfristige Commitment, Jugendliche in Entscheidungsprozesse einzubinden.
Industrietrend unter regulatorischem Druck
Discords Umstellung folgt einem klaren Branchentrend. Soziale Medien und Gaming-Plattformen stehen weltweit unter verschärfter Beobachtung von Gesetzgebern und Öffentlichkeit in puncto Kinderschutz. Konkurrenten wie Meta und Roblox haben bereits eigene, verstärkte Altersverifikationssysteme und Standard-Schutzmaßnahmen für Minderjährige eingeführt.
Die neuen Maßnahmen werden zwar als wichtiger Schritt für Nutzersicherheit gelobt, lösen aber auch Datenschutz-Diskussionen aus. Einige Nutzer äußern Bedenken bezüglich der Vorlage persönlicher Ausweise. Sie verweisen auf einen vergangenen Datenschutzvorfall bei einem Drittanbieter, bei dem tausende Ausweiskopien öffentlich wurden. Discord versucht, diesen Bedenken mit seiner privatsphärenorientierten Herangehensweise zu begegnen.
Mit der Einführung im März beginnt für über 200 Millionen Nutzer die Navigation in einer neu strukturierten Umgebung. Die Wirksamkeit der Altersbestimmungstechnologie und die Akzeptanz der Nutzer werden genau beobachtet – nicht nur von Eltern und Aufsichtsbehörden, sondern von der gesamten Digital-Community.
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