Digitale Gesundheitskompetenz wird zur Schlüsselqualifikation
25.03.2026 - 00:00:40 | boerse-global.deÖsterreicher nutzen digitale Gesundheitsangebote massiv, können sie aber kaum bewerten. Das zeigt der aktuelle Gesundheitskompetenz-Bericht. Besonders am Arbeitsplatz wird diese Lücke zum Problem.
Rund 77 Prozent der Bevölkerung greifen bereits auf Gesundheits-Apps oder digitale Geräte zurück. Gleichzeitig haben mehr als zwei Drittel erhebliche Schwierigkeiten, die Vertrauenswürdigkeit von Online-Informationen einzuschätzen. Diese kritische Kompetenzlücke offenbaren neue Daten der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) und der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK).
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Hohe Nutzung, große Verunsicherung
Die technische Verfügbarkeit ist da, die kritische Einordnung fehlt. Services wie „MeineSV“ oder die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) sind zwar weit verbreitet. Doch die Bewertung von wirtschaftlichen Interessen hinter Gesundheitsinformationen überfordert viele Bürger.
Diese Unsicherheit führt laut GÖG häufig zu Fehlentscheidungen im Gesundheitssystem. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Personen mit geringerer Bildung. Für den modernen Arbeitsplatz hat das direkte Konsequenzen: Unternehmen können nicht mehr nur ergonomische Hardware bereitstellen. Sie müssen ihre Belegschaft aktiv unterstützen, digitale Tools kompetent zu nutzen.
Der Arbeitsplatz wird zum Kompetenz-Zentrum
Die digitale Gesundheitskompetenz rückt in den Fokus der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Auf der Dreiländertagung BGF in Innsbruck wurde kürzlich die „Gesundheitskompetente BGF“ als neuer Standard definiert. Betriebe sollen sich zu gesundheitskompetenten Organisationen entwickeln.
Immer mehr Unternehmen setzen auf KI-gestützte Ergonomie-Coaches oder Sensortechnik gegen Haltungsschäden. Doch ohne die Fähigkeit der Mitarbeiter, algorithmische Empfehlungen richtig zu interpretieren, verpuffen diese Investitionen. Auch digitale Mental-Health-Tools scheitern oft an der Angst vor Datenmissbrauch oder mangelndem Vertrauen.
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Infrastruktur wächst – die Nutzer müssen mitkommen
Parallel zur Kompetenzdebatte erreicht die digitale Gesundheitsinfrastruktur Meilensteine. Seit Ende Februar ist das EU-Rezept flächendeckend verfügbar. In Österreich ausgestellte e-Rezepte lassen sich nun auch in Apotheken in Tschechien einlösen. Voraussetzung ist eine aktive Einwilligung der Bürger im ELGA-Portal – wieder eine Hürde, die digitale Grundkompetenz erfordert.
Der Ausbau der ELGA-Bilddaten schreitet voran. Über die Hälfte der öffentlichen Krankenhäuser und ein Viertel der Radiologie-Institute stellen Röntgen- oder MRT-Bilder bereits digital bereit. Für Patienten bedeutet das schnelleren Zugriff, fordert sie aber auch heraus, diese sensiblen Daten sicher zu verwalten.
KI-Nutzung steigt, das Vertrauen bleibt gering
Die Entwicklung markiert einen Wendepunkt. Fast 60 Prozent der Bevölkerung nutzen laut GÖG bereits KI-Tools für Gesundheitsfragen. Das Vertrauen in diese Quellen liegt mit nur 38 Prozent jedoch deutlich niedriger als in offizielle Portale.
Experten fordern eine stärkere Zertifizierung von Online-Anbietern und niederschwellige Schulungen direkt in Lebenswelten wie Schulen oder Betrieben. Für Unternehmen wird die Förderung digitaler Gesundheitskompetenz zum strategischen Vorteil – sie kann Fehlzeiten reduzieren und Fachkräfte binden.
Zukünftige Projekte wie die digitale Zuweisung ab 2027 werden die Anforderungen weiter erhöhen. Der Fokus muss daher über die reine Technik hinausgehen: Das System selbst muss „gesundheitskompetenter“ werden, damit Informationen für alle verständlich sind.
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