Digital Networks Act: EU startet Reform der Telekommunikation
22.01.2026 - 07:16:12Die EU-Kommission will mit dem neuen Digital Networks Act (DNA) den Telekommunikationsmarkt revolutionieren. Der Vorschlag soll den digitalen Binnenmarkt vollenden und Europa für das Zeitalter von KI und Cloud-Computing rüsten.
Brüssel stellt die Weichen für die digitale Zukunft: Mit dem Gesetz über digitale Netze will die Kommission den Rechtsrahmen für die Telekommunikation in der EU grundlegend modernisieren. Der am Mittwoch vorgestellte Entwurf zielt darauf ab, Investitionen in leistungsfähige Infrastrukturen zu beschleunigen und die Widerstandsfähigkeit der Netze zu stärken. Angesichts geopolitischer Spannungen und des rasanten technologischen Wandels soll so die digitale Souveränität Europas gesichert werden.
Ein Gesetz, vier Richtlinien: Der Weg zur Vereinfachung
Kern des Vorhabens ist eine radikale Vereinfachung. Der DNA soll vier bestehende Rechtsakte – darunter den Europäischen Kodex für die elektronische Kommunikation von 2018 – in einer einzigen, direkt anwendbaren Verordnung zusammenfassen. Ähnlich wie bei der DSGVO oder dem Digital Markets Act (DMA) würden die Regeln damit EU-weit vereinheitlicht.
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Für Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom, Orange oder Telecom Italia bedeutet das: weniger bürokratischer Aufwand und einfachere grenzüberschreitende Geschäfte. Die Kommission reagiert damit auf Kritik, der europäische Markt sei zu fragmentiert, um global wettbewerbsfähig zu sein.
Ambitionierte Ziele: Glasfaser, Resilienz und Innovation
Der Entwurf setzt auf drei zentrale Säulen:
- Beschleunigter Netzausbau: Verbindliche nationale Pläne sollen den Abschied von den alten Kupfernetzen und den vollständigen Übergang zu Glasfaser und 5G bis 2035 festschreiben.
- Stärkung der Netzsicherheit: Ein neuer EU‑Vorsorgeplan soll die Infrastruktur besser gegen Naturkatastrophen und Cyberangriffe wappnen. Auch der Zugang zur europäischen Notrufnummer 112 wird gestärkt.
- Förderung des digitalen Ökosystems: Durch klarere Regeln für innovative Dienste und freiwillige Kooperationen soll die Innovationskraft gesteigert werden.
Stolpersteine: Der Streit um Frequenzen und “Fair Share”
Doch der Weg zum einheitlichen Markt ist steinig. Besonders umstritten ist die geplante Harmonisierung der Frequenzvergabe. Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, wehren sich dagegen, die nationale Kontrolle über diese wertvolle Ressource abzugeben. Sie fürchten einen Verlust an Gestaltungsspielraum.
Ebenfalls vom Tisch ist die heiß diskutierte “Fair-Share”‑Abgabe. Große Telekommunikationsanbieter hatten lange gefordert, dass Tech‑Giganten wie Google oder Netflix sich an den Infrastrukturkosten beteiligen müssen. Der nun vorgelegte Entwurf enthält keine solche Netzwerkgebühr. Stattdessen setzt er auf Vertragsfreiheit – eine Entscheidung, die bei den Netzbetreibern auf Enttäuschung stoßen dürfte.
Gemischte Reaktionen und ein langer Verhandlungsmarathon
Die Industrie reagiert gespalten. Während Tech‑Verbände wie die CCIA die Abkehr von der Netzwerkabgabe begrüßen, kritisiert der Branchenverband Connect Europe den Entwurf als zu wenig ambitioniert. Er bleibe hinter den Forderungen der Berichte von Enrico Letta und Mario Draghi zur EU‑Wettbewerbsfähigkeit zurück und biete zu wenig transformative Ansätze.
Nun beginnt der politische Prozess. Das Europäische Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten müssen den Vorschlag beraten und verabschieden. Angesichts der fundamentalen Interessenskonflikte dürften die Verhandlungen langwierig werden. Ob der DNA den angekündigten Paradigmenwechsel einleiten kann, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
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