DHL, Sicherheit

DHL und Co. setzen auf Sicherheit als Wettbewerbsvorteil

09.02.2026 - 12:54:12

Die Logistikbranche spaltet sich in Sicherheits-Vorreiter und Nachzügler. Während Top-Arbeitgeber wie DHL in KI und Schutz-Technologien investieren, fordern Gewerkschaften mit Streiks bessere Arbeitsbedingungen.

Die deutsche Logistikbranche spaltet sich 2026 in Sicherheits-Vorreiter und Nachzügler. Während Top-Arbeitgeber wie DHL in Schutz-Technologien investieren, fordern Gewerkschaften mit Streiks bessere Arbeitsbedingungen.

Der Fachkräftemangel zwingt die Branche zum Umdenken. Das Top Employers Institute zeichnete im Januar Unternehmen aus, die besonders in das Wohl ihrer Belegschaft investieren. Die DHL Post & Parcel Germany stieg dabei auf Platz drei der nationalen Rangliste auf. Die Ehrung basiert auf perfekten Bewertungen in den Kategorien „Menschen-Strategie“ und „Führung“ – ein klares Signal, dass Gehalt allein heute nicht mehr reicht.

„Das Zertifikat bestätigt unser Engagement, physische Belastung zu reduzieren und Schutz-Technologien zu integrieren“, so ein Branchenkenner. Auch andere Konzerne wie Vector Logistics oder Boehringer Ingelheim setzen auf ganzheitliche Programme für Sicherheit und psychische Gesundheit. Für sie ist dies die neue Grundlage, um im Krieg um Talente zu bestehen.

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Ver.di streikt für sichere Arbeitsplätze

Während die Spitzenreiter feiern, brodelt es in der Breite der Branche. Die Gewerkschaft ver.di mobilisierte Anfang Februar zehntausende Beschäftigte für Warnstreiks. Der Verkehr in mehreren Kommunen kam zum Erliegen.

Im Fokus der Forderungen stehen nicht nur Löhne. Ver.di nennt „unerträgliche Arbeitsbedingungen“ und fordert kürzere Schichten, längere Ruhezeiten und strengere Sicherheitsvorgaben für Nacht- und Wochenendarbeit. „Ohne diese strukturellen Veränderungen gefährden wir die Gesundheit der Beschäftigten und schrecken junge Leute ab“, argumentiert die Gewerkschaft.

Die Debatte hat sogar die europäische Ebene erreicht. Der Ausschuss für Beschäftigung des EU-Parlaments befragte Ende Januar Manager zum Thema Sicherheit in Amazon-Lagern. Die Abgeordneten interessierten sich für Verletzungsraten und den Umgang mit Überwachungstechnologie. Die Botschaft ist klar: Arbeitsschutz ist kein internes Thema mehr, sondern ein zentrales Element der EU-Sozialpolitik.

KI und Wearables als Schutzengel

Die Antwort der Vorreiter-Unternehmen auf diesen Druck heißt Technologie. Statt passivem Schutz setzen sie auf aktive Sicherheitssysteme.

Intelligente Sicherheitswesten kommunizieren direkt mit fahrerlosen Transportrobotern. Betritt ein Mitarbeiter deren Route, bremst die Maschine automatisch ab. Kollisionen werden so verhindert, ohne den gesamten Workflow zu unterbrechen.

KI-gestützte Ergonomie-Software analysiert Bewegungsmuster und schlägt Personalrotation vor, bevor Ermüdung zu Verletzungen führt. Diese Praxis wird von Personalchefs als Schlüssel zur Reduzierung von Muskel-Skelett-Erkrankungen genannt.

Der nächste Schritt sind prädiktive Systeme. Generative KI wertet Beinahe-Unfalldaten aus, um Gefahren zu identifizieren, bevor es zum Ernstfall kommt. Die Logistik bewegt sich weg von reaktiver Meldung hin zu vorausschauender Risikoanalyse.

EU verschärft die Regeln bis Juni

Parallel treibt Brüssel die Regulierung voran. Ein Fokus im ersten Halbjahr 2026 ist die vollständige Umsetzung der EU-Richtlinie 2025/1801 für den Gefahrguttransport.

Ab Juni 2026 gelten ein einheitlicher Kontrollleitfaden und ein strengeres Sanktionssystem. Entscheidend ist die Ausweitung der Haftung auf die gesamte Lieferkette – vom Absender bis zum Empfänger. Unternehmen müssen ihre Dokumentationssysteme upgraden und alle Mitarbeiter, nicht nur Fahrer, in den neuen Protokollen schulen.

Auch im maritimen Bereich sind seit Januar 2026 neue IMO-Sicherheitsvorschriften in Kraft. Diese branchenspezifischen Regeln spiegeln einen generellen Trend wider: Schlupflöcher schließen sich, Sicherheitsstandards werden über alle Transportwege hinweg vereinheitlicht.

Sicherheit als Betriebserlaubnis

Wirtschaftsprognosen beschreiben 2026 als „schwieriges Jahr“ für die deutsche Logistik. Bei engen Margen und hohen Kosten sind Sicherheitsverstöße ein unkalkulierbares finanzielles Risiko geworden. Ein Unfall löst nicht nur direkte Kosten, sondern auch behördliche Überprüfungen und Imageschäden aus, die Kunden vergraulen.

Analysten erwarten, dass die Kluft zwischen Top-Arbeitgebern und dem Rest des Marktes wächst. Unternehmen mit Kapital für KI-Sicherheitsnetze und Zertifizierungen festigen ihren Zugriff auf Fachkräfte. Kleinere Betriebe könnten unter dem Doppeldruck von Gewerkschaftsforderungen und EU-Standards hingegen ins Straucheln geraten – was eine Marktkonsolidierung beschleunigen würde.

Blickt man auf das zweite Quartal, wird das Thema „Soziale Compliance“ in Lieferverträgen an Bedeutung gewinnen. Große Automobil- und Einzelhandelskonzerne dürften von ihren Logistikpartnern noch rigorosere Sicherheitsaudits verlangen und so Standards in der gesamten Kette durchsetzen.

Das Ergebnis der laufenden Verhandlungen mit ver.di wird voraussichtlich neue Maßstäbe für Ruhezeiten und Schichtlängen setzen. Gelingt es der Gewerkschaft, strenge Sicherheitsklauseln in die Tarifverträge zu verankern, werden diese Standards de facto zum allgemeingültigen Gesetz – unabhängig vom Status als „Top Employer“.

Für Entscheider in der Logistik ist die Botschaft 2026 eindeutig: Sicherheit ist keine Abteilungsaufgabe mehr, sondern die Betriebserlaubnis schlechthin.

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