DGB, Mitbestimmung

DGB will Mitbestimmung in der Doppelwende stärken

24.01.2026 - 00:34:12

Eine neue Studie zeigt, dass Unternehmen mit starker Arbeitnehmervertretung stabiler sind. Der DGB fordert eine Modernisierung des Betriebsverfassungsgesetzes für die digitale und grüne Transformation.

Deutschlands Gewerkschaften starten eine Offensive für mehr Arbeitnehmerrechte. Angeführt vom DGB soll die Mitbestimmung im Zeitalter von KI und Klimawandel ausgebaut werden. Eine neue Studie liefert den Gewerkschaften nun starke wirtschaftliche Argumente für ihre Forderungen.

Die Hans-Böckler-Stiftung hat diese Woche Daten vorgelegt, die den Wert der Mitbestimmung untermauern. Ihr Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) analysierte 231 deutsche Unternehmen. Das Ergebnis: Firmen mit Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat zeigen eine größere wirtschaftliche Stabilität. Sie halten Beschäftigungsniveaus besser und zahlen zuverlässigere Dividenden. Für den DGB ist das der Beweis: Starke Mitbestimmung ist kein Standortnachteil, sondern ein Wettbewerbsvorteil für resilientes Wachstum.

Doppeltransformation braucht starke Belegschaften

Im Zentrum der Gewerkschaftsstrategie steht eine klare Überzeugung: Die digitale und grüne Wende kann ohne die aktive Beteiligung der Beschäftigten nicht gelingen. Die aktuellen Gesetze, teilweise Jahrzehnte alt, seien für KI-gesteuerte Arbeitswelten und die Anforderungen der Klimaziele nicht mehr ausreichend.

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Der DGB fordert daher eine Modernisierung des Betriebsverfassungsgesetzes. Betriebsräte sollen mehr Rechte erhalten – etwa bei der strategischen Planung von Technologieeinführungen, der Sicherung von Arbeitsplätzen in Umstrukturierungen und der Gestaltung von Qualifizierungsprogrammen. Ein neuer Fokus liegt auch auf Umwelt- und Klimaschutz im Betrieb. So soll die Transformation sozial gerecht gesteuert werden.

2026: Schicksalsjahr für die Betriebsratswahlen

Das Frühjahr 2026 wird zum Prüfstein für die gewerkschaftliche Kampagne. Von März bis Mai finden die turnusmäßigen Betriebsratswahlen statt. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften nutzen die Wochen davor für intensive Mobilisierung. Ihr Ziel: Mehr Betriebsräte, besonders in Dienstleistungs- und Tech-Unternehmen, wo die Vertretung oft fehlt.

Parallel laufen strategische Tagungen auf allen Ebenen. Mitte Januar stellte der DGB-Bundesvorstand auf seiner Jahresauftakt-Pressekonferenz die Weichen. Er positionierte sich deutlich gegen Forderungen aus Arbeitgeberkreisen nach Deregulierung und Sozialabbau. Stattdessen setzen die Gewerkschaften auf Mitbestimmung und Tarifbindung als Säulen einer proaktiven Industriepolitik.

Langfristige Vision: Ein neuer Rechtsrahmen bis 2030

Über die Wahlen hinaus arbeitet der DGB an konkreten gesetzgeberischen Forderungen an die Bundesregierung. Die auf Regionalkonferenzen, wie der am 31. Januar in Baden-Württemberg, beschlossenen Strategien sollen in einen umfassenden Reformvorschlag münden. Die langfristige Vision ist ein zukunftsfähiger Mitbestimmungsrahmen für das 21. Jahrhundert, der bis 2030 verabschiedet sein soll.

Der Erfolg dieser Offensive wird maßgeblich beeinflussen, ob der Weg zur klimaneutralen und digitalen Wirtschaft in Deutschland sozial ausgewogen gestaltet werden kann. Die Gewerkschaften stellen sich damit klar gegen Narrative, die Arbeitnehmerrechte als Bremsklotz für wirtschaftliche Dynamik darstellen.

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