Deutschland tritt globalem Netzwerk gegen Hungerkrisen bei
27.02.2026 - 00:00:45 | boerse-global.deDeutschland ist dem Globalen Netzwerk gegen Hungerkrisen beigetreten. Die Bundesregierung will sich so stärker im Kampf gegen weltweite Ernährungsunsicherheit engagieren. Der Schritt erfolgt in einer paradoxen Zeit: Während Millionen Menschen hungern, kämpfen Industrienationen mit den Folgen von Fehlernährung.
Ein Bündnis für bessere Frühwarnung
Das Globale Netzwerk ist eine Initiative von UN-Organisationen, der Weltbank und der EU-Kommission. Es zielt darauf ab, durch Datenanalyse drohende Hungerkrisen früher zu erkennen und Hilfe gezielter zu steuern. Entwicklungsstaatssekretär Niels Annen betonte die Notwendigkeit kluger Investitionen. In Zeiten globaler Fragmentierung seien starke Partnerschaften entscheidend.
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Doch während Deutschland international kooperiert, hinkt es national hinterher. Ein aktueller Public-Health-Index platziert die Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz von 18 verglichenen Ländern. Der Report identifiziert enorme ungenutzte Potenziale für die öffentliche Gesundheit.
Die deutsche Zucker-Falle
Die Zahlen sind alarmierend: Jeder Deutsche konsumiert durchschnittlich 90 Gramm Zucker pro Tag. Das ist fast das Doppelte der von der WHO empfohlenen Höchstmenge. Im Jahr 2024 produzierte die Industrie hierzulande 7,7 Milliarden Liter zuckerhaltige Getränke.
Mediziner machen diesen Überkonsum für die Zunahme von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Seit Jahren fordern Fachgesellschaften deshalb eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild. Dort führte die Abgabe bereits zu weniger Zucker in Softdrinks. In Deutschland bleibt die Politik bisher untätig.
Ein Planet, zwei Ernährungsprobleme
Experten warnen: Hunger und Fehlernährung sind zwei Seiten derselben Medaille. Beide wurzeln in kaputten Ernährungssystemen. Die globale Nahrungsmittelproduktion verursacht 30 Prozent der Treibhausgase und überschreitet planetare Grenzen.
Gleichzeitig hat Milliarden Menschen keinen Zugang zu gesunder Ernährung. Die „Planetary Health Diet“ der EAT-Lancet-Kommission zeigt einen Ausweg: mehr Obst, Gemüse und Nüsse, dafür halb so viel rotes Fleisch und Zucker. Diese Ernährung könnte Millionen vorzeitige Tode verhindern.
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Wird die Politik endlich mutig?
Die wirtschaftlichen Kosten des aktuellen Systems sind immens. Die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten belastet die Gesundheitssysteme, Klimawandel bedroht Ernten. Organisationen fordern eine radikale Neuausrichtung: Weg von Subventionen für umweltschädliche Landwirtschaft, hin zu nachhaltiger Produktion.
Kann der internationale Schritt Deutschlands auch nationale Debatten anschieben? Wirksame Hebel liegen auf dem Tisch: eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung, Werbebeschränkungen für ungesunde Kinderprodukte und eben jene Zuckersteuer. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Politik den Mut zu tiefgreifenden Reformen findet.
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