Deutschland, Verwaltung

Deutschland fällt bei digitaler Verwaltung zurück

28.02.2026 - 11:19:00 | boerse-global.de

Während Länder wie Kap Verde und Kasachstan digitale Bürgerportale und KI-Assistenten starten, sind in Deutschland erst 28 Prozent der geplanten OZG-Dienste verfügbar.

Während weltweit digitale Bürgerportale und KI-Assistenten starten, hinkt Deutschland bei der Verwaltungsdigitalisierung hinterher. Nur 28 Prozent der geplanten OZG-Dienste sind bundesweit verfügbar – ein Ergebnis, das im Kontrast zu den Fortschritten anderer Nationen in dieser Woche steht.

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Globale Vorreiter setzen neue Maßstäbe

Kap Verde hat am 24. Februar mit GOV.CV eine zentrale Plattform für alle Behördengänge gestartet. Sie ersetzt ein Flickwerk aus Einzelsystemen und soll Bürokratie abbauen. Fast zeitgleich trat Kasachstan in die Umsetzungsphase seines Digitalpakts 2026 ein. Das Ziel: 80 Prozent der Beamten mit digitalen Arbeitsplätzen ausstatten und 30 Prozent der staatlichen IT-Systeme auf die nationale Plattform QazTech migrieren. 50 Dienstleistungen sollen zudem von Künstlicher Intelligenz gesteuert werden.

In Europa gehen die Niederlande einen ähnlichen Weg. Seit dem 26. Februar testen 27 Kommunen den virtuellen Assistenten Gem, der auf dem nationalen KI-Modell GPT-NL basiert. Die Botschaft ist klar: Digitale Souveränität durch eigene Technologie.

Nachhaltigkeit wird zum Pflichtprogramm

Die ökologischen Folgen der Digitalisierung rücken in den Fokus. Auf dem Global Digital Sustainability Alliance Summit am 27. Februar warnten Experten davor, dass der massive Ausbau der digitalen Infrastruktur Klimaziele gefährden könnte. Ihre Forderung: Nachhaltigkeit muss von Anfang an in die Planung einfließen – und zum Standard bei der öffentlichen Beschaffung werden.

Deutschlands OZG 2.0: Ambition trifft auf Realität

Während andere Länder vorpreschen, steckt Deutschland im Föderalismus-Dilemma fest. Analysen vom 23. Februar belegen das ernüchternde Zwischenfazit: Von den über 600 im Onlinezugangsgesetz (OZG 2.0) vorgesehenen Dienstleistungen sind nur knapp 28 Prozent flächendeckend nutzbar.

Das Problem liegt in der Herangehensweise der vergangenen Jahre. Oft wurden lediglich Papierformulare online gestellt, anstatt eine durchdachte Gesamtarchitektur zu schaffen. Heute konzentriert man sich zwar auf Standardisierung und das „Einer-für-Alle“-Prinzip (EFA), doch veraltete Technik und die komplexe Zuständigkeit zwischen Bund und Ländern bremsen den Fortschritt aus.

Die Folge: Deutschland landet im EU-Vergleich nur auf Platz 18 von 27 Staaten bei der E-Government-Leistung. Das Leibniz-Informationszentrum für Wissenschaft und Technologie widmet diesem Thema im März ein eigenes Forum. Die Erkenntnis der Experten ist deutlich: Es braucht nicht nur neue Software, sondern einen grundlegenden Umbau der Verwaltungsabläufe.

Paradigmenwechsel: Von Einzellösungen zu digitaler Infrastruktur

Die internationalen Projekte zeigen einen Trend. Es geht nicht mehr um isolierte Apps, sondern um Digitale Öffentliche Infrastruktur (DPI). Diese behandelt digitale Identität, sicheren Datenaustausch und Zahlungen als Grundlage, auf der alle weiteren Dienste aufbauen.

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Dieser ansatz stärkt die digitale Souveränität. Eigenentwicklungen wie QazTech oder GPT-NL verringern die Abhängigkeit von ausländischen Tech-Giganten. Sensible Bürgerdaten bleiben unter nationaler Kontrolle. Der Einsatz von Biometrie und Verschlüsselung schafft zudem ein neues Maß an „Vertrauen durch Design“.

Ausblick: KI und Integration bestimmen die Zukunft

Für Länder mit stabiler digitaler Basis geht es nun darum, KI-Dienste massiv auszurollen – von der automatischen Steuererklärung bis zur prädiktiven Sozialhilfe. Für Deutschland bleibt die Aufgabe, föderale Hürden und Altsysteme zu überwinden. Die Versprechen des OZG 2.0 einzulösen, wird weiterhin Geduld und politischen Willen erfordern. Der globale Standard für öffentliche Dienstleistungen entwickelt sich indes rasant weiter – und setzt die Erwartungen der Bürger auch hierzulande immer höher.

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