Deutsche Wirtschaft fordert radikale GDPR-Reform
21.02.2026 - 15:09:12 | boerse-global.deDeutsche Unternehmen fordern eine umfassende Modernisierung der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Sie sehen Innovation, Digitalisierung und KI-Entwicklung in Gefahr.
Eine neue Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen zeigt dramatische Unzufriedenheit. Ganze 79 Prozent der Firmen fordern von der Bundesregierung, eine umfassende Reform auf EU-Ebene voranzutreiben. 71 Prozent halten eine Lockerung der Regeln für nötig. Und fast alle Unternehmen (97 Prozent) klagen über einen „hohen“ oder „sehr hohen“ bürokratischen Aufwand.
Der administrative Aufwand wächst stetig. 69 Prozent der Firmen berichten, dass ihr datenschutzbezogener Arbeitsaufwand im vergangenen Jahr zugenommen hat. Die größten Bremsklötze sind die Dokumentationspflichten (73 Prozent) und die technische Umsetzung der Vorgaben (69 Prozent).
Hinzu kommt massive Rechtsunsicherheit. 82 Prozent der Unternehmen beklagen unklare Anforderungen. Diese Grauzone führt zu übertriebener Vorsicht – 72 Prozent finden, der Datenschutz in Deutschland sei „übertrieben“. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leiden: 62 Prozent aller Befragten halten die Regeln für KMU praktisch nicht umsetzbar.
KI-Entwicklung droht, Europa zu verlassen
Die Kritik geht über Bürokratie hinaus. Die Wirtschaft sieht die technologische Zukunftsfähigkeit bedroht. 77 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass die DSGVO die digitale Transformation aktiv behindert.
Im Fokus steht die Künstliche Intelligenz. 69 Prozent der Firmen geben an, die DSGVO erschwere das Training von KI-Modellen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (50 Prozent). Die Konsequenz? Fast zwei Drittel (63 Prozent) fürchten, dass die strengen Regeln KI-Entwicklung aus Europa vertreiben werden. Die Forderung ist klar: 71 Prozent verlangen eine gezielte Anpassung der DSGVO an das KI-Zeitalter.
Für Unternehmen, die trotz strenger Regeln weiterhin KI entwickeln wollen, gibt es jetzt praktische Hilfe. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung erklärt verständlich, welche Pflichten, Risikoklassen und Übergangsfristen gelten und welche Dokumentation nötig ist. So behalten Sie Ihr KI-Projekt rechtssicher im Blick – Jetzt kostenlosen KI-Verordnungs-Leitfaden herunterladen
Forderungskatalog: Von Grundprinzipien bis Zentralisierung
Die Wirtschaft hat konkrete Reformvorschläge im Gepäck. An erster Stelle steht ein radikaler Schritt: 73 Prozent der Unternehmen fordern die Abschaffung des Verbots mit Erlaubnisvorbehalt. Dieses Grundprinzip der DSGVO erlaubt Datenverarbeitung nur mit spezifischer Rechtsgrundlage.
Weitere zentrale Forderungen sind die Vereinfachung der Regeln für pseudonymisierte Daten (63 Prozent) und eine strukturelle Reform der Aufsicht. Über die Hälfte der Firmen (53 Prozent) spricht sich für eine Zentralisierung der Datenschutzaufsicht auf Bundesebene aus. Sie erhoffen sich so mehr Einheitlichkeit und Planbarkeit.
EU-Reformpaket: Hoffnungsschimmer mit Widerstand
Der Druck aus der Wirtschaft trifft auf eine bereits laufende Debatte in Brüssel. Die EU-Kommission hat mit ihrem „Digitalen Omnibus“ ein Reformpaket vorgelegt. Es soll unter anderem die Definition personenbezogener Daten klären und die Datennutzung für KI-Training erleichtern.
Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und Bitkom begrüßen diesen Schritt als notwendige Entbürokratisierung. Doch es gibt lautstarke Kritik. Datenschutzaktivisten und zivilgesellschaftliche Organisationen warnen vor „Schlupflöchern für Big Tech“ und einem Aushöhlen der Bürgerrechte.
Auch die deutschen Datenschutzbehörden äußern sich skeptisch. Sie befürchten, dass einige Änderungen neue Rechtsunsicherheit schaffen könnten, ohne KMU wirklich zu entlasten. Ihr Vorschlag: Eine gesetzliche „Privacy by Design“-Pflicht für Hersteller, die den Schutz bereits in IT-Produkte einbaut.
Ausblick: Der schwierige Balanceakt
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Der massive Druck der deutschen Wirtschaft zwingt Berlin und Brüssel zum Handeln. Die Politik steht vor der Quadratur des Kreises: Sie muss die Innovationskraft der Wirtschaft stärken, ohne die europäischen Datenschutzstandards aufzugeben.
Die Verhandlungen um den „Digitalen Omnibus“ werden zeigen, ob die EU ihre Vorreiterrolle im Datenschutz an die Realitäten der digitalen Wirtschaft anpassen kann. Oder ob der Konflikt zwischen Privatsphäre und Fortschritt weiter eskalieren wird.
Rätst du noch bei deiner Aktienauswahl oder investierst du schon nach einem profitablen System?
Ein Depot ohne klare Strategie ist im aktuellen Börsenumfeld ein unkalkulierbares Risiko. Überlass deine finanzielle Zukunft nicht länger dem Zufall oder einem vagen Bauchgefühl. Der Börsenbrief 'trading-notes' nimmt dir die komplexe Analysearbeit ab und liefert dir konkrete, überprüfte Top-Chancen. Mach Schluss mit dem Rätselraten und melde dich jetzt für 100% kostenloses Expertenwissen an.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.


