Logistik, Roboter-Revolution

Deutsche Logistik setzt auf Roboter-Revolution gegen Paketflut

22.01.2026 - 22:53:12

Deutschlands Paketbranche investiert massiv in Automatisierung, um mit dem E-Commerce-Boom Schritt zu halten. Pilotprojekte und neue Dienstleistungsmodelle sollen die Lieferkette widerstandsfähig machen.

Deutschlands Paketbranche investiert massiv in Roboter und KI, um der Explosion des Online-Handels Herr zu werden. Die Volumen steigen rasant, die Netzwerke ächzen – Automatisierung wird zum Überlebensmittel.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ein großer europäischer Paketdienstleister verzeichnete 2025 rund 1,4 Milliarden Sendungen, ein Plus von 25 Prozent im Jahresvergleich. Der deutsche Last-Mile-Markt, also die finale Zustellung, war 2025 über 30 Milliarden US-Dollar schwer. Für 2026 werden mehr als 31 Milliarden prognostiziert. Treiber ist Deutschlands Rolle als größter E-Commerce-Markt Europas. Die logische Konsequenz? Eine Tech-Offensive in den Lagern.

KI als Dirigent im Roboter-Orchester

Die Otto Group geht mit einem Pilotprojekt voran. In einem Hermes-Fulfilment-Zentrum in Löhne testet der Konzern ein KI-gesteuertes Virtuelles Kontrollsystem. Kern ist ein digitaler Zwilling – ein exaktes, virtuelles Abbild des Lagers. In dieser Simulation lernen und koordinieren sich verschiedene Flotten autonomer Transportroboter, auch von unterschiedlichen Herstellern. Das Ziel: reibungslose Zusammenarbeit für schnellere Lieferzeiten. Das Projekt könnte zum Blaupause für die gesamte Branche werden.

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dm und Start-ups ziehen nach

Der Automatisierungsschub ist branchenübergreifend. Der Drogerieriese dm-drogerie markt rüstet sein Logistikzentrum in Wustermark bei Berlin massiv auf. Herzstück sind 70 mobile „Quba“-Roboter für den Transport und 30 „RovoFlex“-Roboter, die einen Sortierer beladen. Die Investition ist eine Antwort auf wachsende Sortimente und komplexe Kleinteil-Aufträge.

Gleichzeitig wird die Technologie zugänglicher. Das Düsseldorfer Start-up NEOintralogistics sicherte sich kürzlich eine Seed-Finanzierung von drei Millionen Euro. Das Unternehmen vermietet Roboter als Dienstleistung (Robotics-as-a-Service, RaaS). Kunden zahlen pro Kommissioniervorgang, nicht für teure Anschaffungen. So können auch mittelständische Betriebe binnen Wochen automatisieren – ein Paradigmenwechsel.

Vom reagierenden zum vorausschauenden System

Die Revolution geht über physische Roboter hinaus. Die Branche spricht für 2026 von „Predictiver Logistik“. KI-Algorithmen sollen Pakete in Echtzeit umleiten, noch bevor Stau oder Wetter Verzögerungen verursachen. Die Supply Chain wird vom Feuerwehr-Modus auf Vorhersage umgestellt.

Deutschlands Ingenieurskunst in diesem Feld ist international gefragt. Das zeigt die Nominierung des Fraunhofer IFAM für den ROBOTICS AWARD 2026. Das Institut entwickelte einen „Werkzeugmaschinenroboter“, der die Lücke zwischen Industrierobotern und Werkzeugmaschinen schließt. Solche Innovationen bauen auf langfristigen Strategien wie dem milliardenschweren Digitalisierungsprogramm der Deutschen Post DHL auf.

Warum der Druck so groß ist

Die Triebkräfte für diesen Umbruch sind mächtig: Rekordmengen im E-Commerce, ein angespannter Arbeitsmarkt und Kunden, die immer schnelle Lieferung erwarten. Deutschlands zentrale Lage in Europa verstärkt den Druck zusätzlich. Die hiesigen Logistikdrehscheiben sind neuralgische Punkte für den gesamten Kontinent.

Das Aufkommen von RaaS-Modellen ist dabei ein entscheidender Trend. Sie demokratisieren den Zugang zu Hightech und ermöglichen auch kleineren Playern, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die nächste Grenze ist die intelligente Vernetzung: Nicht einzelne Roboter, sondern das gesamte Lagersystem wird durch KI optimiert.

Die Projekte dieser Woche sind nur der Anfang. Die Branche baut an einer intelligenten, widerstandsfähigen Lieferkette, die auf das Wachstum von morgen vorbereitet ist. Das Ziel ist eine Logistik, die die Paketflut der nächsten Peak-Season schon bewältigt, bevor sie überhaupt anrollt.

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