DeepSeek, KI-Innovation

DeepSeek: KI-Innovation aus China bleibt in Deutschland gesperrt

06.01.2026 - 04:23:12

Der chinesische KI-Hersteller DeepSeek startet mit effizienterer Technologie ins Jahr 2026, bleibt aber in Deutschland aufgrund ungelöster Datenschutzfragen gesperrt. Die Blockade zeigt den Konflikt zwischen KI-Fortschritt und europäischen Regulierungen.

Der chinesische KI-Hersteller DeepSeek startet mit einer bahnbrechenden Technologie in das neue Jahr – doch in Deutschland bleiben seine Dienste blockiert. Während das Unternehmen aus Hangzhou mit einer effizienteren Architektur für große Sprachmodelle aufwartet, halten die deutschen Datenschutzbehörden an den seit 2025 verhängten Restriktionen fest. Der Konflikt zeigt die anhaltende Spannung zwischen rasanter KI-Entwicklung und Europas strengen Datenschutzstandards.

Technischer Fortschritt trifft auf regulatorischen Stillstand

DeepSeek eröffnete 2026 mit einem Paukenschlag: Am 1. Januar veröffentlichte das Unternehmen eine Forschungsarbeit zu einer neuartigen Trainingsmethode namens “Manifold-Constrained Hyper-Connections” (mHC). Diese Architektur verspricht, die Rechenkosten für große Sprachmodelle drastisch zu senken und gleichzeitig die Stabilität zu verbessern. Für Gründer Liang Wenfeng ist dies der Weg, mit US-Rivalen wie OpenAI zu konkurrieren – nicht durch höhere Budgets, sondern durch überlegene Effizienz.

Doch für deutsche Nutzer und Unternehmen bleibt dieser technologische Sprung theoretisch. Die mHC-Ankündigung kommt fast ein halbes Jahr nach dem Abschluss des umfassenden Datenschutz-Prüfverfahrens deutscher Aufsichtsbehörden. Seit Juni 2025 sind DeepSeek-Apps aus den deutschen Storefronts von Apple und Google entfernt. Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BlnBDI) zeigt keine Anzeichen für eine Lockerung der Restriktionen.

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Diese Situation verdeutlicht eine wachsende Spaltung im KI-Markt: Während DeepSeek seine Basistechnologie vorantreibt, ist der Marktzugang in der größten Volkswirtschaft Europas durch ungelöste DSGVO-Compliance-Fragen gelähmt.

Das Prüfverfahren von 2025: Eine Bestandsaufnahme

Um die aktuelle Blockade zu verstehen, lohnt ein Blick auf die koordinierte Aktion deutscher Datenschutzbehörden im vergangenen Jahr. Im Februar 2025 starteten sieben Landesbehörden – angeführt von Hessen und unter Beteiligung von Baden-Württemberg, Berlin und Rheinland-Pfalz – ein formelles Prüfverfahren gegen den chinesischen KI-Anbieter.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf zwei kritische Mängel: das Fehlen eines gesetzlichen Vertreters in der EU nach Artikel 27 der DSGVO und die möglicherweise unrechtmäßige Übermittlung personenbezogener Daten an Server in China. Im Juni 2025 eskalierte die Situation: Die Berliner Beauftragte Meike Kamp stufte die DeepSeek-App als “illegale Inhalte” im Sinne des Digital Services Act (DSA) ein und forderte deren Entfernung aus den App-Stores.

Die Behörden kamen zu dem Schluss, dass DeepSeek keine überzeugenden Nachweise erbracht habe, dass die Daten deutscher Nutzer – inklusive Chatprotokolle, Geräteinformationen und Standortdaten – in China ein mit EU-Standards vergleichbares Schutzniveau genießen. Anders als in Südkorea, wo DeepSeek im April 2025 durch überarbeitete Datenschutzrichtlinien und Opt-out-Möglichkeiten für Datenübermittlungen die Rückkehr auf den Markt schaffte, blieben die Bemühungen in Deutschland ohne Erfolg.

Effizienz versus Datenschutz: Ein grundsätzlicher Konflikt

Die Veröffentlichung der mHC-Forschung zeigt, dass DeepSeek sich von seinen regulatorischen Problemen in Europa nicht aufhalten lässt. Die neue Architektur soll Stabilitätsprobleme beim Training riesiger Modelle adressieren und könnte noch in diesem Jahr den Weg für ein “DeepSeek-R2”-Modell ebnen.

Doch Datenschützer warnen: Algorithmische Effizienz ist nicht gleichbedeutend mit Datenschutzkonformität. Das mHC-Papier konzentriert sich ausschließlich auf Rechenoptimierung und geht nicht auf die datenschutzrechtlichen Bedenken des deutschen Prüfverfahrens ein. Es fehlen jegliche Hinweise auf verbesserte Datenlokalisierung, Anonymisierungsprotokolle oder die Bestellung eines EU-ansässigen Verantwortlichen – alles Schritte, die für eine mögliche Rehabilitation auf dem deutschen Markt Voraussetzung wären.

Beobachter deuten DeepSeeks Strategie als zweigleisig: Einerseits technologische Dominanz anstreben, um Entwickler und Märkte mit laxeren Regulierungen zu gewinnen. Andererseits scheint der Verlust des strengen EU-Verbrauchermarktes vorerst in Kauf genommen zu werden. Diese Haltung riskiert, europäische Unternehmenskunden dauerhaft zu vergraulen, die zunehmend vor “hochriskanten” KI-Tools ohne DSGVO-Zertifizierung zurückschrecken.

Fragmentierter globaler KI-Markt: Deutschland außen vor

Die anhaltende Ausgrenzung DeepSeeks aus Deutschland illustriert die Fragmentierung des globalen KI-Landschaft. Während die neuen mHC-basierten Modelle bald Entwicklern in Asien und möglicherweise den USA zur Verfügung stehen könnten, sind deutsche Unternehmen und Verbraucher aufgrund von Datensouveränitätsbedenken effektiv abgeschnitten.

Diese Trennung wird durch das breitere geopolitische Klima verstärkt. Die deutsche Untersuchung war Teil eines europäischen Trends zur Überprüfung nicht-europäischer KI-Anbieter. Italiens Datenschutzbehörde Garante hatte bereits Anfang 2025 ähnliche Maßnahmen ergriffen. Dass DeepSeek bislang keine dedizierte “EU-konforme” Infrastruktur oder eine separate europäische Gesellschaft angekündigt hat, legt nahe: Die Compliance-Kosten werden im Verhältnis zur Marktchance als prohibitiv hoch eingeschätzt – oder das Unternehmen priorisiert andere Regionen.

Umgekehrt hat die regulatorische Härte in Deutschland europäischen und US-Alternativen mit etablierten EU-Rechenzentren Tür und Tor geöffnet. Sie vermarkten ihre Lösungen zunehmend als “sichere” und “konforme” Alternativen zum chinesischen Herausforderer.

Ausblick: Gibt es einen Weg zurück?

Die entscheidende Frage für 2026 lautet: Wird DeepSeek versuchen, die regulatorische Lücke zu schließen? Die erfolgreiche Rückkehr nach Südkorea beweist, dass das Unternehmen zu politischen Kurswechseln fähig ist. Doch die deutschen Datenschutzbehörden haben die Latte hoch gelegt.

Für eine Wiederaufnahme des Betriebs in Deutschland müsste DeepSeek wahrscheinlich eine umfassende Datenresidenz-Lösung umsetzen – die Speicherung und Verarbeitung EU-Daten strikt innerhalb Europas – und sich externen Audits unterziehen, zusätzlich zur Bestellung des gesetzlich vorgeschriebenen EU-Vertreters.

Solange diese Maßnahmen nicht ergriffen werden, bleibt das Prüfverfahren von 2025 ein definitives Hindernis. Die neue mHC-Architektur mag DeepSeeks Modelle schneller und günstiger trainierbar machen – doch ohne grundlegende Änderungen in der Daten-Governance bleiben die Türen zum deutschen Markt verschlossen. Deutsche Nutzer, die auf die neueste KI-Effizienz hoffen, müssen vorerst von der Seitenlinie zuschauen, während die Datenschutz-Wächter ihre digitale Souveränität verteidigen.

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