Datenschutz-Sandbox: Rheinland-Pfalz startet Reallabor für Innovation
04.02.2026 - 18:09:12Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte startet mit der Universität Bayreuth ein bundesweit neuartiges Projekt. Unternehmen und Behörden können dort digitale Anwendungen rechtssicher testen – ohne sofortige Sanktionsangst. Bewerbungsschluss ist der 6. März 2026.
Ein geschützter Raum für digitale Pioniere
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt oft als Innovationsbremse. Viele Projekte scheitern an rechtlichen Unsicherheiten oder werden gar nicht erst gestartet. Die neue „Datenschutz-Sandbox“ soll das ändern. Als sogenanntes Reallabor bietet sie einen zeitlich begrenzten, experimentellen Rahmen. Hier können Organisationen ihre Software oder Geschäftsmodelle unter realen Bedingungen prüfen – in engem, kooperativem Austausch mit der Aufsichtsbehörde. Bei möglichen Verstößen drohen nicht sofort Bußgelder, sondern zunächst konstruktive Lösungen.
Die Ausschreibung richtet sich an ein breites Feld: Von Start-ups und DAX-Konzernen bis zu Kommunalverwaltungen. Gesucht werden innovative Projekte mit komplexen Datenschutzfragen. Denkbar sind Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz, im Gesundheitswesen oder in der Smart City. Bis zum 6. März 2026 können sich Interessierte bewerben. Mindestens ein Vorhaben wird dann ausgewählt und nicht nur praktisch erprobt, sondern auch intensiv wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse sollen später allen zugutekommen.
Passend zum Thema KI-Regulierung: Die EU‑KI-Verordnung ist seit dem 1. August 2024 in Kraft und stellt Entwickler und Nutzer vor neue Kennzeichnungs-, Risikoklassen‑ und Dokumentationspflichten. Wer KI-Anwendungen rechtssicher einführen will — etwa in einer Datenschutz‑Sandbox — sollte jetzt die wichtigsten Vorgaben kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden fasst Anforderungen, Fristen und Praxistipps kompakt zusammen. Ideal für Start-ups, Behörden und Forschungsteams, die KI-Projekte rechtssicher testen wollen. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Aufsicht und Wissenschaft Hand in Hand
Das Projekt ist eine ungewöhnliche Allianz. Auf der einen Seite steht der Landesbeauftragte für den Datenschutz (LfDI) Rheinland-Pfalz, Professor Dr. Dieter Kugelmann. Er bringt die behördliche Expertise ein. Auf der anderen Seite forschen Professor Dr. Christoph Krönke (Öffentliches Recht) und Professor Dr. Agnes Koschmider (Wirtschaftsinformatik) von der Universität Bayreuth. Diese Kombination aus juristischer und technischer Analyse ist deutschlandweit ein Novum. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben startete im Oktober 2024 und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert.
Vom Kontrolleur zum Ermöglicher
Die Sandbox markiert einen Rollenwandel der Aufsicht. Statt nur zu kontrollieren, agiert der LfDI hier proaktiv als Berater. Dieser Ansatz soll Vertrauen schaffen und den Standort stärken. Auch auf EU-Ebene gewinnt das Konzept an Bedeutung. Der neue KI-Gesetz (AI Act) sieht explizit solche Reallabore vor. Das rheinland-pfälzische Modell könnte somit Schule machen und als Blaupause für andere Bundesländer dienen.
Und was kommt danach?
Nach der Auswahl beginnt die eigentliche Testphase. Die gewonnenen Erkenntnisse werden systematisch aufbereitet. Langfristiges Ziel ist ein praxistauglicher Leitfaden für andere Behörden. Die Ergebnisse sollen auch in die politische Debatte einfließen, um den regulatorischen Rahmen für Innovation und Datenschutz weiterzuentwickeln. Ein ambitioniertes Vorhaben, das zeigen soll, dass Rechtssicherheit und technischer Fortschritt keine Gegensätze sein müssen.


