Datenschutz, Großbritannien

Datenschutz: EU und Großbritannien gehen getrennte Wege

13.02.2026 - 23:23:12

Die europäische Datenschutzlandschaft driftet auseinander: Während Brüssel hohe Standards verteidigt, setzt London auf wirtschaftsfreundliche Reformen. Unternehmen müssen sich auf zwei unterschiedliche Regime einstellen.

Die europäische Datenschutzlandschaft driftet auseinander. Während Brüssel an hohen Standards festhält, lockert London die Regeln für Unternehmen.

Brüssel/London, 13. Februar 2026 – Die Weichen für den Datenschutz in Europa werden neu gestellt – und zeigen in unterschiedliche Richtungen. Fast zeitgleich stellen die obersten EU-Datenschützer einen Entwurf der Kommission an den Pranger, während Großbritannien sein eigenes, liberalisiertes Datenschutzrecht in Kraft setzt. Für Unternehmen, die in beiden Märkten aktiv sind, wird die Compliance-Landschaft damit deutlich komplexer.

EU-Datenschützer schlagen Alarm

In einer scharfen gemeinsamen Stellungnahme haben der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) und der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDSB) am 11. und 12. Februar Bedenken gegen Teile des „Digital Omnibus“-Pakets der EU-Kommission geäußert. Die Behörden fürchten um die Grundpfeiler der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Konkret kritisieren sie den Vorschlag, die Definition personenbezogener Daten einzuengen. Dies könnte den Schutz der Bürger aushöhlen, so die Warnung. Der Vorstoß komme vor allem großen Tech-Konzernen zugute, entlaste aber kleine und mittlere Unternehmen kaum. Zwar begrüßen die Aufseher das Ziel einer besseren Abstimmung der zahlreichen Digitalgesetze. Doch dürfe dies nicht auf Kosten fundamentaler Rechte gehen.

Großbritannien setzt auf wirtschaftsfreundliche Reformen

Während in Brüssel diskutiert wird, hat das Vereinigte Königreich Fakten geschaffen. Seit dem 5. Februar gelten die Reformen des Data (Use and Access) Act 2025. Sie markieren eine bewusste Abkehr von strikten EU-Vorgaben, um Innovation und Wachstum zu fördern.

Zu den wichtigsten Änderungen zählen gelockerte Cookie-Regeln. Für statistische Zwecke oder die Anpassung von Diensten ist nun keine ausdrückliche Einwilligung mehr nötig. Auch die Regeln für automatisierte Entscheidungsfindung wurden neu justiert, um ihren Einsatz zu erleichtern. Gleichzeitig wurden die Befugnisse der Aufsichtsbehörde ICO gestärkt. Sie kann bei Verstößen gegen die Cookie-Vorgaben nun Bußgelder von bis zu 17,5 Millionen Pfund oder vier Prozent des weltweiten Umsatzes verhängen.

Die fragile Datenbrücke zwischen den Welten

Diese Divergenz stellt die erst kürzlich verlängerte „Datenbrücke“ zwischen der EU und Großbritannien auf eine Belastungsprobe. Ende 2025 hatte die EU-Kommission den Angemessenheitsbeschluss bis 2031 verlängert und damit den freien Datenfluss ermöglicht.

Die britischen Reformen waren in diese Bewertung bereits eingeflossen. Doch Brüssel wird die praktischen Auswirkungen genau beobachten. Der Beschluss enthält eine Überprüfungsklausel nach vier Jahren. Sollte sich das Schutzniveau in der Praxis als unzureichend erweisen, könnte die für die Wirtschaft so wichtige Brücke wieder wackeln. Unternehmen müssen ihre Datenschutzstrategien nun auf zwei zunehmend unterschiedliche Regime ausrichten.

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Gerichte setzen weitere Leitplanken

Parallel zur Politik formt auch die Rechtsprechung die Datenschutzlandschaft weiter. Erst am 10. Februar bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Zulässigkeit einer Klage von WhatsApp gegen einen verbindlichen EDSA-Beschluss. Solche Urteile definieren fortlaufend die Grenzen der Datenverarbeitung in Europa und sind auch für internationale Datentransfers von großer Bedeutung.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Spannung zwischen Grundrechtsschutz und wirtschaftlicher Flexibilität auflöst. Während das ICO in London Leitlinien zur Anwendung der neuen Regeln veröffentlicht, wird die kritische EU-Stellungnahme die Debatte um den „Digital Omnibus“ maßgeblich beeinflussen. Die Balance zu finden, bleibt die zentrale Herausforderung auf beiden Seiten des Ärmelkanals.

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