Geldautomaten, Taten

Weniger gesprengte Geldautomaten 2024 - aber Taten an Weihnachten

26.12.2024 - 16:01:16

Das Vorgehen von Polizei und Justiz gegen Geldautomaten-Sprenger zeigt Wirkung: In mehreren BundeslĂ€ndern ist die Zahl solcher Taten in diesem Jahr erheblich zurĂŒckgegangen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den LandeskriminalĂ€mtern ergab.

So berichtete zum Beispiel die Polizei in Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz von weniger FÀllen gesprengter Geldautomaten. TÀter versuchen auf diese Weise, an Geld zu gelangen und richten dabei oft hohe SchÀden an.

Ausgerechnet an Weihnachten schlugen Kriminelle gleich in mehreren FÀllen auf diese Weise zu: Im sÀchsischen Colditz flohen TÀter in der Nacht zu Heiligabend mit Bargeld in bislang unbekannter Höhe. Laut Polizei wurde das GebÀude durch die Wucht von zwei Explosionen stark beschÀdigt. Menschen wurden nicht verletzt, zwei Bewohner mussten jedoch das Haus verlassen und kamen bei Verwandten unter.

Ebenfalls in der Nacht auf Heiligabend wurde ein Automat in einer Bankfiliale in Leverkusen gesprengt. Zeugen beobachteten, wie mindestens zwei dunkel gekleidete MĂ€nner nach der Explosion geflohen. Und am ersten Weihnachtstag entstand in einer Bankfiliale in Veitsrodt in Rheinland-Pfalz bei einer Sprengung ein Schaden von mehr als 200.000 Euro. Das GebĂ€ude wurde am frĂŒhen Mittwochmorgen erheblich beschĂ€digt, so die Polizei.

Wie ist die Lage in ausgewÀhlten BundeslÀndern?

In Nordrhein-Westfalen summierte sich die Zahl der Sprengungen bis Mitte Dezember auf 40 Angriffe in diesem Jahr. Am selben Stichtag des Vorjahres waren es noch 149 Attacken. Das entspricht einem RĂŒckgang um 73 Prozent.

In Niedersachsen gab es nach Angaben des dortigen Landeskriminalamts (LKA) bis Ende November 13 vollendete Sprengungen und 5 Versuche. Im Jahr 2023 sprengten TĂ€ter bis Ende November 26 Geldautomaten, dazu kamen 9 Versuche. In Sachsen-Anhalt waren bis zum 31. Oktober drei Automaten Ziel von Kriminellen. Im gesamten Jahr 2023 waren es 12 FĂ€lle gewesen.

In Rheinland-Pfalz meldeten die Sicherheitsbehörden bis Ende November 21 FĂ€lle im Land - 50 Prozent weniger als im Vorjahr. In Bayern versuchten Kriminelle 22-mal, Bankautomaten zu sprengen. 17-mal gelang es ihnen, Beute zu machen, in 4 FĂ€llen blieb es bei einem Sachschaden. Damit bewegte sich die Zahl der Taten auf dem Niveau des Vorjahrs. In Summe erbeuteten die TĂ€ter dem Landeskriminalamt in MĂŒnchen zufolge mindestens 1,6 Millionen Euro - und verursachten noch dazu einen Sachschaden von rund 4,2 Millionen Euro.

Nicht alle LĂ€nder verzeichneten RĂŒckgĂ€nge: In Baden-WĂŒrttemberg dĂŒrften TĂ€ter bis Ende des Jahres absehbar etwas hĂ€ufiger zugeschlagen haben als im Jahr zuvor. Bereits Ende November lag die Zahl der FĂ€lle bei 42, das ist die gesamte Summe des Vorjahres, wie das Innenministerium in Stuttgart mitteilte.

Was sagt die Statistik?

Das Problem war in den vergangenen Jahren immer grĂ¶ĂŸer geworden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts hatte die Zahl der Automaten-Sprengungen 2022 einen Höchststand seit Beginn der Erhebungen 2005 erreicht. So gab es im vorletzten Jahr bundesweit 496 Geldautomatensprengungen. 2023 verzeichneten die Behörden einen RĂŒckgang: Es gab demnach 461 FĂ€lle. Eine Gesamtzahl fĂŒr das laufende Jahr liegt noch nicht vor.

Den RĂŒckgang fĂŒhrt das BKA auf eine verbesserte Zusammenarbeit der Polizei im In- und Ausland zurĂŒck. Es gab mehrere Festnahmen von mutmaßlichen Automaten-Sprengern. Erst im Oktober berichteten Ermittler von einer internationalen Aktion gegen mutmaßliche Geldautomaten-Sprenger. Zuletzt gab es zudem bundesweit mehrere Prozesse gegen mutmaßliche TĂ€ter.

In mehreren BundeslĂ€ndern gibt es Forderungen nach hĂ€rteren Strafen. Sachsens Innenminister Armin Schuster forderte, die Mindeststrafe auf fĂŒnf Jahre zu erhöhen. Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung vom Oktober sollen die Ermittlungsbehörden mehr Befugnisse bekommen. So ist vorgesehen, dass bei gewerbs- oder bandenmĂ€ĂŸigen Taten kĂŒnftig auch die Telekommunikation ĂŒberwacht werden kann.

Wie hoch ist der Schaden?

Nach SchÀtzungen der Versicherungsbranche entstand den Banken durch gesprengte Geldautomaten im Vorjahr ein Schaden in Höhe von 95 Millionen Euro. Ein Sprecher des LKA von Sachsen-Anhalt erklÀrte, neben technischen GerÀten wie Schneidbrennern, Winkelschleifern, hydraulischen Spreizern oder Hebelwerkzeugen setzten die TÀter auch Gasgemische und Explosivstoffe ein, um die Geldautomaten aufzusprengen.

Zuletzt wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen verstÀrkt. Experten raten Banken zum Beispiel zu speziellen EinfÀrbe- oder Klebesystemen. Dabei wird im Falle einer Explosion Bargeld verklebt oder mit Farbe unbrauchbar gemacht. Weil bei solchen Taten auch Menschenleben in Gefahr sind, wurden zum Teil Geldautomaten aus GebÀuden in separate Container verlagert.

@ dpa.de