Darmbakterien, Alkohol-Brauer

Darmbakterien entpuppen sich als heimliche Alkohol-Brauer

19.01.2026 - 14:22:13

Eine US-Studie belegt, dass spezifische Darmbakterien Kohlenhydrate in Alkohol umwandeln und so das seltene Eigenbrauer-Syndrom verursachen. Dies könnte Diagnose und Behandlung revolutionieren.

Eine US-Studie identifiziert erstmals spezifische Darmbakterien als Hauptursache für das mysteriöse Eigenbrauer-Syndrom. Betroffene werden betrunken, ohne Alkohol getrunken zu haben.

Lange galten Hefepilze als Verdächtige. Doch Forscher des Mass General Brigham und der University of California San Diego fanden nun den wahren Schuldigen: Bakterien. Ihre Studie, veröffentlicht im Fachjournal Nature Microbiology, analysierte Stuhlproben von 22 Patienten und ihren gesunden Partnern.

Das Ergebnis ist eindeutig. Bei den Betroffenen fanden sich massiv erhöhte Mengen der Bakterien Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli. Diese Mikroben verwandeln Kohlenhydrate aus der Nahrung im Darm effizient in Ethanol um. Im Labor produzierten die Patienten-Proben deutlich mehr Alkohol.

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Vom Essen zum Vollrausch

Für Patienten wird harmloses Essen zur Gefahr. Nudeln, Brot oder Zucker dienen den Bakterien als Brennstoff. Der Prozess ist so effektiv, dass Promillewerte entstehen, die weit über der Fahrerlaubnis-Grenze liegen. Symptome wie Sprachstörungen, Schwindel und „Brain Fog“ sind die Folge.

Ernährungswissenschaftler sehen einen Zusammenhang mit moderner Kost. Hochverarbeitete Lebensmittel und viel Zucker könnten das Wachstum dieser Bakterien fördern. Diskutiert wird auch ein Link zur nicht-alkoholischen Fettleber. Die ständige Eigenproduktion belastet die Leber wie chronischer Alkoholkonsum.

Kampf um Anerkennung vor Gericht und beim Arzt

Die Diagnose ist oft ein Albtraum. Betroffene gelten als heimliche Alkoholiker, verlieren Führerscheine oder stehen vor Gericht. Ein belgischer Fall machte 2024 international Schlagzeilen, als ein Mann dank eines Gutachtens freigesprochen wurde.

Die neue Studie könnte das ändern. Bisher ist der Nachweis aufwendig und erfordert stundenlange Überwachung. Die identifizierten Bakterien-Arten bieten nun einen Ansatz für einfachere Stuhltests. Mediziner hoffen, dass die biologische Beweislage die seltene Erkrankung aus der Ecke der Kuriositäten holt.

Neue Hoffnung durch Mikrobiom-Therapie

  • Fäkaltransplantation (FMT) wird als vielversprechende Option genannt. Bei einem Studienteilnehmer führte die Übertragung gesunder Darmbakterien zu langer Beschwerdefreiheit.
  • Der Fokus der Behandlung könnte sich von Anti-Pilz-Mitteln hin zu gezielten Antibiotika oder Probiotika verschieben, die die alkoholproduzierenden Stämme verdrängen.

Fachgesellschaften werden die neuen Daten nun prüfen, um klare Diagnose-Leitlinien zu schaffen. Für Patienten ist die Botschaft klar: Ihre Symptome sind real – und behandelbar.

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