Cybersicherheit: Angreifer zielen jetzt auf die Beschützer selbst
16.02.2026 - 04:22:12Sicherheitsdienstleister sind das neue Hauptziel von Hackern – und zwingen deutsche Unternehmen zu einem radikalen Strategiewechsel. Zwei aktuelle Berichte zeigen: Die digitale Bedrohungslage hat eine neue, gefährliche Stufe erreicht. Angreifer studieren und attackieren gezielt die Managed Security Service Provider (MSSP), denen Firmen ihren Schutz anvertrauen. Gleichzeitig erhöht die EU-Richtlinie NIS2 den Druck auf Unternehmen, professionelle Sicherheitslösungen nachzuweisen.
Die neue Frontlinie verläuft beim Sicherheitspartner
Die Vorstellung vom externen Dienstleister als undurchdringlicher Festung ist passé. Der „MSSP Threat Landscape Report 2026“ des Analysehauses SOCRadar zeigt: MSSPs und ihre Technologie-Stacks stehen im Fadenkreuz. In etwa 60 Prozent der untersuchten Hacker-Foren-Diskussionen werden Sicherheitsanbieter und ihre Produkte direkt thematisiert. Ein Viertel der Beiträge wirbt sogar mit Werkzeugen, die speziell gängige Endpoint Detection and Response (EDR)-Systeme umgehen oder neutralisieren sollen.
Die Angreifer agieren wie eine professionelle Lieferkette. Sie analysieren Sicherheitslösungen auf Schwachstellen, entwickeln Umgehungstaktiken und handeln mit kompromittierten Zugängen zu Unternehmensnetzwerken. Für die betroffenen Firmen bedeutet das: Die passive Beauftragung eines MSSP reicht nicht mehr aus. Eine aktive und kontinuierliche Überprüfung der Resilienz des Partners wird zur Überlebensfrage.
NIS2: Regulatorischer Druck trifft auf Fachkräftemangel
Parallel zur eskalierten Bedrohung verschärft sich der regulatorische Rahmen massiv. Die seit Ende 2025 geltende NIS2-Richtlinie zwingt Tausende weitere Unternehmen – besonders im deutschen Mittelstand – zu umfangreichen Sicherheits- und Risikomanagement-Nachweisen. Viele unterschätzten die Tragweite und müssen nun schnell handeln, um hohe Bußgelder und persönliche Haftung der Geschäftsführung zu vermeiden.
Dieser Druck wirkt als Katalysator für die Nachfrage nach MSSP-Leistungen. Denn interne IT-Abteilungen sind oft nicht in der Lage, die geforderten 24/7-Überwachungs- und Reaktionsprozesse aufzubauen. Die Wahl des richtigen Sicherheitspartners wird so zu einer strategischen Entscheidung, die über IT-Sicherheit hinaus auch die rechtliche Absicherung des Unternehmens betrifft.
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Vom Tool-Manager zur aktiven Jagd: Der Trend heißt MDR
Als Reaktion auf die ausgefeilteren Angriffe entwickelt sich der Markt weiter. Der Fokus verschiebt sich vom traditionellen MSSP, der vor allem Tools verwaltet und Alarme generiert, hin zu Managed Detection and Response (MDR).
MDR-Anbieter setzen auf einen proaktiven Ansatz. Dazu gehören die kontinuierliche Suche nach versteckten Bedrohungen (Threat Hunting), tiefgehende Analysen und eine integrierte Reaktion auf Vorfälle. Moderne Dienste nutzen Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, um Anomalien zu erkennen, die herkömmlichen Systemen entgehen. Dieser Ansatz ist die Antwort auf eine Bedrohungslandschaft, die 2026 laut Recorded Future von permanenter, überlappender Aktivität staatlicher und krimineller Akteure geprägt sein wird.
Strategische Konsequenz: Sicherheit ist Chefsache
Die Entwicklungen machen deutlich: Cybersicherheit ist endgültig auf der Vorstandsebene angekommen. Die Kombination aus Angriffen auf die eigene Sicherheitslieferkette, strengen Gesetzen und einer sich wandelnden Bedrohungslage erfordert eine fundamentale Neuausrichtung.
Sicherheit ist kein rein technisches Thema mehr, das einfach delegiert werden kann. Es handelt sich um ein zentrales unternehmerisches Risiko. Die Erkenntnis, dass Hacker die gleichen Schutzwerkzeuge studieren wie die Verteidiger, muss zu einer kritischeren und engeren Partnerschaft mit Sicherheitsdienstleistern führen. Die Frage lautet nicht mehr nur „Sind wir geschützt?“, sondern „Wie resilient ist unser gesamtes Sicherheits-Ökosystem?“.
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