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Cyber Security Bill: Großbritannien schreibt aktive Cyberabwehr vor

24.01.2026 - 04:24:11

Der britische Cyber Security and Resilience Bill verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen und ihre Zulieferer zu aktiver Verteidigung, strengeren Meldepflichten und riskiert hohe Geldstrafen.

Ein neues Gesetz soll Großbritanniens Cybersicherheit revolutionieren. Der Cyber Security and Resilience Bill zwingt Betreiber kritischer Infrastrukturen und ihre Zulieferer zu einer aggressiveren, proaktiven Verteidigung. Damit vollzieht das Land einen grundlegenden Wandel – weg von passiver Abwehr, hin zu aktiver Sicherheitsstrategie.

Reaktion auf wachsende Bedrohungslage

Die Regierung reagiert mit dem Gesetzentwurf auf die zunehmende Häufigkeit und Raffinesse von Cyberangriffen. Diese stammen sowohl von staatlichen Akteuren als auch von kriminellen Organisationen. Hochkarätige Vorfälle der letzten Jahre, darunter ein Angriff auf das Gehaltsabrechnungssystem des Verteidigungsministeriums 2024 und ein Ransomware-Angriff auf den nationalen Gesundheitsdienst NHS, haben den dringenden Handlungsbedarf verdeutlicht. Das Gesetz soll die Widerstandsfähigkeit der kritischen Infrastruktur stärken, indem es mehr Organisationen für ihre Cybersicherheit verantwortlich macht.

Lieferkette wird zur Sicherheitsfront

Ein Kernpunkt des Gesetzes ist die massive Ausweitung des Geltungsbereichs. Erstmals werden direkte Sicherheitspflichten auch für Managed Service Provider (MSP), Rechenzentren und andere kritische Zulieferer von Grundversorgern eingeführt. Diese Erweiterung erkennt die Vernetzung der modernen digitalen Infrastruktur an: Schwachstellen bei einem Drittanbieter können katastrophale Einfallstore in kritische Netze schaffen.

Aufsichtsbehörden erhalten neue Befugnisse, um kritische Lieferanten zu benennen. Diese müssen dann Mindestsicherheitsstandards einhalten. Ziel ist es, gefährliche Lücken in der Lieferkette zu schließen, die Angreifer bisher ausnutzten. Das gesamte Ökosystem hinter Dienstleistungen wie Gesundheitswesen, Transport und Energie soll so abgesichert werden.

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Paradigmenwechsel: Von reaktiv zu proaktiv

Die Gesetzesinitiative beschleunigt einen fundamentalen Wandel in der Sicherheitsphilosophie. Organisationen sollen ihre Systeme fortlaufend aus der Perspektive eines Angreifers testen – und nicht nur defensive Werkzeuge installieren und auf einen Angriff warten. Der Fokus verschiebt sich von Absichtserklärungen hin zu nachweisbarer Widerstandsfähigkeit.

Experten betonen, dass traditionelle Methoden nicht mehr ausreichen, um die aggressiven Taktiken moderner Cyberangreifer zu bekämpfen. Diese nutzen zunehmend künstliche Intelligenz (KI). Der Druck auf Unternehmen wird steigen, die Wirksamkeit ihrer Sicherheitsmaßnahmen unter realen Bedingungen zu beweisen. Kontinuierliche Penetrationstests, um Schwachstellen zu finden und zu beheben, bevor sie ausgenutzt werden können, werden zur neuen Norm.

Strengere Meldepflicht und drastische Strafen

Um die nationale Bedrohungsanalyse zu verbessern und schnellere Reaktionen zu ermöglichen, führt das Gesetz deutlich strengere Meldefristen ein. Betroffene Organisationen müssen einen ersten Bericht über einen schwerwiegenden Cybervorfall innerhalb von 24 Stunden nach Entdeckung an ihre Aufsichtsbehörde und das National Cyber Security Centre (NCSC) übermitteln. Ein detaillierter Vollbericht muss innerhalb von 72 Stunden folgen.

Zudem erhalten Rechenzentren und digitale Dienstleister eine neue Pflicht: Sie müssen ihre Kunden umgehend benachrichtigen, wenn ein Angriff diese wahrscheinlich betrifft. So können Unternehmen ihre eigenen Operationen schnell schützen. Zur Durchsetzung werden die Befugnisse der Aufsichtsbehörden gestärkt. Für schwerwiegende Verstöße sind künftig deutlich härtere, umsatzbasierte Geldstrafen vorgesehen. Die Botschaft ist klar: Investitionen in robuste Cybersicherheit sollen finanziell attraktiver sein als die Risikoabwägung gegen eine mögliche Strafe.

Teil einer nationalen Sicherheitsstrategie

Der Gesetzentwurf ist ein zentraler Baustein der britischen Nationalen Sicherheitsstrategie. Er steht im Einklang mit dem Government Cyber Action Plan, der mit über 210 Millionen Pfund ausgestattet ist, um die Cyberabwehr im öffentlichen Sektor zu verbessern. Unternehmen, die in den erweiterten Geltungsbereich fallen könnten, werden aufgefordert, sich jetzt vorzubereiten.

Der Wandel hin zu verpflichtender proaktiver Verteidigung und Lieferkettenverantwortung spiegelt ein globales Umdenken im Umgang mit Cyberrisiken wider. Angesichts von jährlichen Schäden in Milliardenhöhe für die britische Wirtschaft positioniert die Regierung dieses Gesetz als essenziell für die wirtschaftliche Stabilität und den Schutz öffentlicher Dienstleistungen. Organisationen müssen über eine reine Compliance-Haltung hinauswachsen und eine Kultur der kontinuierlichen Sicherheitsvalidierung verinnerlichen. Die klare Botschaft der Politik lautet: In der aktuellen Bedrohungslage ist eine passive Verteidigung überhaupt keine Verteidigung mehr.

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