Coupang-Chef als Verdächtiger in Datenskandal vernommen
31.01.2026 - 06:27:11Der Datenskandal beim südkoreanischen E-Commerce-Riesen Coupang erreicht eine neue Eskalationsstufe. Interims-CEO Harold Rogers musste sich bei der Polizei als Verdächtiger vernehmen lassen. Im Zentrum steht der Vorwurf, das Unternehmen habe die staatliche Aufklärung des Mega-Leaks behindert.
Verdacht auf Behinderung der Ermittlungen
Die Befragung von Rogers markiert eine dramatische Zuspitzung. Die Ermittler prüfen nicht mehr nur den ursprünglichen Datenklau, sondern auch das Verhalten des Konzerns danach. Konkret geht es um mögliche Beweismittelvernichtung und die Behinderung von Amtsträgern. Der Verdacht: Coupang könnte durch eigene Nachforschungen und Kontaktaufnahme zum Hauptverdächtigen die offizielle Untersuchung sabotiert haben.
Ein eklatanter Widerspruch nährt diese Vorwürfe. Während Coupang angibt, nur Daten von etwa 3.000 Datensätzen seien tatsächlich abgeflossen, halten die Behörden eine Zahl von über 30 Millionen für möglich. Zudem soll Rogers vor einem Parlamentsausschuss falsch ausgesagt haben. Seine Behauptung, der Inlandsgeheimdienst habe die interne Untersuchung geleitet, wurde von der Behörde dementiert.
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Der größte Datenleck in Südkoreas Geschichte
Das Ausmaß des Vorfalls ist beispiellos. Betroffen sind die Daten von 33,7 Millionen Kundenkonten – ein Großteil der 52 Millionen Einwohner Südkoreas. Unbefugte hatten bereits im Juni 2025 Zugriff auf die Systeme erlangt, doch Coupang bemerkte den Einbruch erst Mitte November. Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Bestellhistorie wurden gestohlen. Der Hauptverdächtige ist ein ehemaliger Mitarbeiter, der mit noch gültigen Zugangsschlüsseln agiert haben soll. Ein internationaler Haftbefehl wurde beantragt.
Milliardenstrafe und Vertrauensverlust drohen
Die Konsequenzen für den als „Amazon Südkoreas“ geltenden Konzern sind massiv. Die Regierung hat eine Sonderermittlungsgruppe eingesetzt und droht mit einer Strafe von bis zu drei Prozent des Gesamtumsatzes. Das könnte Hunderte Millionen Euro bedeuten. Seit Bekanntwerden des Skandals brach der Börsenwert um über acht Milliarden US-Dollar ein.
Um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, kündigte Coupang einen Entschädigungsplan im Wert von umgerechnet etwa 1,2 Milliarden Euro an. Gleichzeitig formieren sich in den USA Sammelklagen von Investoren. Sie werfen dem Unternehmen vor, trotz mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen eine „proaktive Sicherheit“ propagiert und den Vorfall zu spät offengelegt zu haben.
Null-Toleranz und ungewisse Zukunft
Der Fall zeigt einen entschlossenen Kurswechsel der Behörden. Die öffentliche Befragung eines Top-Managers als Verdächtigen sendet ein klares Signal: Datenpannen durch Konzerne werden nicht länger als Kavaliersdelikte behandelt. Für Coupang beginnt nun eine gefährliche Phase. Neben den strafrechtlichen Ermittlungen und hohen Geldstrafen muss das Unternehmen auch die diplomatischen Verwerfungen managen – US-Beamte haben sich besorgt über die Untersuchung des in den USA eingetragenen Konzerns geäußert. Der Wiederaufbau des Kundenvertrauens wird zur Herkulesaufgabe.


