CineStar: Tarifstreit vor entscheidender Runde
01.04.2026 - 16:40:05 | boerse-global.deDer Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Kinokette CineStar spitzt sich zu. Nach wochenlangen bundesweiten Warnstreiks legte die Geschäftsführung ein neues Angebot vor. Die Gewerkschaft hält es für unzureichend – doch die Streiks ruhen vorerst bis nach Ostern. Die entscheidende Verhandlungsrunde Mitte April wird zeigen, ob der Kinofrühling friedlich bleibt.
Neues Angebot: Soforthilfe mit langfristigem Makel
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Die Geschäftsführung der Greater Union Filmpalast GmbH, zu der CineStar gehört, reagierte auf den Druck der Streiks. Ihr neues Angebot sieht einen Einstiegslohn von 14,40 Euro pro Stunde ab dem 1. April 2026 vor. Der Tarifvertrag soll 24 Monate laufen und eine zweite Stufe am 1. Januar 2027 enthalten. Diese sieht jedoch nur einen Aufschlag von 10 Cent über den dann geltenden gesetzlichen Mindestlohn vor.
Genau hier liegt der Knackpunkt. Für ver.di-Verhandlungsführer Andreas Michelbrink ist dieser Aufschlag zu gering. „Das schafft keine nachhaltige Distanz zum Mindestlohn“, kritisiert er. Die Gewerkschaft will erreichen, dass die Löhne im Kino dauerhaft über der gesetzlichen Untergrenze liegen. Schließlich erforderten Service, Technik und Projektion spezielles Know-how.
Das Management unter den CEOs Oliver Fock und Michael Strohmenger verweist auf die wirtschaftliche Lage. Die Branche kämpfe noch mit den Folgen der Strukturveränderungen. Das Angebot bedeute immerhin eine Erhöhung um 10 Prozent für Einstiegspositionen. Doch reicht das, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen?
Warnstreiks zeigen Wirkung – und eine neue Stimmung
Das neue Angebot kam nicht von ungefähr. Seit Ende Februar legten Warnstreiks immer wieder große CineStar-Häuser lahm, darunter Standorte in Berlin, Hamburg und Mainz. Die Streiks trafen gezielt Stoßzeiten am Abend und Wochenende. Snacktheken blieben geschlossen, Vorstellungen fielen aus.
Die Strategie der Gewerkschaft ging auf: Sie demonstrierte, dass der Kinobetrieb ohne das Service- und Technikpersonal nicht funktioniert. Der Druck auf das Lübecker Unternehmen stieg. Doch der Konflikt spiegelt einen größeren Trend wider. Beschäftigte im Dienstleistungssektor wehren sich zunehmend gegen das Image eines Niedriglohnbereichs.
Viele Mitarbeiter hatten sich in den mageren Jahren der Pandemie flexibel gezeigt. Nun, da die Besucherzahlen wieder steigen, fordern sie einen „fairen Anteil“ an der Erholung. Arbeitsrechtler sehen den CineStar-Streit als Wegweiser für anstehende Verhandlungen bei anderen großen Ketten wie CinemaxX und UCI.
Osterpause: Atempause vor dem Finale
Zur vorübergehenden Entspannung führt eine Ankündigung von ver.di: Für die Osterfeiertage ruhen die Streiks. Vom 1. April bis Ostermontag soll die Tarifkommission das Angebot vom 31. März prüfen. Es ist auch eine Geste des Goodwills, um eines der umsatzstärksten Wochenende des Kinojahres nicht zu gefährden.
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Doch die Gewerkschaft macht klar: Es handelt sich nur um eine Pause. Sollte die Mitgliederbefragung das Angebot ablehnen – wovon intern viele ausgehen – könnten die Streiks direkt nach Ostern wieder aufgenommen werden. Die kommenden Tage sind entscheidend.
Für CineStar ist die Pause eine chance, einen Teil der Verluste aus dem März auszugleichen. Für ver.di ist es Zeit, die Position zu festigen. Der Frieden in den Kinolobbys ist brüchig. Die Drohung mit weiteren Streiks bleibt ein wirksames Druckmittel für die nächste Verhandlungsrunde.
Hintergrund: Ein Branchenkonflikt mit Symbolkraft
Der Streit ist auch ein Kind der Zeit. Die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten haben die Kaufkraft der Beschäftigten erodiert. Nach dem Auslaufen des alten Tarifvertrags und der damit endenden Friedenspflicht war der Weg für Warnstreiks frei.
Das Management setzt auf einen langen Vertrag über 24 Monate, um Planungssicherheit zu gewinnen. Die Gewerkschaft bevorzugt kürzere Laufzeiten oder höhere Stufen, um in der volatilen Wirtschaftslage anpassungsfähig zu bleiben.
Die Kino-Branche selbst steckt in einem Dilemma. Zwar locken Blockbuster weiterhin Publikum an, doch steigende Kosten für Energie, Miete und Film-Lizenzen drücken die Margen. CineStar muss eine Lösung finden, die für alle 44 Standorte – von Großstadt-Multiplexen bis zu kleinen Programmkinos – tragbar ist.
Alles steht auf dem Spiel: Die Hamburger Runde
Der nächste große Termin ist die fünfte Verhandlungsrunde am 14. April in Hamburg. Sie gilt als letzte Chance für eine einvernehmliche Lösung, bevor der Konflikt in eine dauerhafte Streikphase oder in die Schlichtung übergeht.
Beobachter erwarten: Bewegt sich CineStar nicht bei der geplanten Stufenerhöhung für 2027 oder bei der Basis näher an die von der Gewerkschaft ins Spiel gebrachten 15 oder 16 Euro, wird die Streikpause kurz sein. Ver.di will einen Vertrag, der Kinoberufe als langfristige Perspektive und nicht als Aushilfsjob etabliert.
Für das Publikum entscheidet die „Hamburger Runde“, ob der Frühling und Sommer am Kassehäuschen und an der Snacktheke weiter von Arbeitskampf geprägt sein werden. Im Fokus werden die Details der Entgelttabelle und mögliche Inflationsausgleichsprämien stehen. Die Branche blickt gespannt nach Hamburg – in der Hoffnung, dass die „konstruktive Atmosphäre“ endlich in einen für beide Seiten tragbaren Deal mündet.
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