Chronische Schmerzen: Bewegung statt Schonung wird neuer Standard
01.02.2026 - 22:23:12Experten und Leitlinien setzen bei chronischen Schmerzen zunehmend auf gezielte Bewegung statt auf Ruhigstellung. Dieser Paradigmenwechsel verspricht nachhaltige Linderung für Millionen Betroffene.
Die instinktive Reaktion auf anhaltende Schmerzen war lange: schonen. Doch die Medizin kehrt dieser Strategie nun den Rücken. Aktuelle Leitlinien empfehlen stattdessen aktive, angepasste Bewegungstherapien. Dieser Ansatz basiert auf einem neuen Verständnis chronischer Schmerzen, die nicht nur den Körper, sondern auch das Nervensystem und die Psyche betreffen. Der größte Fehler sei heute Inaktivität, so Experten, da sie den Teufelskreis der Schmerzen verstärke.
Der fatale Irrtum: Schonen verschlimmert den Schmerz
Bei akuten Verletzungen ist Schonung sinnvoll. Bei chronischen Schmerzen wird sie zum Problem. Die anhaltende Schonhaltung – Fachleute nennen sie „Guarding“ – löst einen verhängnisvollen Kreislauf aus:
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- Muskeln bauen ab und werden steif.
- Die Körperstatik verändert sich, was neue Schmerzpunkte schafft.
- Die ständige Fokussierung auf den Schmerz kann das Nervensystem sogar empfindlicher machen.
Langfristig schränkt dieses Vermeidungsverhalten den Alltag immer weiter ein und macht Betroffene unfitter.
So durchbricht Bewegung den Schmerzkreislauf
Gezielte Aktivität wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
* Körperlich: Sie regt entzündungshemmende Botenstoffe an, kurbelt den Stoffwechsel an und stärkt die Muskulatur, die das Skelett stützt.
* Biomechanisch: Strukturen wie Bandscheiben benötigen den Wechsel von Be- und Entlastung, um mit Nährstoffen versorgt zu werden.
* Neurologisch: Bewegung kann die körpereigene Schmerzhemmung im Gehirn verbessern.
Der Schlüssel: Multimodale Therapie
Moderne Schmerztherapie kombiniert Bewegung mit anderen Ansätzen. Dieser multimodale Ansatz kann umfassen:
* Passive Therapien wie Massagen zur Ergänzung.
* Psychologische Verfahren, etwa die kognitive Verhaltenstherapie, um Ängste vor Bewegung abzubauen.
* Die Schulung eines aktiven Umgangs mit dem Schmerz.
Dieses Konzept berücksichtigt die komplexe Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche.
Leitlinien vollziehen den Wandel
Die wissenschaftliche Evidenz für Bewegung schlägt sich in offiziellen Empfehlungen nieder. Organisationen wie die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. stufen Bewegung als primäre Therapiemaßnahme bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen ein. Der Fokus liegt auf individuellen, professionell begleiteten Programmen. Studien zeigen: Entscheidend sind oft die positiven biopsychosozialen Effekte der Aktivität selbst, nicht die exakte Bewegungsform. So können auch Yoga oder ähnliche Praktiken ähnlich wirksam sein wie klassische Physiotherapie.
Ausblick: Bewegung wird zur maßgeschneiderten Therapie
Die Zukunft liegt in noch stärker personalisierten Angeboten. Entscheidend ist ein individueller Plan, der die Belastbarkeit unter Anleitung schrittweise steigert. Die Verordnung von Bewegungstherapie wird voraussichtlich zum Standard bei chronischen Schmerzen. Digitale Anwendungen könnten künftig die Motivation und Durchführung der Übungen unterstützen. Das Ziel ist klar: Betroffenen durch wiedergewonnene Funktion und Aktivität ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.


