Centum Investment Aktie: Afrikas Turnaround-Story für DACH-Anleger?
25.02.2026 - 03:18:04 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Die kenianische Beteiligungsgesellschaft Centum Investment gerät nach einem mehrjährigen Kursrückgang wieder auf die Watchlist globaler Schwellenländer-Investoren. Für Anleger im deutschsprachigen Raum ist das interessant, weil Centum einen seltenen, direkten Hebel auf das ostafrikanische Wachstum bietet, der sich nicht im DAX oder im Euro Stoxx abbildet.
Wenn Sie als Anleger in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Diversifikation abseits der immer gleichen US-Tech- und DAX-Titel suchen, lohnt sich ein genauer Blick: Bewertung, Bilanzqualität, Dividendenhistorie und das politische Risiko in Kenia entscheiden darüber, ob Centum eine Nischenchance oder ein Value Trap ist. Was Sie jetzt wissen müssen...
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Analyse: Die Hintergründe
Centum Investment Company PLC ist eine an der Börse Nairobi (NSE) gelistete Investmentholding mit dem Fokus auf Ostafrika. Die Aktie läuft unter dem Kürzel CTUM, die im deutschsprachigen Raum relevante Identifikationsnummer ist die ISIN KE0000000265. Investiert wird in Immobilien, Finanzdienstleister, Konsumgüter, Infrastruktur und Private Equity.
Aktuell kämpfen viele afrikanische Börsen mit einem Mix aus Zinswende, Währungsabwertung und Kapitalabflüssen. Genau dieser Makro-Gegenwind hat Centum in den vergangenen Jahren stark belastet: Schulden mussten reduziert, Projekte neu priorisiert, Beteiligungen teilweise unter Druck bewertet werden. Für Investoren im DACH-Raum stellt sich die Frage, ob der Großteil dieser Anpassung im Kurs bereits eingepreist ist.
Wichtiger Kontext für deutschsprachige Anleger:
- Die Aktie wird primär in Kenia gehandelt. In Europa sind statt echter Aktien oft nur Over-the-Counter-Listings oder unspezifische Emerging-Markets-Fonds verfügbar.
- Deutsche und Schweizer Broker erlauben den Handel in Nairobi teilweise gar nicht oder nur telefonisch. Österreichische Direktbanken sind hier ähnlich restriktiv.
- Rechtlich gilt das kenianische Kapitalmarktrecht, nicht das deutsche WpHG oder das österreichische Börsegesetz. Anlegerrechte sind anders durchsetzbar als etwa bei DAX- oder SMI-Werten.
Für professionelle Investoren mit globalem Mandat ist Centum eine illiquide, aber potenziell renditestarke Beimischung. Für Privatanleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Aktie dagegen eher eine Spezial-Situation, die nur zu einem kleinen Portfolioanteil passt.
Was sich zuletzt bei Centum bewegt hat
In den jüngsten Unternehmensmeldungen und Finanzberichten stand vor allem eines im Fokus: Portfolio-Bereinigung und Schuldenabbau. Centum hat in den vergangenen Jahren begonnen, sich von nicht-strategischen Beteiligungen zu trennen und sich auf Kernthemen zu konzentrieren, insbesondere:
- Immobilienprojekte in Nairobi und Umgebung, die mittelfristig Cashflows liefern sollen, wenn die Zinslast sinkt.
- Finanzbeteiligungen im ostafrikanischen Banken- und Versicherungssektor.
- Investments in Konsum- und FMCG-Unternehmen, die vom steigenden Einkommen der urbanen Mittelschicht profitieren.
Parallel dazu spielt die Entwicklung des kenianischen Schillings eine zentrale Rolle. In Euro gerechnet kann ein schwacher Schilling selbst dann Rendite auffressen, wenn die Aktie lokal zulegt. Dies ist für alle DACH-Anleger entscheidend, weil ihre Referenzwährung in der Regel Euro oder Schweizer Franken ist.
Was bedeutet das für die Korrelation mit dem DAX?
- Historisch ist die Korrelation der Börse Nairobi mit dem DAX und dem SMI sehr gering. Das kann ein Vorteil für Diversifikation sein.
- Gleichzeitig reagieren beide Märkte empfindlich auf globale Zinsbewegungen der US-Fed und der EZB. Steigende US-Zinsen ziehen Kapital aus Schwellenländern ab und belasten auch Centum.
- Für Multi-Asset-Portfolios in Deutschland kann Centum theoretisch das Klumpenrisiko in Europa und Nordamerika reduzieren, sofern das Währungsrisiko aktiv gemanagt wird.
Regulatorische und steuerliche Besonderheiten für DACH-Anleger
Wer im DACH-Raum in Centum Investment investieren will, muss einige Besonderheiten beachten, die sich aus dem lokalen Steuer- und Aufsichtsrecht ergeben.
Deutschland: Für deutsche Privatanleger gilt das bekannte System der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf Kursgewinne und Dividenden. Entscheidend ist, dass die Depotbank die Papiere korrekt als ausländische Aktien klassifiziert. Quellensteuerprobleme wie bei US-Dividenden treten bei kenianischen Werten zwar anders, aber durchaus auf, und die Anrechnung kann komplex sein.
Österreich: In Österreich unterliegen Kursgewinne und Dividenden der Kapitalertragsteuer (KESt) von derzeit 27,5 %. Wer Centum über einen Broker mit Sitz außerhalb Österreichs hält, muss sich um eine korrekte Deklaration in der Steuererklärung selbst kümmern. Die heimische FMA stuft solche exotischen Investments klar als Hochrisikoinstrumente ein, was in der Anlageberatung zu einer defensiven Einstufung führt.
Schweiz: In der Schweiz existiert keine Kapitalertragssteuer auf private Kursgewinne, wohl aber eine Besteuerung von Dividenden als Einkommen. Schweizer Anleger profitieren damit tendenziell stärker von möglichen Kurssteigerungen, während Dividendenzahlungen von Centum nach Abzug der kenianischen Quellensteuer plus Schweizer Einkommensteuer netto geringer ausfallen können.
Wichtig ist zudem die EU-MiFID-II-Regulierung: Viele europäische Broker schränken den Zugang zu exotischen Märkten ein, weil Produktinformationsblätter (KID/KIID) und Transparenzanforderungen bei afrikanischen Einzeltiteln kaum erfüllbar sind. Das reduziert die Handelbarkeit im DACH-Raum und erhöht das Liquiditätsrisiko.
Chancen: Warum Centum für DACH-Anleger interessant sein könnte
Wer sich von der regionalen Begrenzung auf DAX, MDAX, ATX und SMI lösen möchte, findet in Centum eine Reihe von Argumenten, die im deutschsprachigen Markt oft unterschätzt werden:
- Demografischer Rückenwind: Ostafrika ist eine der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt. Kenia profitiert von einer jungen Bevölkerung, Urbanisierung und einem zunehmenden digitalen Finanzsektor.
- Direkter Zugang zu Privatmärkten: Centum ist im Kern eine Private-Equity-Holding. Viele Beteiligungen wären für einen Privatanleger im DACH-Raum direkt gar nicht zugänglich.
- Bewertungsabschlag: Afrika-Aktien werden strukturell mit Abschlag gegenüber europäischen und US-Titeln gehandelt. Das ist Risikoaufschlag und Chance zugleich.
- Niedrige Marktkorrelation: In Zeiten, in denen DAX und Nasdaq synchron fallen, können afrikanische Märkte teilweise eigenständig laufen.
Gleichzeitig sollte man diese Vorteile nur gegen ein klares Risikomanagement wahrnehmen. Hochgewichtete Positionen in illiquiden Titeln wie Centum sind selbst in professionellen Portfolios unüblich.
Risiken: Politische und Währungsfaktoren im Fokus
Für deutsche, österreichische und schweizerische Anleger sind drei Risikofelder zentral:
- Währungsrisiko: Ein schwächer werdender kenianischer Schilling gegenüber Euro und Franken kann Renditen eliminieren. Absicherungen sind teuer und für Privatanleger schwer umzusetzen.
- Politische Stabilität: Kenia gilt im regionalen Vergleich als relativ stabil, ist aber anfällig für Wahlspannungen, regulatorische Eingriffe und fiskalische Engpässe.
- Transparenz und Corporate Governance: Die Reporting-Standards sind zwar IFRS-orientiert, aber die Durchsetzung und Marktüberwachung sind nicht mit deutschen oder schweizer Standards vergleichbar.
Diese Faktoren erklären, warum große deutsche Adressen wie Allianz Global Investors, DWS oder Union Investment in ihren Standardfonds nur sehr begrenzt oder gar nicht in afrikanische Einzeltitel wie Centum investieren. Wer hier dennoch Engagement sucht, greift oft eher zu breit gestreuten Afrika-ETFs oder aktiv gemanagten Frontier-Market-Fonds.
So könnte ein DACH-Anleger Centum sinnvoll einordnen
Für Privatanleger im deutschsprachigen Raum bietet sich ein strukturiertes Vorgehen an:
- Portfolio-Sicht: Maximal einstelliger Prozentanteil, eher als Satelliten-Investment um ein Kernportfolio aus globalen Standardwerten. Für die meisten Anleger ist 1 bis 3 % eine Obergrenze.
- Zeithorizont: Langfristig, mit der Bereitschaft, mehrere Jahre Haltezeit einzuplanen. Zwischenzeitliche Rückschläge durch Währung oder Politik sollten eingeplant werden.
- Instrumentenwahl: Wenn der direkte Kauf der Aktie wegen Broker-Beschränkungen nicht möglich ist, kann ein globaler Frontier-Market-Fonds mit Centum-Exposure eine Alternative sein.
In Deutschland sind solche Fonds gemäß KAGB und unter BaFin-Aufsicht zugelassen, in Österreich unterliegen sie dem InvFG, in der Schweiz dem KAG. Das reduziert zwar nicht das Länderrisiko Kenia, verbessert aber Transparenz und Anlegerschutz.
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Das sagen die Profis (Kursziele)
Im Gegensatz zu DAX-Schwergewichten existiert für Centum Investment kein breiter Konsens großer internationaler Häuser wie Goldman Sachs, JPMorgan oder Deutsche Bank. Die Abdeckung erfolgt primär durch regionale Research-Häuser und einzelne Afrika-Spezialisten.
Was man aus Sicht eines DACH-Anlegers daraus ableiten kann:
- Kein klassischer Analysten-Konsens: Es gibt weder eine breit bekannte Durchschnitts-Schätzung noch ein Standard-Kursziel wie bei europäischen Blue Chips.
- Höhere Informations-Asymmetrie: Wer sich intensiv mit den Geschäftsberichten und lokalen Medien beschäftigt, kann potenziell einen Wissensvorsprung gegenüber passiven Investoren aufbauen.
- Aber auch höheres Risiko: Fehlende Sell-Side-Coverage bedeutet, dass Warnsignale später in den Markt einpreisen. Für konservative Anleger ist das ein klares Contra-Argument.
Viele professionelle Portfolio-Manager aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die in Frontier- oder Afrika-Märkten aktiv sind, betrachten Centum aktuell eher als Turnaround-Kandidaten als als stabiles Dividendenpapier. Im Fokus stehen dabei:
- Der weitere Abbau von Verbindlichkeiten und die Verbesserung der Zinsdeckung.
- Der Fortschritt bei der Monetarisierung großer Immobilienprojekte.
- Die Entwicklung des kenianischen Schillings gegenüber Euro und Franken.
Solange diese drei Punkte keine klare Trendwende signalisieren, bleibt die Aktie eher ein Thema für erfahrene Anleger mit Affinität zu Schwellen- und Frontier-Märkten, nicht für den durchschnittlichen ETF-Sparer aus München, Wien oder Zürich.
Fazit für DACH-Anleger: Die Centum Investment Aktie ist kein Kandidat für das erste Depot, wohl aber ein bewusstes Satelliten-Investment für Anleger, die sich strategisch in Ostafrika positionieren wollen. Entscheidend ist, dass Sie Ihr Engagement im Kontext Ihres gesamten Vermögens, Ihrer Risikotragfähigkeit und der lokalen steuerlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz betrachten.
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