CDU-Vorstoß, Teilzeit

CDU-Vorstoß zu Teilzeit entfacht Debatte über Arbeitsmoral

10.02.2026 - 00:35:12

Ein CDU-Vorschlag zur Einschränkung des Teilzeitrechts stößt auf breite Ablehnung. Experten sehen die Ursachen für hohe Teilzeitquoten in strukturellen Problemen wie fehlender Kinderbetreuung.

Eine hitzige Debatte über Arbeitsmoral und Teilzeitarbeit erschüttert die deutsche Politik. Auslöser ist ein Vorschlag aus dem Wirtschaftsflügel der CDU, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit einzuschränken. Der Vorstoß stieß auf breiten Widerstand und wirft eine fundamentale Frage auf: Arbeitet Deutschland zu wenig – oder falsch?

„Lifestyle-Teilzeit“: Ein politischer Kampfbegriff trifft auf Widerstand

Der CDU-Vorstoß zielt darauf ab, den gesetzlichen Teilzeitanspruch nur noch für besondere Gründe wie Kindererziehung oder Pflege zu gewähren. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Oppositionsparteien, Gewerkschaften und sogar Teile der Union selbst lehnen die Idee ab. Sie sehen in dem Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ eine Verkennung der Lebensrealität. Doch was steckt wirklich hinter den hohen Teilzeitquoten?

Experten wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sehen die Ursachen in strukturellen Problemen: fehlende Kinderbetreuung, unattraktive Steuermodelle für Zweitverdiener und die Minijob-Regelungen. Die Debatte um die Arbeitszeit lenke daher von den eigentlichen politischen Versäumnissen ab.

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Die Fakten hinter der Teilzeit-Quote

  • Fast 29 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiteten 2024 in Teilzeit.
  • Bei Frauen liegt die Quote bei rund 49 Prozent, bei Männern nur bei etwa 12 Prozent.
  • Hauptgründe für Frauen sind Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen.

Experten wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sehen die Ursachen in strukturellen Problemen: fehlende Kinderbetreuung, unattraktive Steuermodelle für Zweitverdiener und die Minijob-Regelungen. Die Debatte um die Arbeitszeit lenke daher von den eigentlichen politischen Versäumnissen ab.

Das eigentliche Problem: Die stagnierende Produktivität

Hinter der Teilzeit-Diskussion lauert ein Langzeitproblem der deutschen Wirtschaft: die schwächelnde Produktivität. Institute wie die KfW belegen, dass die Zuwächse der Arbeitsproduktivität seit den 1970er Jahren kontinuierlich abnehmen. Lag das Wachstum in den 60ern noch bei vier bis fünf Prozent, sank es vor der Pandemie auf unter ein Prozent.

Als Gründe nennen Experten einen Mix aus Faktoren:
* Demografischer Wandel und alternde Belegschaften
* Zu geringe Investitionen in Infrastruktur und Bildung
* Der Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor

Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates, bringt es auf den Punkt: Wachstum sei keine Frage der Wochenarbeitszeit, sondern der Produktivität pro Stunde. Sie fordert mehr Investitionen in Technologie und Künstliche Intelligenz.

Mehr Druck oder bessere Anreize? Der Streit um den richtigen Weg

Die Lösungsvorschläge könnten unterschiedlicher nicht sein. CDU-Chef Friedrich Merz und Befürworter einer härteren Gangart argumentieren, der Wohlstand sei mit Modellen wie der Vier-Tage-Woche nicht zu halten. Eine Ausweitung der Arbeitszeit sei notwendig.

Dagegen steht ein breites Bündnis aus Ökonomen und Gewerkschaftern. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt: Eine Einschränkung des Teilzeitrechts könnte den Fachkräftemangel sogar verschärfen, indem es Deutschland als Arbeitsstandort unattraktiver macht. Stattdessen fordern sie, das vorhandene Potenzial besser zu nutzen.

Die geforderten Maßnahmen im Überblick:
* Abbau von Hürden für Frauen, ihre Arbeitszeit auszuweiten
* Bessere Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt
* Finanzielle Anreize, damit sich Mehrarbeit stärker lohnt
* Modernisierung des Steuersystems und Ausbau der Kinderbetreuung

Die aktuelle Debatte könnte eine Chance sein, von der populistischen Symptombekämpfung zu einer echten Ursachenanalyse überzugehen. Gelingt das nicht, droht der deutschen Wirtschaft ein weiterer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

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