CDU-Vorstoß gegen Teilzeitrecht stößt auf breite Empörung
08.02.2026 - 15:42:11Eine Welle der Kritik rollt auf den Wirtschaftsflügel der CDU zu. Auslöser ist dessen Forderung, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit massiv einzuschränken. Gewerkschaften, Ökonomen und Teile der Politik vereinen sich im Widerstand gegen die Pläne.
Die Debatte entzündete sich an einem Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). Sie will den allgemeinen Rechtsanspruch auf Teilzeit kippen. Künftig soll eine Reduzierung der Arbeitsstunden nur noch aus „besonderen Gründen“ wie Kindererziehung oder Pflege möglich sein. Dieser als „Lifestyle-Teilzeit“ diskreditierte Vorstoß hat eine Grundsatzdebatte über die Zukunft der Arbeit entfacht.
Wirtschaftsflügel will „Anachronismus“ beenden
Hinter dem Vorstoß steht eine simple Logik: Angesichts des akuten Fachkräftemangels dürfe freiwillige Teilzeit aus Lebensstilgründen nicht länger staatlich abgesichert sein. Die MIT argumentiert, mehr Vollzeitkräfte würden das Arbeitsvolumen und die Produktivität steigern. Arbeitgeberverbände unterstützen diese Linie. Sie bezeichnen den bestehenden Rechtsanspruch als „Anachronismus aus Zeiten der Massenarbeitslosigkeit“.
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Der Antrag soll auf dem CDU-Bundesparteitag Ende Februar 2026 beraten werden. Doch schon jetzt formiert sich starker Widerstand.
Gewerkschaften sehen „Gleichstellungspolitik rückwärts“
Die Reaktion der Arbeitnehmervertretungen fiel einhellig scharf aus. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Verdi und die IG Metall verurteilen die Pläne als „unverschämte Angriffe“ auf den Sozialstaat. DGB-Chefin Yasmin Fahimi spricht von „Gleichstellungspolitik rückwärts“, die alte Rollenbilder zementiere.
„Millionen Frauen arbeiten nicht freiwillig weniger, sondern weil fehlende Kinderbetreuung und unbezahlte Sorgearbeit ihnen keine andere Wahl lassen“, so das Argument der Gewerkschaften. Die Debatte schiebe fälschlicherweise den Beschäftigten die Verantwortung für wirtschaftliche Schwächen zu.
Ökonomen warnen vor kontraproduktiven Effekten
Auch Wirtschaftsexperten stellen sich gegen die geplante Einschränkung. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt, ein solcher Schritt gehe gegen die Wünsche vieler Deutscher und würde die Beschäftigung eher reduzieren als steigern.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weist auf ein anderes Problem hin: Ein erheblicher Teil der Teilzeitbeschäftigten arbeitet unfreiwillig weniger. Nach Berechnungen des IAB könnten rund 1,4 Millionen Vollzeitstellen geschaffen werden, wenn diese ihren Wunsch nach mehr Stunden realisieren könnten. Statt Rechte zu beschneiden, müssten strukturelle Hürden wie das Ehegattensplitting und mangelhafte Betreuungsangebote angegangen werden.
Politische Gräben und klare Mehrheitsmeinung
Der Vorstoß spaltet nicht nur die politischen Lager, sondern auch die Union selbst. Während der Wirtschaftsflügel die Reform vorantreibt, widerspricht der Sozialflügel der Partei scharf. CDU-Sozialflügel-Chef Dennis Radtke kritisiert: „Man zäumt das Pferd von der falschen Seite auf.“
Die öffentliche Meinung ist eindeutig. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL Deutschland ergab: 57 Prozent der Deutschen lehnen eine Einschränkung des Teilzeitrechts ab.
Teil einer größeren Debatte um die Arbeitswelt
Die Kontroverse ist kein Einzelfall. Sie fügt sich ein in eine grundlegende Debatte über die Zukunft der Arbeit in Deutschland. Vor dem Hintergrund einer schwächelnden Konjunktur werden Forderungen nach Mehrarbeit lauter. Parallel wird über eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes diskutiert – ein weiterer Konfliktpunkt mit den Gewerkschaften.
Der Ausgang des CDU-Parteitags ist offen. Der breite Widerstand bildet ein starkes Gegengewicht zu den Forderungen aus der Wirtschaft. Eines ist bereits jetzt klar: Die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten wollen, bleibt eine der zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Es geht um den Spagat zwischen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und individueller Zeitsouveränität.
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