CBAM zwingt Stahl-Importeure in neue Rollen
11.01.2026 - 16:44:12Europas Stahlhandel erlebt eine strukturelle Wende. Seit dem 1. Januar 2026 verlangen immer mehr EU-Abnehmer von ihren Lieferanten außerhalb der Union, dass diese die komplette Verantwortung für die neuen CO₂-Grenzausgleichskosten übernehmen. Die ersten Marktdaten des Jahres zeigen einen dramatischen Wechsel bei den Handelsbedingungen.
Importeure schieben Risiko auf Lieferanten ab
Die definitive Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) hat europäische Stahlkäufer sofort in die Defensive gedrängt. Distributoren und Service Center weigern sich zunehmend, Stahl auf den traditionellen CIF- oder CFR-Basis zu kaufen. Stattdessen fordern sie Delivered Duty Paid (DDP). Das bedeutet: Der Exporteur außerhalb der EU muss die Ware bis zum Werk des Käufers liefern – inklusive aller Zölle, Steuern und nun auch der Kosten für die erforderlichen CBAM-Zertifikate.
„Die Komplexität der Berechnung ist enorm“, erklärt ein Marktanalyst. „Importeure sind gesetzlich verpflichtet, Zertifikate für die eingebetteten Emissionen der Ware zu hinterlegen. Bei schwankenden CO₂-Preisen und drohenden Strafen ist der Druck groß, dieses Risiko an die Lieferanten in der Türkei, Indien oder Südostasien weiterzugeben.“
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Die neuen Angebotspreise spiegeln diese Verschiebung wider. Asiatische und türkische Werke listen Warmband nun mit rund 580 bis 620 Euro pro Tonne auf DDP-Basis. In diesen Preisen ist bereits eine pauschale „CBAM-Abrechnungsgebühr“ von schätzungsweise 70 bis 100 Euro pro Tonne enthalten. Ein historischer Bruch, denn bisher lagen Steuern und Abgaben fast immer in der Verantwortung des Käufers.
Pauschale Emissionswerte als Kostentreiber
Ein zentraler Grund für die Marktverwerfungen sind die pauschalen Emissions-Standardwerte der EU-Kommission. Kann ein Importeur keine verifizierten tatsächlichen Emissionsdaten seines Lieferanten vorlegen, muss er diese oft extrem hohen Pauschalwerte ansetzen. Für viele traditionelle Importe macht das die Geschäfte über Nacht unrentabel.
Besonders betroffen sind Hoch-Emissions-Produzenten. Für indischen Stahl aus Hochöfen könnten die CBAM-Kosten durch Pauschalwerte auf bis zu 264 Euro pro Tonne steigen. Türkischer Stahl aus Elektrolichtbogenöfen wäre mit etwa 105 Euro pro Tonne belastet. Diese Diskrepanz schafft eine neue Preisschwelle in Europa.
Der „traditionelle Import-Rabatt“ – der Preisvorteil von Auslandsstahl gegenüber EU-Ware – ist damit weitgehend verschwunden. Europäische Stahlwerke nutzen diese Situation und haben bereits mit Preiserhöhungen reagiert.
Chaos an den Häfen und abwartende Händler
Die operative Realität der ersten Januarwoche war von Reibungsverlusten geprägt. Logistikquellen berichten, dass Zollagenten in Nordeuropa hohe Vorauszahlungen für die mutmaßlichen CBAM-Verpflichtungen verlangen, bevor sie Ware freigeben. Diese Liquiditätsfalle verursacht Verzögerungen.
Die Folge: Viele Händler halten sich mit Spot-Angeboten zurück. Die Importvolumen für Edelstahl oder Walzdraht blieben in der ersten Woche ungewöhnlich niedrig. Die Branche beobachtet ein ausgeprägtes „Abwarten“, aus Angst, mit Ware festzusitzen, deren finale CO₂-Kosten noch unklar sind.
Langfristige Folgen: Transparenz wird zur Währung
Die CBAM-definitive Phase ist die bedeutendste regulatorische Intervention im europäischen Stahlmarkt seit Jahrzehnten. Analysten sehen eine „perfekte Sturmkonstellation“: Schwache Nachfrage aus Bau und Automobilindustrie trifft auf regulatorisch bedingt hohe Preise. Das belastet die verarbeitende Industrie.
Langfristig begünstigt derTrend zu DDP Lieferanten mit niedrigen, nachweisbaren Emissionen. Werke mit etablierten CO₂-Preissystemen oder Elektroöfen können die neuen Anforderungen leichter erfüllen. Hoch-Emissions-Produzenten hingegen drohen, vom EU-Markt verdrängt zu werden.
Für das erste Quartal 2026 prognostizieren Experten weiterhin hohe Volatilität. Erwartet wird eine Konsolidierung der Lieferkette, ein Run auf Emissionsverifizierungen und eine fortgesetzt stabile Preispolitik der europäischen Stahlwerke. Die Botschaft an globale Exporteure ist klar: Transparenz ist die neue Währung. Die Lieferung von verifiziertem, kohlenstoffarmem Stahl „frei Haus“ ist kein Bonus mehr – sie ist die Eintrittskarte für den Markt.
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