CBAM-Einführung, Rohstoff-

CBAM-Einführung stürzt deutsche Industrie in Rohstoff- und Preiskrise

10.02.2026 - 14:13:11

Die finale Stufe des CO?-Grenzausgleichs belastet deutsche Unternehmen mit Lieferengpässen und unkalkulierbaren Kosten, worauf Politik mit Notfallreserven reagiert.

Die finale Phase des europäischen CO₂-Grenzausgleichs (CBAM) droht deutsche Unternehmen mit Rohstoffengpässen und massiver Preisunsicherheit zu überfordern. Als Reaktion starten Deutschlands Wirtschaft und Politik Notfallmaßnahmen.

Drei Großmächte bunkern strategische Rohstoffe

In einer beispiellosen koordinierten Aktion haben Deutschland, Frankreich und Italien diese Woche mit dem Aufbau strategischer Rohstoffreserven begonnen. Ziel ist es, Lieferketten für kritische Mineralien wie Lithium, Kobalt und Seltene Erden abzusichern. Diese Wende in der Industriepolitik behandelt den Zugang zu Rohstoffen erstmals als Frage der nationalen Sicherheit.

Hintergrund sind akute Versorgungsrisiken. Die EU will zwar die Abhängigkeit von Einzelanbietern – vor allem China – reduzieren. Die heimische Verarbeitungskapazität reicht jedoch bei weitem nicht aus, um den Bedarf der grünen Transformation zu decken. Das neue Lager-System soll Puffer gegen geopolitische Schocks bieten, die bereits die Auto- und Elektronikindustrie bedrohen.

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Deutschland übernimmt bei der Beschaffung die Führung, Italien soll die Logistik der Lager verwalten. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt, dass die CBAM-Endstufe diese Engpässe durch kompliziertere Importe noch verschärfen könnte.

Preisschock an Europas CO₂-Märkten

Parallel zu den physischen Knappheiten kämpfen Unternehmen mit extremer finanzieller Unsicherheit. Zwar müssen CBAM-Zertifikate für das Berichtsjahr 2026 erst ab Februar 2027 gekauft werden. Die finanzielle Haftung für die Emissionen der Importe läuft jedoch bereits seit dem 1. Januar.

Neueste Marktdaten zeigen eine heftige Volatilität im EU-Emissionshandel, der den künftigen CBAM-Zertifikatepreis bestimmt. Spekulationen über Anpassungen der kostenlosen Zuteilungen durch die EU-Kommission ließen die Preise für EU-Emissionszertifikate (EUA) stark schwanken. Für Importeure von Stahl, Aluminium und Wasserstoff ist diese Unvorhersehbarkeit Gift. Sie können ihre Waren für Abnehmer kaum kalkulieren.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt seit Langem vor dieser Preisopazität. Sie gefährde die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporte, da Unternehmen die unsicheren Kosten entweder schlucken oder mit hohen Risikoaufschlägen weitergeben müssten.

Bürokratie-Erleichterung hilft nur den Kleinen

Die EU-Kommission hat zwar mit einer „De-minimis“-Regel Entlastung geschaffen. Importeure mit weniger als 50 Tonnen CBAM-pflichtiger Waren pro Jahr sind von der Meldepflicht befreit. Das nimmt etwa 90 Prozent der kleineren Unternehmen aus der Bürokratie.

Für die industriellen Schwergewichte, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, hilft das jedoch wenig. Sie müssen nun im „definitiven“ Regime die tatsächlichen, verifizierten Emissionsdaten ihrer Lieferanten außerhalb der EU vorlegen. Viele Zulieferer in Drittländern sind darauf aber nicht vorbereitet oder verweigern die sensiblen Daten.

Diese Lücke bringt deutsche Importeure in eine prekäre rechtliche Lage: Sie haften für Emissionen, die sie nicht genau beziffern können. Bei fehlerhaften Berechnungen drohen Strafen durch die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt).

Offenheit für Nachjustierungen

Die Bundesregierung hat die Reibungspunkte erkannt. Bundesumweltminister Carsten Schneider verteidigt den Mechanismus zwar als klimapolitisch essenziell, signalisiert aber Pragmatismus. Die Regierung beobachte die Auswirkungen auf die energieintensive Industrie genau und sei bereit, sich für verlängerte kostenlose Zuteilungen einzusetzen, falls der Schutz vor „Carbon Leakage“ in diesem ersten Jahr nicht ausreiche.

Der Fokus im ersten Quartal 2026 liegt nun auf der praktischen Umsetzung des Lagerplans. Die Branche erwartet konkrete Details, wie die Reserven verwaltet und bei Versorgungskrisen freigegeben werden. Der Stahlriese ArcelorMittal äußerte sich vorsichtig optimistisch über die globale Nachfrage, betonte aber, dass Handelsabwehrmaßnahmen und die CBAM-Funktionalität 2026 über die Profitabilität entscheiden werden.

Die deutsche Industrie steuert durch eine enge Passage: fest entschlossen zur Dekarbonisierung, aber eingezwängt durch knappe Ressourcen und unkalkulierbare Kosten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neuen Lagerstrategien und bürokratischen Anpassungen genügen – oder ob drastischere politische Interventionen nötig werden.

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