CBAM, Stiftung

CBAM: Deutsche Wirtschaft fordert grundlegende Überarbeitung

21.02.2026 - 01:01:12 | boerse-global.de

Die Stiftung Familienunternehmen kritisiert den CO2-Grenzausgleich als bürokratisch und praxisfern. Trotz erster Erleichterungen bleibt die Unsicherheit für Importeure groß.

Der EU-CO2-Grenzausgleich stürzt viele Unternehmen in bürokratische Unsicherheit. Eine einflussreiche Stiftung fordert nun eine komplette Überholung des Instruments.

Wenige Wochen nach dem Start der finalen Phase des europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) formiert sich in Deutschland massiver Widerstand. Die Stiftung Familienunternehmen und Politik hat eine „grundlegende Überarbeitung“ des Instruments gefordert. Der Vorwurf: überbordende Bürokratie und handfeste Rechtsunsicherheiten. Die Kritik trifft den Nerv einer ohnehin angespannten Debatte über Klimaschutz und Industriewettbewerb.

Vom Berichten zum Bezahlen: Die Regelphase beginnt

Seit 1. Januar 2026 ist der CBAM vollständig in Kraft. Die Übergangsphase, in der nur berichtet werden musste, ist vorbei. Jetzt wird es teuer. Unternehmen, die emissionsintensive Güter wie Stahl, Aluminium oder Zement in die EU importieren, müssen erstmals CBAM-Zertifikate erwerben. Der Preis orientiert sich am EU-Emissionshandel. Bis zum 30. September 2027 ist die erste jährliche Erklärung für das Jahr 2026 fällig – ein Mammutprojekt für die betroffenen Importeure.

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Doch was bedeutet das konkret? Firmen müssen die eingebetteten „grauen“ Emissionen ihrer Importwaren genau beziffern und entsprechend Zertifikate abgeben. Ein Nachweis, dass im Herkunftsland bereits ein CO2-Preis gezahlt wurde, kann angerechnet werden. Ohne die offizielle Zulassung als „CBAM-Anmelder“ ist der Import der betroffenen Waren gar nicht mehr möglich.

Der Aufschrei: Bürokratie-Monster statt Klimainstrument?

Die Komplexität des Systems sorgt für wachsende Kritik. In einem aktuellen Eintrag im Lobbyregister des Bundestages brandmarkt die Stiftung Familienunternehmen den CBAM als praxisfern. Der enorme bürokratische Aufwand und unklare Rechtsbegriffe schafften massive Unsicherheit, vor allem für den Mittelstand. Die Sorge: Das Instrument könnte eher Handelsströme verlagern, als Emissionen zu senken.

Die Kritik ist kein Einzelfall. Auch der DIHK warnt vor Wettbewerbsnachteilen für europäische Hersteller und möglichen handelspolitischen Vergeltungsmaßnahmen. Bei einem Industriegipfel in Antwerpen Anfang Februar forderten führende Konzerne lautstark eine Vereinfachung. Der Tenor: Die Transformation zur Klimaneutralität ist herausfordernd genug – der CBAM darf keine zusätzliche Belastung werden.

Erste Erleichterungen – doch der Ärger bleibt

Auf den Druck hat die EU-Kommission bereits reagiert und erste Erleichterungen beschlossen. Die wichtigste: Eine De-minimis-Regelung. Importeure von weniger als 50 Tonnen CBAM-Waren pro Jahr sind von den Pflichten befreit. Das entlastet gezielt kleinere Unternehmen.

Zudem wurden Fristen gestreckt. Der Verkauf der Zertifikate startet erst im Februar 2027. Bei der komplizierten Emissionsberechnung dürfen Firmen nun auf EU-Durchschnittswerte zurückgreifen, wenn Lieferantendaten fehlen. Diese Schritte werden begrüßt, gelten aber vielen als Tropfen auf den heißen Stein. Die strukturellen Probleme – Komplexität und Kosten – bleiben bestehen.

Zankapfel Green Deal: Wird der CBAM noch praxistauglich?

Der CO2-Grenzausgleich bleibt ein Zankapfel im European Green Deal. Sein Erfolg hängt an einem schmalen Grat: Er muss Klimaschutz wirksam voranbringen, ohne die europäische Industrie im globalen Wettrennen abzuhängen. Die kommenden Monate sind entscheidend. Während sich Unternehmen auf die erste Abrechnung 2027 vorbereiten müssen, steht die Politik unter Dauerbeschuss.

Die EU-Kommission plant für das erste Quartal 2026 weitere Rechtsakte, um Detailfragen zu klären. Die Frage ist: Reicht das, um den Mechanismus zu retten? Die deutsche Wirtschaft sendet ein klares Signal: So wie er jetzt ist, funktioniert der CBAM nicht. Die EU steht vor der Herausforderung, ihre Klimaambitionen durchzusetzen, ohne die eigene Wirtschaft zu überfordern. Ein Balanceakt, der jetzt zu scheitern droht.

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