Braunschweig setzt auf Bau-Turbo gegen Wohnungsnot
11.04.2026 - 16:49:12 | boerse-global.deBraunschweigs Immobilienbranche diskutiert Modulbau und Bürokratieabbau, um die anhaltende Wohnungskrise zu lösen. Ein entscheidender Stadtratsbeschluss steht im Mai an.
Am gestrigen Freitag versammelten sich rund 150 Experten aus Politik, Bauwirtschaft und Stadtentwicklung im Haus der Wissenschaft. Beim 22. Braunschweiger Immobilienfrühstück ging es um die drängende Frage: Wie lassen sich mehr und bezahlbare Wohnungen schneller realisieren? Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum betonte trotz wirtschaftlicher Gegenwinde den Willen zur engen Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft.
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Im Fokus stehen zwei Hebel: Der geplante „Wohnungsbau-Turbo“ soll durch vereinfachte Planungsrechtliche Genehmigungen beschleunigen. Parallel zielt das „Baulandmodell Gewerbe“ auf eine bedarfsgerechte Entwicklung von Flächen für Industrie und Forschung ab. Beide Instrumente sollen Bürokratie abbauen und Planungssicherheit schaffen – eine entscheidende Voraussetzung für Investitionen im aktuellen Hochzinsumfeld.
Stadtrat entscheidet im Mai über Bau-Beschleuniger
Ein formeller Beschluss des Braunschweiger Stadtrats zur Aktivierung des Bau-Turbos ist für den 12. Mai 2026 vorgesehen. Die Maßnahme nutzt vereinfachte Planungsrechte des Bundes, um die Vergabe von Baugenehmigungen zu beschleunigen. „Durch weniger Bürokratie können wir schneller bezahlbaren Wohnraum und zukunftsfähige Gewerbeflächen schaffen“, so Oberbürgermeister Kornblum.
Transparenz und Geschwindigkeit in der Planungsphase sind laut Veranstaltern wie Jörg Meyer (Braunschweig Zukunft) und Ulf Streit (Grundstücksgesellschaft Braunschweig) entscheidend. Nur so ließen sich Investoren im aktuellen Marktumfeld von neuen Projekten überzeugen.
Modulbau als Schlüssel für kostengünstiges Bauen
Als zentrale Lösung für nachhaltiges und kosteneffizientes Bauen präsentierte Sven Schmittbüttner, Geschäftsführer der Krebs Group, den Modulbau. Die reduzierte Komplexität vorfabrizierter Bauteile führe zu weniger Abstimmungsaufwand auf der Baustelle und damit zu reibungsloseren Abläufen.
Branchenvertreter wie Matthias Gollmer (Gollmer-Bau) und Joachim Düppe (Deutsche Reihenhaus) unterstrichen: Kosteneffizienz ist das Gebot der Stunde. Standardisierte Module helfen, steigende Kosten für Material und Arbeit abzufedern. Der Fokus auf nachhaltige Materialien wie Holz verbindet zudem Klimaschutz mit bezahlbarem Wohnen. Diese Ansätze sollen eine zentrale Rolle im „wohnvision“-Strategiemodell der Stadt spielen, das faire Standards für den sozialen Wohnungsbau definiert.
Grundsteuerreform: Hebesätze steigen deutlich
Fiskalisch navigiert der Braunschweiger Immobilienmarkt durch die vollständige Umsetzung der Grundsteuerreform, die seit 1. Januar 2025 gilt. Nach dem niedersächsischen „Flächen-Lage-Modell“ hat die Stadt die Hebesätze angepasst.
Für die Grundsteuer B (bebaute und bebaubare Grundstücke) gilt 2026 ein Hebesatz von 750 Prozent – ein Sprung von zuvor 600 Prozent. Für land- und forstwirtschaftliche Flächen (Grundsteuer A) sind es 400 Prozent. Die Reform zielt zwar auf kommunale Gesamt-Neutralität ab, für einzelne Eigentümer kann die Belastung jedoch je nach Lage und Größe stark variieren.
Die Grundsteuer bleibt eine tragende Säule des Stadthaushalts. Allein aus der Grundsteuer B erwartet Braunschweig jährlich rund 66 Millionen Euro. Diese Mittel sind essenziell für die Infrastruktur in neuen Quartieren, wie Schulen, Kitas und Sicherheitseinrichtungen.
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Paradox: Stagnierende Einwohnerzahl, steigender Wohnungsbedarf
Der Wohnungsdruck in Braunschweig bleibt hoch, obwohl die Einwohnerzahl seit Jahren bei rund 253.000 stagniert. Der Bedarf steigt vor allem durch veränderte Haushaltsstrukturen. Laut Zensus 2022 sind 51,2 Prozent aller Haushalte Single-Haushalte.
Kleinere Haushalte bedeuten mehr Wohnraum pro Kopf. Zugleich klafft eine Lücke zwischen Baugenehmigungen und Fertigstellungen. Ein hoher „Bauüberhang“ genehmigter, aber nicht realisierter Projekte aus den Jahren 2024 und 2025 trifft auf verlangsamte Fertigstellungen durch hohe Zinsen und Energiekosten.
Dieses lokale Spannungsfeld spiegelt die nationale Krise. Experten warnten beim „Wohnungsbau-Tag 2026“ in Berlin, dass die bundesweiten Fertigstellungen 2026 unter 200.000 Einheiten fallen könnten – weniger als die Hälfte des ursprünglichen Regierungsziels. Vor diesem Hintergrund sind Braunschweigs Initiativen wie „wohnvision“ entscheidend, um Fachkräften bezahlbaren Wohnraum nahe dem Arbeitsplatz zu sichern.
Ausblick: Entscheidungen im Mai geben Richtung vor
Der Erfolg der Braunschweiger Strategie hängt maßgeblich von den anstehenden Stadtratsbeschlüssen im Mai und der Bereitschaft der Privatwirtschaft zu innovativen Bauweisen ab. Die Stadt mit gezielten kommunalen Investitionen der Bauindustrie Stabilität bieten.
Für die zweite Jahreshälfte 2026 bleibt der Fokus auf der Fertigstellung neuer Quartiere und der Belebung von Leerständen in der Innenstadt. Durch das Zusammenspiel von Gesetzes-Turbo, Modulbau und transparenter Steuerpolitik will Braunschweig einen resilienten Immobilienmarkt schaffen, der die Interessen von Investoren, Steuerzahlern und Wohnungssuchenden in Einklang bringt. Der Dialog beim Immobilienfrühstück soll Eckpfeiler dieser kooperativen Strategie bleiben.
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