Bolloré, Aktie

Bolloré SE Aktie: Lohnt sich jetzt der Einstieg für DACH-Investoren?

24.02.2026 - 18:59:31 | ad-hoc-news.de

Die Bolloré SE zieht sich schrittweise von der Börse zurück, der Kurs liegt unter früheren Übernahmeangeboten. Was bedeutet das für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz und wo liegen jetzt Chancen und Risiken?

Bottom Line zuerst: Die französische Bolloré SE bleibt nach dem Verkauf ihres Logistikgeschäfts und dem laufenden Rückzug von der Börse ein Spezialwert, der an deutschen und Schweizer Börsen nur noch wenig beachtet wird. Für Anleger im DACH-Raum stellt sich die Frage, ob sich ein Engagement vor einem möglichen vollständigen Delisting überhaupt noch lohnt.

Wenn Sie als deutschsprachiger Privatanleger auf der Suche nach stabilen Dividendenwerten oder einem spekulativen Sondersituation-Play sind, müssen Sie bei Bolloré SE sehr genau hinschauen. Die Kombination aus komplexer Konzernstruktur, Medienbeteiligungen (u.a. Vivendi) und der Konzentration des Streubesitzes in französischen Händen macht die Aktie zu einem Nischeninvestment.

Was Sie jetzt wissen müssen, wenn Sie als Anleger in Deutschland, Österreich oder der Schweiz über Bolloré nachdenken...

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Analyse: Die Hintergründe

Bolloré SE mit der ISIN FR0000039299 ist eine französische Industrie- und Beteiligungsholding mit Schwerpunkten in den Bereichen Medien, Transport, Logistik und Speicherlösungen. Bekannt ist der Konzern im deutschsprachigen Raum vor allem über seine Beteiligung an Vivendi und damit indirekt an Medienmarken wie Canal+ und Havas.

In den vergangenen Jahren hat Bolloré die strategische Neuausrichtung vorangetrieben und das Logistikgeschäft an die dänische A.P. Møller-Mærsk verkauft. Der Fokus liegt seither stärker auf Medien und langfristigen Beteiligungen. Für die Börse hatte das eine klare Konsequenz: der Streubesitz schrumpft, die Liquidität sinkt, und der Konzern steuert auf einen weitgehenden Rückzug vom Kapitalmarkt zu.

Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist vor allem wichtig: Die Aktie wird weiterhin an Euronext Paris gehandelt, ist aber an deutschen Regionalbörsen (z.B. Frankfurt Freiverkehr) und bei Schweizer Online-Brokern meist nur noch mit sehr geringen Umsätzen handelbar. Das erhöht die Spreads und erschwert größere Orders erheblich.

Warum die Aktie im DACH-Raum unter dem Radar läuft

Im Vergleich zu DAX-Werten wie Allianz oder Siemens ist die mediale Berichterstattung zu Bolloré im DACH-Raum minimal. Gründe dafür:

  • Geringer Streubesitz - Die Familie Bolloré kontrolliert den Großteil der Stimmrechte.
  • Komplexe Holdingstruktur - Mehrstufige Beteiligungen, die für Privatanleger schwer zu durchdringen sind.
  • Mangelnde Transparenz für deutsche Anleger - Berichte und Investor Relations sind stark auf Frankreich fokussiert.

Genau diese Faktoren führen aber häufig zu Bewertungsabschlägen, was für opportunistische Value-Investoren im DACH-Raum interessant sein kann. Wer sich tief einarbeitet und die französische Rechtslage kennt, kann in solchen Sondersituationen mitunter überproportional profitieren, geht aber auch klare Sonderrisiken ein.

Handelbarkeit für deutsche, österreichische und Schweizer Anleger

Für Privatanleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellt sich zunächst die praktische Frage: Wie komme ich überhaupt an die Aktie?

  • Deutschland - Über gängige Neobroker mit Frankreich-Zugang (z.B. Tradegate mit Paris-Referenzkurs, oder direkt Euronext über etablierte Vollbankbroker). Achtung auf Ordergebühren und Spreads.
  • Österreich - Meist über internationale Broker mit Zugang zu Euronext Paris. Die Wiener Börse spielt hier praktisch keine Rolle.
  • Schweiz - Schweizer Onlinebroker (z.B. Swissquote, Saxo, Interactive Brokers über Schweizer Frontends) ermöglichen in der Regel den Handel an Euronext Paris in Euro.

Zu beachten ist aus deutscher Sicht die Abgeltungsteuer samt Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Für österreichische Anleger gilt die KESt von 27,5 Prozent, in der Schweiz greift die Vermögenssteuer auf den Jahresendwert der Position. Dividendenausschüttungen von Bolloré können zudem einer französischen Quellensteuer unterliegen, die sich über das Doppelbesteuerungsabkommen teilweise anrechnen lässt.

Strategische Positionierung und Bedeutung für europäische Märkte

Bolloré ist für den DACH-Raum vor allem als indirektes Medien- und Infrastruktur-Play interessant. Über die Beteiligung an Vivendi ist der Konzern an europäischen Medienrechten, Streaming und Werbemärkten beteiligt. Diese Sektoren korrelieren teilweise mit der Stimmung an den Leitindizes wie DAX, ATX und SMI, reagieren aber oft stärker auf Zinsänderungen der EZB und auf Werbekonjunktur.

Für deutsche Anleger, die bereits europäische Medienwerte wie ProSiebenSat.1, RTL Group oder Springer im Blick haben, kann Bolloré eine Ergänzung auf Holding-Ebene sein, allerdings mit deutlich geringerer Transparenz. Wer in der Schweiz stark im SMI über Large Caps wie Nestlé, Novartis oder UBS investiert ist, findet in Bolloré ein spekulativeres Satelliteninvestment außerhalb des Heimatmarktes.

Ein weiterer Punkt: Der Eurokurs spielt für Schweizer Anleger eine Rolle. Ein starker Franken drückt die in CHF umgerechnete Performance, kann aber beim Einstieg in Euro-Werte wie Bolloré einen Währungsrabatt bedeuten.

Risiken, die DACH-Anleger kennen müssen

Abseits der üblichen Markt- und Währungsrisiken gibt es bei Bolloré spezifische Risiken:

  • Holdingabschlag - Der Markt bewertet Holdings mit Mischkonzern-Charakter oft deutlich unter dem inneren Wert der Beteiligungen.
  • Delisting-Risiko - Ein vollständiger Rückzug von der Börse ist nicht ausgeschlossen. Für Minderheitsaktionäre kann das bedeuten, ein Übernahmeangebot annehmen zu müssen, dessen Höhe sie nicht beeinflussen können.
  • Geringe Liquidität - Besonders für Anleger, die über deutsche oder Schweizer Nebenplätze handeln, kann es bei Verkaufsorders im Stressfall zu deutlichen Kursabschlägen kommen.
  • Regulatorische Risiken in Frankreich und Afrika - Historisch war Bolloré stark in Afrika aktiv, was immer wieder zu politisch-regulatorischen Debatten geführt hat. Auch wenn Logistik verkauft ist, bleibt der Reputationsfaktor.

Für langfristig orientierte Anleger im deutschsprachigen Raum, die hauptsächlich DAX-, ATX- oder SMI-Werte halten, eignet sich Bolloré allenfalls als kleine Beimischung mit spekulativem Charakter und sollte nicht die Basis eines Portfolios bilden.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Für Bolloré SE liegen im deutschsprachigen Raum nur wenige dezidierte Analystenstudien vor. Die meisten professionellen Einschätzungen stammen von französischen Häusern und internationalen Banken, die primär institutionelle Investoren adressieren. Zudem fokussieren viele Analysten eher auf die große Beteiligung Vivendi als auf die Holding Bolloré selbst.

Wichtig für DACH-Anleger: Öffentliche, frei zugängliche Kursziele zu Bolloré SE sind begrenzt. Wo Bewertungen existieren, werden sie häufig in Form von Net Asset Value (NAV)-Schätzungen und Abschlägen darauf angegeben, nicht als klassisches einjähriges Kursziel wie bei DAX-Werten. Seriöse Quellen betonen dabei regelmäßig die Faktoren Holdingabschlag, Komplexität der Struktur und das Delisting-Risiko.

Da aktuelle, konkrete Kursziele von Häusern wie Goldman Sachs, JP Morgan oder der Deutschen Bank für Bolloré SE nicht breit publik sind und sich zudem laufend ändern können, sollten Privatanleger im DACH-Raum auf aggregierte Finanzportale wie zum Beispiel französische Börsenseiten oder internationale Finanzinformationsdienste zurückgreifen, anstatt sich auf veraltete Kursziele zu verlassen. Ein Abgleich mehrerer Quellen ist Pflicht.

Fazit für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Bolloré SE ist kein Standardinvestment wie ein DAX-Bluechip, sondern eine komplexe Beteiligungsholding mit begrenzter Transparenz und speziellem Aktionärskreis. Wer hier investiert, setzt auf eine Sondersituation mit potenziellem Aufschlag bei einer weiteren Vereinfachung der Struktur oder einem finalen Börsenrückzug, geht dafür aber bewusst erhöhte Risiken bei Handelbarkeit, Informationslage und Corporate Governance ein.

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