BMW, Kritik

BMW setzt trotz Kritik auf Abo-Modelle für Software

08.02.2026 - 18:44:12

Der Münchner Autobauer fokussiert sein Geschäftsmodell auf datengetriebene ConnectedDrive-Abos, während Verbraucherschützer und EU-Regulierer die Praktiken hinterfragen.

Der Münchner Autobauer verstärkt sein umstrittenes Geschäft mit Abonnements für Fahrzeugfunktionen. Der Fokus liegt nun auf datenintensiven Diensten – doch Verbraucherschützer und EU-Regulierer sind alarmiert.

Trotz heftiger Kundenproteste gegen Abonnements für bereits eingebaute Hardware wie Sitzheizungen hält BMW an seinem umstrittenen Geschäftsmodell fest. Das Unternehmen schwenkt nun jedoch auf datengetriebene Software-Dienste um, die über seine ConnectedDrive-Plattform angeboten werden. Diese Strategie markiert einen grundlegenden Wandel in der Automobilbranche hin zu wiederkehrenden Einnahmequellen und wirft neue Fragen zu Eigentum, Verbraucherrechten und Datenschutz auf.

Vom Hardware- zum Software-Fokus

Die neue, differenziertere Strategie des Konzerns trennt die eingebaute Hardware klar von der aktivierenden Software. Laut BMW biete dies Kunden mehr Flexibilität, Funktionen nach dem Kauf je nach Bedarf hinzuzubuchen. Dies sei ein zentraler Baustein der globalen After-Sales-Strategie.

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Im Fokus stehen nun Dienste, die auf kontinuierlicher Datenverarbeitung und Cloud-Anbindung basieren. Beim neuen BMW iX3 werden etwa das Paket Driving Assistant Pro für teilautonomes Fahren oder das 360-Grad-Kamerasystem per Abonnement freigeschaltet – obwohl die nötigen Sensoren bereits serienmäßig verbaut sind. BMW begründet die wiederkehrenden Gebühren mit den Betriebskosten für Cloud-Computing und Datentransfer. Diese datengetriebenen Dienste unterscheiden sich fundamental von statischer Hardware wie Sitzheizungen, die der Konzern inzwischen als ungeeignet für das Abo-Modell einstuft.

Widerstand von Verbraucherschützern und EU

Die Abo-Offensive stößt auf erheblichen Widerstand. Im Kern geht es um das Eigentumsprinzip: Käufer fühlen sich betrogen, wenn sie für bereits vorhandene Hardware extra zahlen sollen. Diese Haltung findet Gehör bei Verbraucherschützern.

In Europa kritisiert etwa der deutsche ADAC die intransparenten und schwer vergleichbaren Angebote der Hersteller. EU-Regulierungsbehörden prüfen diese Geschäftspraktiken zunehmend unter geltendem Verbraucherschutzrecht. Sie stellen infrage, ob alle gesperrten Funktionen beim Kauf offengelegt werden müssen und ob solche Software-Sperren unlautere Geschäftspraktiken darstellen. Mit der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge rücken zudem Datenschutzvorschriften wie die DSGVO in den Fokus. BMW betont zwar robuste Sicherheitsmaßnahmen, doch die Erhebung von Nutzungsdaten für Abo-Funktionen bleibt ein sensibles Thema.

Branchentrend mit regionalen Unterschieden

BMW steht mit dieser Strategie nicht allein. Der Wandel zum Software-defined Vehicle (SDV) treibt die gesamte Branche um. Auch Konkurrenten wie Tesla und Volkswagen setzen auf ähnliche Modelle, um Fahrzeugsoftware zu monetarisieren.

Die Ökonomie begünstigt diesen Trend: Elektroautos mit weniger mechanischen Teilen benötigen weniger Wartung – eine traditionell stabile Einnahmequelle für Hersteller und Händler schwindet. Abo-Dienste sollen diese Finanzlücke füllen und eine langfristige Kundenbindung schaffen. Die Marktakzeptanz fällt jedoch regional sehr unterschiedlich aus: Während Verbraucher in Deutschland skeptisch sind, zeigen Studien für China eine deutlich höhere Bereitschaft für solche Modelle. Die Hersteller müssen ihre Strategien daher regional anpassen.

Der schmale Grat zwischen Innovation und Akzeptanz

Die Zukunft des Abo-Modells ist ein Balanceakt. Sein Erfolg hängt davon ab, ob BMW und andere Hersteller Kunden vom Mehrwert und der Flexibilität der Dienste überzeugen können – und gleichzeitig das komplexe regulatorische Umfeld navigieren.

Entscheidend wird die klare Unterscheidung zwischen reiner Hardware-Freischaltung und datengetriebenen Software-Diensten sein. Funktionen, die durch Updates und Konnektivität einen erkennbaren, fortlaufenden Mehrwert bieten, haben höhere Akzeptanzchancen als künstlich gesperrte Standard-Hardware. Letztlich wird der Markt das Urteil sprechen. Anhaltender Verbraucherwiderstand könnte die Hersteller zwingen, neu zu bewerten, welche Funktionen sich als Dienst vermarkten lassen. BMW setzt indes weiter auf seine digitale Zukunft und wettet, dass die Flexibilität von Nachrüstungen und der Reiz datenbasierter Spitzenfunktionen das traditionelle Ideal vom vollständigen Fahrzeugeigentum überwiegen.

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