Bitkom-Umfrage: Deutsche Wirtschaft fordert radikale DSGVO-Reform
21.02.2026 - 02:39:11 | boerse-global.deNahezu acht Jahre nach ihrer Einführung wird die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) von der deutschen Wirtschaft zunehmend als Innovationsbremse gesehen. Das zeigt eine neue Bitkom-Umfrage, die am Freitag veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse treffen auf eine verschärfte Aufsichtspraxis der Datenschutzbehörden.
Die Zahlen sind eindeutig: 97 Prozent der befragten Unternehmen beklagen den hohen bürokratischen Aufwand der DSGVO. Für 77 Prozent hemmt die Verordnung die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Besonders alarmierend: 63 Prozent sehen die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Europa durch die aktuellen Regeln gefährdet.
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Die Konsequenz? Eine breite Mehrheit von 79 Prozent fordert eine grundlegende Reform auf EU-Ebene. 71 Prozent sprechen sich für eine generelle Lockerung aus. Konkret wünschen sich 76 Prozent weniger Dokumentationspflichten und 71 Prozent eine Anpassung an das KI-Zeitalter.
Während die Wirtschaft nach Entlastung ruft, gehen die Datenschutzaufsichtsbehörden in die andere Richtung. Erst vergangene Woche veröffentlichte die Datenschutzkonferenz (DSK) die Ergebnisse einer europaweiten Prüfaktion zum „Recht auf Löschung“.
Die Behörden untersuchten bei 764 Unternehmen, darunter 60 in Deutschland, wie das auch als „Recht auf Vergessenwerden“ bekannte Instrument umgesetzt wird. Basierend auf den Ergebnissen gibt es nun konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Compliance. Das Signal ist klar: Trotz der Reformdebatte gilt das bestehende Recht uneingeschränkt.
Praxis zwischen Bürokratie und Rechtssicherheit
Die parallelen Entwicklungen zeigen das Dilemma der Unternehmen: Sie navigieren täglich durch ein komplexes Regelwerk, während gleichzeitig über dessen grundlegende Überholung diskutiert wird.
Ein Beispiel für die fortlaufende Verfeinerung: Das Verwaltungsgericht Düsseldorf urteilte kürzlich, dass Unternehmen bei Auskunftsersuchen Daten Dritter in Kopien schwärzen dürfen. Solche Einzelentscheidungen schaffen zwar Rechtssicherheit, erhöhen aber auch die Komplexität.
Wettbewerbsfähigkeit versus Grundrechtsschutz
Das Kernproblem bleibt der Balanceakt zwischen Innovation und Datenschutz. Aus Sicht des Bitkom kippt die Waage zu stark zugunsten starrer Regulierung. Das könnte die europäische Wettbewerbsfähigkeit im globalen KI-Rennen gefährden.
Doch die Aufsichtsbehörden halten dagegen. Ihre koordinierten Prüfaktionen zeigen Entschlossenheit bei der Durchsetzung der Bürgerrechte. Jede künftige Reform muss diesen Spagat meistern.
Die politische Debatte dürfte sich in den kommenden Monaten zuspitzen. Der Druck auf Berlin und Brüssel wächst, die lange diskutierten Vereinfachungen – etwa im Rahmen des „Digitalen Omnibus“ – endlich umzusetzen. Für die Unternehmen heißt das vorerst: weiterhin strikte Compliance nach geltendem Recht, während sie auf eine Entbürokratisierung hoffen.
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