BGW, Kontrollen

BGW verschärft Kontrollen in Friseursalons

20.03.2026 - 00:00:34 | boerse-global.de

Die Berufsgenossenschaft BGW intensiviert Prüfungen in Friseurbetrieben mit Fokus auf Gefährdungsbeurteilung, Hautschutz und Ergonomie. Ein umfassendes Arbeitsschutzkonzept entwickelt sich zum strategischen Vorteil im Fachkräftemangel.

BGW verschärft Kontrollen in Friseursalons - Foto: über boerse-global.de
BGW verschärft Kontrollen in Friseursalons - Foto: über boerse-global.de

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BWG) intensiviert ihre Kontrollen in Friseursalons und Barbershops. Im Fokus stehen die sicherheitstechnische Betreuung, der Hautschutz und die Ergonomie. Für die von Fachkräftemangel geplagte Branche wird ein umfassender Arbeitsschutz zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

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Lückenlose Dokumentation wird geprüft

Arbeitsschutzexperten registrieren eine deutliche Zunahme von BGW-Kontrollen. Die Prüfer verlangen den schriftlichen Nachweis einer regelkonformen Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Kernstück ist eine lückenlose Gefährdungsbeurteilung.

Diese muss alle Risiken des Salonalltags abbilden – von chemischen Substanzen bis zu elektrischen Geräten. Betriebe können zwischen externer Betreuung oder dem „Unternehmermodell“ für kleinere Salons wählen. Fehlt die vorgeschriebene Dokumentation, drohen rechtliche und finanzielle Konsequenzen.

Hautschutz gegen Feuchtarbeit und Chemikalien

Ein zentraler Punkt sind die aktualisierten Vorgaben zum Hautschutz. Friseure sind durch ständigen Umgang mit Wasser und Chemikalien besonders gefährdet. Die Richtlinien definieren klare Grenzen für sogenannte Feuchtarbeit.

Um Hauterkrankungen vorzubeugen, sollen feuchtigkeitsintensive Aufgaben wie Haarewaschen auf das Team verteilt werden. Auch der Umgang mit Friseurkosmetika erfordert mehr Aufmerksamkeit. Farben und Tönungen können Allergien auslösen und müssen in der Gefährdungsbeurteilung detailliert erfasst werden.

Die BGW rät zudem zu speziellen Mischarbeitsplätzen und Wischdesinfektion statt Sprühverfahren. So soll die Belastung durch Aerosole minimiert werden.

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Ergonomie verlängert die Lebensarbeitszeit

Neben chemischen Belastungen rückt die Ergonomie in den Fokus. Langes Stehen und unnatürliche Haltungen führen oft zu Muskel-Skelett-Erkrankungen. Die BGW empfiehlt nun individuell einstellbare Frisierstühle, höhenverstellbare Waschbecken und ergonomische Rollhocker.

Diese Anforderungen treffen auf eine Branche im Wandel. Von den rund 90.000 Salons in Deutschland werden etwa 30.000 als Kleinstbetriebe geführt. Für Solo-Selbstständige sind ergonomische Standards existenziell – sie tragen das alleinige Risiko eines Arbeitsausfalls.

Investitionen in den Arbeitsplatz verlängern die Lebensarbeitszeit im Handwerk. Auch die Bereitstellung normgerechter Erste-Hilfe-Materialien wird bei Kontrollen streng geprüft.

Vom Kostentreiber zum Talentemagnet

Die verschärften Richtlinien wirken tief in die Branche hinein. Die Zahl der Beschäftigten ist seit 2017 um 19 Prozent gesunken, der Fachkräftemangel ist dramatisch. In dieser Situation gewinnt das Thema Arbeitsgesundheit eine neue strategische Dimension.

Fortschrittliche Saloninhaber nutzen zertifizierte Arbeitsschutzkonzepte gezielt für ihr Employer Branding. Ein gesundheitsschonendes Umfeld mit modernen Abluftanlagen und strikten Pausenregeln wird zum Argument bei der Nachwuchssuche.

Der erhöhte Dokumentationsaufwand belastet jedoch kleinere Betriebe administrativ. Könnten die Anforderungen den Konsolidierungsdruck weiter erhöhen? Größere Salons und Filialisten haben oft mehr Ressourcen für externe Fachkräfte.

Doch Prävention lohnt sich auch finanziell: Ein Rückgang der Berufskrankheiten führte in der Vergangenheit bereits zu Beitragssenkungen bei der Berufsgenossenschaft.

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