BGW startet digitale Tools für mehr Arbeitsschutz-Flexibilität
09.02.2026 - 12:55:12Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat ihre Unterstützung für kleine Unternehmen deutlich ausgebaut. Hintergrund ist die reformierte DGUV Vorschrift 2, die seit Jahresbeginn mehr Flexibilität beim betrieblichen Arbeitsschutz ermöglicht.
Höhere Grenze für das Unternehmermodell
Der Kern der Reform: Die Schwelle für das sogenannte „alternative Betreuungsmodell“ wurde angehoben. Durften bisher nur Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten den Arbeitsschutz in Eigenregie organisieren, gilt die Obergrenze jetzt für Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern. Voraussetzung ist eine erfolgreich absolvierte Unternehmerschulung.
Für Tausende Praxisinhaber, Therapeuten und Pflegedienstleister bedeutet das einen Systemwechsel. Statt verpflichtender externer Betreuung können sie künftig selbst Verantwortung übernehmen – sofern sie qualifiziert sind. Die Reform erkennt an, dass die Inhaber in Gesundheitsberufen die täglichen Risiken oft am besten kennen.
Neues Online-Tool für Arztpraxen gestartet
Als zentrale Hilfestellung hat die BGW Anfang Februar ein neues digitales Modul zur Gefährdungsbeurteilung speziell für Arztpraxen freigeschaltet. Das Online-Tool hilft Praxisinhabern, Gefahrenquellen systematisch zu erfassen – von Infektionsrisiken bis zu ergonomischen Problemen. Die Schutzmaßnahmen können direkt digital dokumentiert werden.
Viele Praxisinhaber unterschätzen, wie lückenhaft Gefährdungsbeurteilungen oft sind. Fehlende oder unklare Dokumentation führt bei Kontrollen schnell zu Beanstandungen – besonders in Arztpraxen. Kostenlose Vorlagen, Checklisten und ein Praxisleitfaden zeigen Schritt für Schritt, wie Sie eine rechtssichere Gefährdungsbeurteilung erstellen, die Aufsichtsbehörden standhält, und sparen Ihnen Stunden an Bürokratie. Ideal für Inhaber, die künftig Verantwortung im Unternehmermodell selbst tragen wollen; praxisbezogene Beispiele für Infektionsschutz, Ergonomie und Chemikalien runden das Paket ab. Jetzt Gefährdungsbeurteilung-Vorlagen herunterladen
Damit adressiert die Berufsgenossenschaft einen häufigen Kritikpunkt: den bürokratischen Aufwand. Die Digitalisierung soll insbesondere den neu berechtigten Betrieben mit 11 bis 20 Angestellten den Einstieg erleichtern. Viele von ihnen verlassen erstmals die Vollbetreuung durch externe Dienstleister.
Schulungsoffensive in vollem Gange
Parallel zum Tool-Launch rollt die BGW ihre Unternehmerschulungen für 2026 aus. Diese sind verpflichtend für alle, die das alternative Modell nutzen wollen. Die Inhalte reichen von rechtlichen Pflichten über die Gefahrenidentifikation bis zur Nutzung der neuen digitalen Hilfen.
Besonderes Augenmerk liegt auf hybriden Lernformaten. Während Grundseminare oft in Präsenz stattfinden, werden Vertiefungsmodule zunehmend als Webinare angeboten. Das kommt dem Zeitmanagement von Ärzten und Therapeuten entgegen, die nur schwer ganze Tage freischaufeln können.
Experten warnen vor falschem Leichtsinn
Fachleute begrüßen den Schritt zur „digitalen Prävention“. Die Kombination aus höherer Beschäftigtengrenze und digitalen Tools soll Sicherheitsmanagement stärker in den Betriebsalltag integrieren.
Doch die Warnung ist klar: Das alternative Modell ist keine „Light-Version“. Die volle Verantwortung und Haftung bleibt beim Unternehmer. Die Schulung überträgt die Pflicht, Sicherheitsexpertise zu organisieren. Bei komplexen Gefahren – etwa im Umgang mit speziellen Chemikalien – muss weiterhin externer Sachverstand hinzugezogen werden.
Das sollten betroffene Unternehmer jetzt tun
Für Inhaber im Gesundheits- und Sozialwesen mit 11 bis 20 Beschäftigten gibt es konkreten Handlungsbedarf:
1. Verträge prüfen: Bestehende Sicherheitsdienstleister-Vertäge auf Aktualität überprüfen.
2. Berechtigung klären: Mitarbeiterzahl (Kopfzahl vs. Vollzeitäquivalente) für die neue Grenze verifizieren.
3. Schulung buchen: Einen Platz im BGW-Schulungszyklus 2026 sichern. Die Nachfrage wird voraussichtlich hoch sein.
4. Tool testen: Sich mit dem neuen Online-Portal zur Gefährdungsbeurteilung vertraut machen.
Die BGW plant, das Online-Tool noch in diesem Jahr um branchenspezifische Module für Therapiezentren und Pflegeeinrichtungen zu erweitern. Der digitale Arbeitsschutz gewinnt weiter an Fahrt.
PS: Für alle, die das neue BGW-Tool ausprobieren möchten, lohnt sich ergänzend ein Set an branchenspezifischen Checklisten. Damit dokumentieren Sie Schutzmaßnahmen schnell digital, erfüllen Nachweispflichten gegenüber Behörden und haben sofort praxiserprobte Vorlagen für Therapiezentren, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen. Die Muster erleichtern den Einstieg ins alternative Betreuungsmodell und reduzieren Verwaltungsaufwand. Jetzt GBU-Checklisten sichern


