Betrug, Netz

Betrug im Netz: Tech-Konzerne in der Pflicht

15.02.2026 - 11:32:12

Meta-Plattformen sind Schauplatz von über 60 Prozent aller gemeldeten Betrugsfälle. Finanzinstitute und Verbraucherschützer verlangen nun gesetzliche Verantwortung von Tech-Konzernen, während die EU-Kommission mit Bußgeldern droht.

Banken und Verbraucherschützer fordern mit aller Härte: Die großen Online-Plattformen müssen für Betrugsfälle haften. Die Auseinandersetzung eskaliert diese Woche – ausgelöst durch alarmierende neue Daten und ein hartes Durchgreifen der EU-Kommission. Dabei zeigt sich: KI-gestützte Deepfakes und präzises Targeting machen jeden Nutzer zum potenzielles Opfer.

Meta, Facebook, Instagram: Über 60 Prozent aller Betrugsfälle

Der Fintech-Riese Revolut legte jüngst Zahlen vor, die aufhorchen lassen. Auf Meta-Plattformen – Facebook, Instagram, WhatsApp – entstehen über 60 Prozent aller gemeldeten Betrugsfälle. Das ist keine Fluktuation, sondern ein beständiges Muster, das sich durch 2025 zog.

Die Finanzinstitute sind am Ende ihrer Geduld. Sie argumentieren einfach und logisch: Ihre eigenen Sicherheitssysteme helfen nichts, wenn Kunden durch manipulative Anzeigen bereits psychologisch „gehackt“ werden, bevor Geld fließt. Darum fordern sie jetzt gesetzliche Haftung für Plattformbetreiber. Wer durch Werbeanzeigen Millionen verdient, müsse auch die Kosten für Betrugsfälle tragen – nicht die Banken, nicht die Opfer.

Täuschend echt: Deepfakes und Micro-Targeting

Die Betrugsmasche wird dabei immer raffinierter. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt derzeit vor einer Welle von Deepfake-Videos. KI-generierte Clips zeigen bekannte Tagesschau-Sprecher oder Politiker, die lippensynchron für Krypto-Plattformen werben – und der Unterschied zur Realität ist für die meisten Nutzer unsichtbar.

Schlimmer noch: Betrüger nutzen die Datenmacht der Plattformen, um gezielt anfällige Zielgruppen anzusprechen. Die einen fürchten Inflation, die anderen träumen vom schnellen Reichtum. Jeder bekommt genau die Anzeige, die ihn am meisten verführt.

Fake-Shops: Werbung schafft Vertrauen – zu Unrecht

Das Einkaufsbetrug-Phänomen ist ebenso beunruhigend. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) meldet: Jeder zweite identifizierte Fake-Shop bewirbt sich aktiv auf Google oder Meta. Das Problem? Nutzer vertrauen auf Werbeanzeigen großer Plattformen und gehen davon aus, dass eine Sicherheitsprüfung stattgefunden hat.

Tatsächlich können Kriminelle in Minuten Werbekonten anlegen und Anzeigen für nicht existierende Waren schalten – Gartenbedarf mit 80 Prozent Rabatt, Frühjahrsmode zum halben Preis. Das Geld ist weg, bevor die automatisierten Filter der Plattformen reagieren.

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Die EU zieht Zügel an: Digital Services Act zeigt Wirkung

Die Europäische Kommission dreht jetzt den Dreh herum. Unter dem Digital Services Act (DSA) sind die großen Plattformen (sogenannte VLOPs) verpflichtet, Risiken proaktiv zu minimieren und illegale Inhalte zu entfernen.

Diese Woche rückten Verfahren gegen TikTok und Meta erneut in den Fokus. Die Kommission prüft, ob die Erkennungsmechanismen für betrügerische Werbung ausreichen. Ein zentraler Vorwurf: sogenannte „Dark Patterns“ – Designtricks, die Nutzer zu unbedachten Klicks verleiten – und mangelnde Transparenz bei der Finanzierung von Anzeigen.

Das Risiko für die Tech-Konzerne ist real: Geldbußgelder bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen. Gegen X (ehemals Twitter) laufen bereits erste Verfahren wegen Transparenzverstößen – ein Warnschuss für die ganze Branche.

Das „Verursacherprinzip“ kommt

Ein neues Modell zeichnet sich ab. Im Vereinigten Königreich werden Banken und Tech-Firmen zunehmend gemeinsam in die Pflicht genommen. Die EU könnte folgen – mit einem System, das Plattformen finanziell an den Betrugsschäden beteiligt.

Für Nutzer gilt vorerst die eiserne Regel: Wenn ein Angebot im Social-Media-Feed zu gut klingt, um wahr zu sein – es ist es. Prominente in mysteriösen „Geheimtipp“-Anzeigen, unrealistische Rabatte, dubiose Investment-Versprechungen. Das sind die Klassiker. Skeptizismus zahlt sich aus.

Die straflosen Zeiten für Tech-Konzerne neigen sich dem Ende zu. Doch bis effektive Regulierung und technische Filter greifen, bleibt das Smartphone für viele ein digitales Minenfeld.

@ boerse-global.de

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