Bauwirtschaft, Kontrollregime

Bauwirtschaft startet 2026 mit verschärftem Kontrollregime

02.01.2026 - 07:44:12

Seit Jahresbeginn gelten verschärfte Regeln gegen Schwarzarbeit und für Arbeitsschutz. Digitale Kontrollen und höhere Prüfquoten erhöhen die Haftungsrisiken für Generalunternehmer deutlich.

Die deutsche Bauwirtschaft muss sich ab sofort auf deutlich schärfere Kontrollen, höhere Prüfquoten und verschärfte Haftungsregeln einstellen. Seit dem 1. Januar 2026 gelten verschärfte Regelungen zur Bekämpfung von Schwarzarbeit und neue Arbeitsschutzvorgaben – eine Zäsur für Generalunternehmer und Bauherren.

Digitale Fahndung: Kein Verstecken mehr im Papierkrieg

Die spürbarste Veränderung betrifft die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Die Behörde arbeitet jetzt mit einem automatisierten Risikoprofil-System, das Daten aus Steuer-, Sozialversicherungs- und Gewerberegistern abgleicht. Auffällige Unternehmen werden so bereits vor einer Baustellenkontrolle identifiziert.

Die neuen Werkzeuge der FKS:
* Digitale Vor-Ort-Prüfung: Inspektoren können sofortigen Zugriff auf digitale Lohn- und Zeiterfassungsdaten verlangen. Das Argument, Unterlagen seien beim Steuerberater, gilt nicht mehr und löst sofortige Bußgelder aus.
* Generalunternehmerhaftung präziser: Die Haftung für Sozialversicherungsbeiträge von Subunternehmern wird durch Echtzeit-Datenabgleich effektiver durchgesetzt. Die FKS kann Verantwortungsketten schneller durchleuchten und bei unseriösen Subunternehmern den Generalunternehmer in die Pflicht nehmen.
* Gezielte Risikoprüfung: Firmen mit Historie bei Scheinfirmen-Subunternehmern werden automatisch für Vor-Ort-Kontrollen priorisiert.

„Die Behörden suchen nicht mehr die Nadel im Heuhaufen – sie haben jetzt einen Magneten“, kommentiert ein Compliance-Experte einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die neue Lage.

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Fünf-Prozent-Quote: Mehr Kontrollen auf jeder Baustelle

Konkret spürbar wird die Verschärfung durch die volle Umsetzung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes. Die Übergangsfrist endete am 31. Dezember 2025. Seit dem Jahreswechsel sind die Landesbehörden für Arbeitsschutz verpflichtet, jährlich mindestens fünf Prozent aller Betriebe zu kontrollieren. Bisher lag die Quote in vielen Bundesländern bei nur ein bis zwei Prozent.

Folgen für die Baupraxis:
* Häufigkeit: Unangemeldete Besuche der Gewerbeaufsicht werden deutlich zunehmen.
* Umfang: Geprüft wird nicht nur die klassische Sicherheit. Die Inspektoren müssen auch die Unterbringung ausländischer Beschäftigter kontrollieren – eine Reaktion auf frühere Skandale in Schlachtbetrieben und auf Bauhöfen.
* Datenvernetzung: Eine neue Schnittstelle meldet Verstöße der Arbeitsschutzbehörden direkt an die Berufsgenossenschaften. Das kann zu spürbaren Beitragserhöhungen im Gefahrtarif führen.

Schutz ausländischer Beschäftigter: Asbest und Identitätsprüfung

Ein Kernziel der Reformen ist der verbesserte Schutz der vielen ausländischen Fachkräfte auf deutschen Baustellen. Der Fokus liegt auf dem Umgang mit Gefahrstoffen wie Asbest.

Neue Meldepflichten verlangen detaillierte Angaben zu den eingesetzten, qualifizierten Fachkräften und deren arbeitsmedizinischen Untersuchungen (G26.3) – und das vor Arbeitsbeginn. Gleichzeitig darf die FKS in Verdachtsfällen biometrische Vergleiche durchführen, um Identitätsbetrug mit „gemieteten“ Papieren zu unterbinden.

Für Bauherren steigen die Sorgfaltspflichten bei der Auftragsvergabe. Wer die Compliance-Fähigkeiten eines Partners nicht prüft, riskiert bei Verstößen gegen Asbest-Regeln oder bei illegalen Beschäftigten nun Baustopps und erheblichen Reputationsschaden.

Analyse: Die transparente Baustelle als neue Realität

Die Maßnahmen markieren einen Paradigmenwechsel: von gelegentlicher Stichprobe zur lückenlosen, digitalen Überwachung. Die Bundesregierung schließt systematisch die Schlupflöcher der Schattenwirtschaft.

„Die Zeit, bei Subunternehmern wegzuschauen, ist vorbei“, so ein Fachanwalt für Baurecht. „Das Haftungsrisiko für Generalunternehmer hat sich verdoppelt, weil die Aufdeckungswahrscheinlichkeit durch die Digitalisierung verzehnfacht wurde.“

Wirtschaftlich dürften die Compliance-Kosten für digitale Zugangssysteme und Subunternehmer-Prüfungen zunächst steigen. Langfristig profitieren jedoch seriöse Betriebe, die bisher gegen preisdrückende Konkurrenten mit Sozialbetrug kämpfen mussten.

Ausblick: Erste Großrazzien und nächste EU-Welle

Die Branche rechnet in den kommenden Wochen mit demonstrativen Großkontrollen der FKS, um die neue Entschlossenheit zu unterstreichen. Der Rat an alle Baufirmen lautet: Subunternehmerketten sofort überprüfen und die Dokumentation vollständig digitalisieren.

Bereits am Horizont zeichnet sich die nächste regulatorische Welle ab: Die EU-Lieferkettensorgfaltspflichten-Richtlinie (CSDDD) wird noch tiefere Transparenz in der Wertschöpfungskette fordern. Die deutschen Reformen sind damit nur der notwendige Probelauf für das, was noch kommt.

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