Bauwirtschaft, Boom

Bauwirtschaft spaltet sich in Boom und Krise

17.03.2026 - 00:00:23 | boerse-global.de

Die deutsche Bauindustrie erlebt eine massive Verschiebung: Während der Tiefbau von Infrastrukturinvestitionen profitiert und der Fertigbau Rekordanteile erreicht, kämpft der klassische Hochbau mit dramatischen Auftragsrückgängen.

Bauwirtschaft spaltet sich in Boom und Krise - Foto: über boerse-global.de
Bauwirtschaft spaltet sich in Boom und Krise - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Bauwirtschaft erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Während der klassische Hochbau weiter schrumpft, boomen der Tiefbau und der Fertigbau. Neue Daten aus Bayern und vom Bundesverband Deutscher Fertigbau belegen diese massive Verschiebung.

Tiefbau profitiert von Infrastruktur-Offensive

Der gewerbliche Tiefbau in Bayern legte im Januar bei den Auftragseingängen um fast 40 Prozent zu. Auch der öffentliche Tiefbau verzeichnete ein Plus von 16 Prozent. Diese Zahlen zeigen: Investitionen in Infrastruktur und Energienetze stützen die Konjunktur.

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Auf der Umsatzseite spiegelt sich der Trend wider. Der öffentliche Tiefbau in Bayern verbuchte ein Plus von 17,1 Prozent, der gewerbliche Bereich ein Plus von 8,5 Prozent. Für viele Baukonzerne liegt die Chance nun darin, Kapazitäten aus dem schwächelnden Wohnungsbau in diese boomenden Segmente umzuleiten.

Fertigbau erreicht Rekordanteil bei Eigenheimen

Gleichzeitig feiert eine spezielle Nische Erfolge. Der Marktanteil von Fertighäusern bei genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern stieg 2025 auf ein Allzeithoch von 26,5 Prozent. Bundesweit sollen über 13.000 der geplanten Eigenheime in Holz-Fertigbauweise entstehen.

Vertreter des Bundesverbands Deutscher Fertigbau betonen die schnelle Erholung ihres Sektors. Gründe sind die hohe Kostensicherheit, kalkulierbare Bauzeiten und die Energieeffizienz der vorgefertigten Häuser. Für Bauherren bieten diese Aspekte offenbar die nötige Planungssicherheit in unsicheren Zeiten.

Hochbau kämpft mit dramatischen Einbrüchen

Die Kehrseite der Medaille zeigt sich im klassischen Hochbau. Die Auftragseingänge im Wohnungsbau gingen in Bayern im Januar um sieben Prozent zurück. Im öffentlichen Hochbau brach die Auftragsvergabe sogar um über 56 Prozent ein.

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Selbst innerhalb des Tiefbaus gibt es Schattenseiten: Der Straßenbau verbuchte ein Umsatzminus von 5,4 Prozent. Der Gesamtumsatz des bayerischen Bauhauptgewerbes lag zum Jahresauftakt rund drei Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Flexibilität wird zum entscheidenden Faktor

Angesichts dieser starken Divergenz ist für viele Bauunternehmen eine strategische Neuausrichtung unausweichlich. Marktexperten sehen die Zeiten des ungebremsten Wachstums im klassischen Neubau vorerst als beendet an.

Stattdessen rücken andere Geschäftsfelder in den Fokus. Neben dem gewerblichen Tiefbau gewinnt die Sanierung und Modernisierung des Bestands massiv an Bedeutung. Energetische Sanierungen, barrierefreie Umbauten und die Umnutzung bestehender Immobilien können Ausfälle kompensieren.

Die Fähigkeit, flexibel auf die sich wandelnde Baunachfrage zu reagieren, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die in Digitalisierung und serielle Fertigung investiert haben, ernten nun die Früchte ihrer Arbeit.

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