Bauwirtschaft, Vierte

Bauwirtschaft: Jeder Vierte geht bald in Rente

03.02.2026 - 21:01:12

Fast ein Viertel der Bauarbeiter ist über 55 Jahre alt. Die demografische Krise gefährdet Wohnungsbauziele und Infrastrukturprojekte und treibt die Kosten.

Die deutsche Baubranche steht vor einer massiven Rentenwelle. Fast ein Viertel ihrer Beschäftigten ist 55 Jahre oder älter. Diese demografische Zeitbombe verschärft den akuten Fachkräftemangel und gefährdet zentrale Projekte vom Wohnungsbau bis zur Infrastruktur.

Die Zahlen hinter der Krise

Die Überalterung schreitet schnell voran: Der Anteil der über 55-Jährigen stieg von 12,5 Prozent (2010) auf 22,8 Prozent (2024). Gleichzeitig schrumpfte die Kerngruppe der 25- bis 55-Jährigen von 72,3 auf 63,5 Prozent. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente – und es fehlt an jungem Nachwuchs, der sie ersetzt. Die Zahl der Auszubildenden reicht bei Weitem nicht aus, um die Lücke zu schließen.

Wohnungsbau und Infrastruktur in Gefahr

Die Folgen sind konkret: Weniger Arbeitskräfte bedeuten Verzögerungen, höhere Kosten und steigende Baupreise. Das politische Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rückt damit in noch weitere Ferne. Auch Großprojekte der Energiewende, Verkehrsnetze und die Sanierung von Schulen oder Brücken hängen von einer leistungsfähigen Bauwirtschaft ab. Droht hier der Stillstand?

Warum will keiner mehr auf den Bau?

Das Image der Branche ist ein Hauptproblem. Viele junge Menschen verbinden die Arbeit noch immer mit Knochenarbeit, Schmutz und schlechter Bezahlung. Die Realität sieht durch Technik und neue Berufsbilder oft anders aus – doch das Klischee hält sich hartnäckig. Besonders in Schlüsselberufen wie dem Hochbau finden Unternehmen kaum noch qualifizierte Bewerber.

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Digitale Tools und ausländische Fachkräfte als Rettung?

Die Branche sucht nach Auswegen. Ein zentraler Hebel ist die Digitalisierung:
* Building Information Modeling (BIM) ermöglicht präzisere Planung.
* Robotik und Fertigteile steigern die Produktivität.
* Attraktivere Jobs sollen Frauen und Quereinsteiger anlocken.

Gleichzeitig wird die Branche immer internationaler: Die Ausländerquote im Hochbau liegt bereits bei 36 Prozent. Die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte ist für viele Betriebe überlebenswichtig.

Unternehmen horten Personal trotz Krise

Interessanterweise entlassen viele Bauunternehmen derzeit kaum Mitarbeiter – trotz schwächelnder Konjunktur. Sie fürchten, bei der nächsten Belebung der Auftragslage niemanden mehr zu finden. Experten nennen dies einen „Hortungseffekt“, der die angespannte Lage am Arbeitsmarkt unterstreicht.

Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Gelingt es nicht, genug Nachwuchs zu gewinnen, die Produktivität zu steigern und Fachkräfte aus dem Ausland zu integrieren, droht eine dauerhafte Schwächung der gesamten Bauwirtschaft.

@ boerse-global.de