Baugenehmigungen, Wohnungsmarkt

Baugenehmigungen steigen, doch Wohnungsmarkt bleibt angespannt

20.02.2026 - 01:31:12

Trotz eines leichten Anstiegs bei Baugenehmigungen bleiben die Wohnungsmieten und Kaufpreise auf hohem Niveau. Experten warnen vor einer strukturellen Krise und fordern politische Reformen.

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist 2025 erstmals seit drei Jahren wieder gestiegen. Neue Daten und Prognosen zeigen jedoch: Der leichte Aufwärtstrend reicht nicht aus, um die Krise am Wohnungsmarkt zu beenden. Mieten und Kaufpreise werden 2026 weiter steigen.

Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 ein Plus von 10,8 Prozent bei den genehmigten Wohnungen – insgesamt 238.500 Einheiten. Besonders das zweite Halbjahr legte mit einem Zuwachs von 17,8 Prozent stark zu. Bundesbauministerin Verena Hubertz spricht von einer beginnenden Trendwende.

Doch Experten dämpfen die Euphorie. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung liegen oft Jahre. Viele Projekte scheitern an den hohen Kosten. Prognosen erwarten für 2026 nur rund 215.000 fertiggestellte Wohnungen. Das ist deutlich weniger, als eigentlich benötigt wird.

Mieten steigen weiter – Neubau lohnt sich kaum

Die Diskrepanz zwischen politischem Ziel und Bauwirklichkeit treibt die Mieten. Das Beratungsinstitut Empirica rechnet für dieses Jahr mit weiteren deutlichen Erhöhungen. Ein Grund: Der Neubau rechnet sich kaum noch.

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Um die gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten zu decken, müssten die Mieten in westdeutschen Großstädten bei rund 20 Euro pro Quadratmeter liegen. Dieses Niveau erreichen bisher nur absolute Spitzenlagen. Die hohe Nachfrage konzentriert sich daher auf den knappen Bestand und treibt auch dort die Preise. Experten schätzen, dass Bestandsmieten in Großstädten auf 15 bis 16 Euro klettern werden.

Kaufpreise: Stabilisierung auf hohem Niveau

Auch am Markt für Wohneigentum zeichnet sich keine Entspannung ab. Zwar gab es im ersten Quartal 2026 einen leichten durchschnittlichen Preisrückgang. Für das Gesamtjahr erwartet der Finanzdienstleister Dr. Klein jedoch eine Steigerung von etwa 3 Prozent.

Die Phase der starken Preisverfälle scheint vorbei. Käufer und Verkäufer haben sich an das höhere Zinsniveau gewöhnt. Besonders gefragt – und damit teuer – sind Immobilien in Top-Lagen und mit guter Energieeffizienz. In den sieben größten Metropolen stiegen die Preise Ende 2025 bereits um 4,7 Prozent, angeführt von Frankfurt mit einem Plus von 5,7 Prozent. In ländlichen Regionen bleiben die Preise dagegen stabiler.

Branche warnt vor „struktureller Krise“

Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft (ZIA) spricht in seinem aktuellen Gutachten von einer „strukturellen Krise“. Der jährliche Bedarf liegt bei etwa 257.000 Wohnungen, die Fertigstellungen werden aber deutlich darunter bleiben.

Die sogenannten Immobilienweisen fordern grundlegende Reformen. Sie wollen schnellere und digitalisierte Genehmigungsverfahren, eine Senkung der Grunderwerbsteuer und gezielte steuerliche Anreize. Ohne diese Maßnahmen, so der Tenor, sei bezahlbarer Wohnraum nicht zu schaffen.

Für Mieter und Käufer bleibt die Lage also angespannt. Die leicht gestiegenen Baugenehmigungen sind ein erstes Signal, lösen das Kernproblem aber nicht. Die Branche ist sich einig: Nur langfristige und tiefgreifende Reformen können den Markt nachhaltig entlasten.

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