Autismus und Hochbegabung: Forschung fordert individuelle Förderung
17.02.2026 - 23:31:11Neue Forschungsansätze rücken die Förderung von „Twice-Exceptional“-Kindern in den Fokus. Aktuelle Veröffentlichungen und Fachtagungen in diesem Februar signalisieren einen Wandel hin zu personalisierten Strategien. Sie sollen Kindern gerecht werden, die sowohl autistisch als auch hochbegabt sind.
Diese doppelte Diagnose – kurz 2e – stellt eine enorme Herausforderung dar. Die außergewöhnliche Intelligenz kann soziale oder sensorische Schwierigkeiten überdecken. Umgekehrt führen diese Herausforderungen oft dazu, dass die hohen kognitiven Fähigkeiten übersehen werden. Die Folge sind häufig Fehldiagnosen, Frustration und Unterforderung im Schulsystem.
Digitale Räume und stärkenbasierte Pädagogik
Die Forschung sucht nach konkreten Lösungen. Eine kürzlich veröffentlichte Dissertation zeigt: 2e-Schüler wünschen sich anpassbare virtuelle Lernumgebungen. Diese sollen intellektuelle Herausforderungen mit gezielter Unterstützung und sozialen Interaktionsmöglichkeiten verbinden.
Parallel wirft die bevorstehende Fachkonferenz „2E @ William & Mary“ am 27. Februar ein Schlaglicht auf neue pädagogische Strategien. Im Mittelpunkt stehen:
* Stärkenbasierte Ansätze
* Die Integration von Kunst zur Förderung emotionalen Wachstums
* Neue Lehrplan-Frameworks, die speziell auf 2e-Kinder zugeschnitten sind
Die tägliche Hürde: Masking und Fehleinschätzungen
Trotz des wachsenden Bewusstseins sind die Hürden im Alltag hoch. Viele Kinder kompensieren ihre Schwierigkeiten durch hohe Intelligenz – ein anstrengender Vorgang, der als „Masking“ bekannt ist. Dies kann zu Erschöpfung und psychischer Belastung führen.
Oft werden die eigentlichen Ursachen von Verhalten verkannt. Was auf Unterforderung durch Hochbegabung oder Überforderung durch autistische Wahrnehmung zurückgeht, wird leicht als mangelnde Motivation oder Verhaltensstörung fehlinterpretiert. Experten fordern daher eine ganzheitliche Diagnostik, die über Standardtests hinausgeht.
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Vom Defizit zum einzigartigen Profil
Die aktuellen Diskussionen markieren einen Paradigmenwechsel. Statt defizitorientiert zu betrachten, rückt die einzigartige Verbindung von Stärken und Herausforderungen in den Mittelpunkt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Gehirne von 2e-Individuen anders vernetzt sind.
Die Forderung lautet: Nicht das Kind muss sich an ein starres System anpassen, sondern das System muss flexibel werden. Nur so kann verhindert werden, dass diese Kinder mit hohem Potenzial zu Underachievern werden. Die Zukunft liegt in maßgeschneiderten Lernumgebungen, die sowohl fordern als auch stützen.
@ boerse-global.de
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