Atlassian und airfocus: Zwei Wege im Projektmanagement
20.02.2026 - 13:22:12 | boerse-global.deAtlassian integriert Video-Aufgaben aus Loom direkt in Trello. Zeitgleich festigt der Hamburger Konkurrent airfocus seine Rolle als strategische Schaltzentrale. Die aktuellen Updates zeigen, wie sich der Markt spaltet: in reine Aufgabenverwalter und strategische Führungsinstrumente.
Trello: Video-Tasks landen direkt im Board
Die größte Neuerung dieser Woche kommt von Atlassian. Das Unternehmen koppelt seine Projektmanagement-Plattform Trello nun enger mit dem Video-Tool Loom. Konkret können Nutzer ab sofort Aufgaben aus Loom-Videos direkt in ihre Trello-Inbox schieben.
Das soll ein typisches Problem lösen: In Video-Updates geteilte To-dos gingen bisher oft unter oder mussten mühsam übertragen werden. Jetzt wandelt eine KI die besprochenen Punkte in Action-Items um und überführt sie nahtlos in den Trello-Workflow.
Wenn Trello künftig Aufgaben automatisch aus Loom-Videos erstellt, braucht es zugleich eine klare Ablage – sonst gehen Details im Chaos unter. Der kostenlose Spezialreport „Der große Leitfaden zur Büroorganisation“ zeigt einfache Systeme zur digitalen Ablage, fertige Vorlagen und 5 Profi-Tipps, damit Sie Informationen aus Video-Updates schnell finden und in den Workflow integrieren. Jetzt kostenlosen Büro-Leitfaden herunterladen
Doch der Start verlief holprig. Nur zwei Tage nach dem Rollout am 17. Februar meldeten Nutzer in der Community Zugriffsprobleme und nicht ladende Boards. Der Support bestätigte die Störungen und arbeitete an einer Lösung.
airfocus setzt auf Strategie statt Abarbeitung
Während Trello die operative Ebene schärft, baut airfocus unter dem Dach des neuen Eigentümers Lucid Software seine strategische Position aus. Das Hamburger Tool hat sich vom Roadmapping-Werkzeug zu einem „Product Operating System“ gewandelt.
Experten sehen den Unterschied klar: airfocus löst weniger das „Wie“ der täglichen Arbeit, sondern vielmehr das „Warum“ und „Was“. Die Plattform bietet integrierte Module für komplexe Priorisierungsmethoden wie RICE-Scoring, die in Trello nur über Umwege möglich sind.
Malte Scholz, Mitgründer von airfocus, betonte kürzlich die Dringlichkeit, Produktmanagement in einer „KI-Welt, die nicht mehr wartet“, neu zu denken. Die Integration in die Lucid-Tools für visuelle Kollaboration soll genau das ermöglichen.
Execution vs. Strategy: Der direkte Vergleich
Die Entwicklungen trennen die Profile der beiden Anbieter schärfer denn je.
Trello bleibt die operative Schaltzentrale. Seine Stärke ist die niedrige Einstiegshürde und die tiefe Verzahnung mit dem gesamten Atlassian-Ökosystem, zu dem auch Jira und Confluence gehören. Die neue Loom-Integration macht es zur Sammelstelle für Inputs aus allen Kanälen. Seine Schwäche zeigt sich bei komplexen Portfolio-Entscheidungen, wo das simple Kanban-Board an Grenzen stößt.
airfocus agiert als strategisches Navigationssystem. Es positioniert sich oft über Tools wie Trello, synchronisiert sich mit ihnen, behält aber die Hoheit über die übergeordnete Strategie. Seine modularere Architektur passt sich spezifischen Prozessen an. Die Zielgruppe sind Produktverantwortliche, die datenbasierte Roadmap-Entscheidungen treffen müssen.
Markt spaltet sich in zwei Ebenen
Was bedeuten diese Schritte für den Markt? Atlassian attackiert mit der Loom-Integration ein Kernproblem moderner Remote-Arbeit: den ständigen Wechsel zwischen Apps. Trello soll zur unverzichtbaren Drehscheibe für Teams werden, die auf asynchrone Video-Updates setzen.
airfocus hingegen setzt auf Spezialisierung statt Alleskönnertum. Die Übernahme durch Lucid gab dem Unternehmen offenbar die Ressourcen, genau in der Nische zu punkten, in der große Konkurrenten oft schwächeln: der strategischen Übersicht und Stakeholder-Kommunikation.
Interessanterweise schließen sich die Ansätze nicht aus. airfocus bietet nach wie vor eine starke Zwei-Wege-Integration zu Trello an. Viele Unternehmen fahren wohl eine Hybrid-Strategie: Trello für die operative Abarbeitung in Entwicklungs- und Marketing-Teams, airfocus für die strategische Steuerung durch das Produktmanagement.
Für das restliche Jahr 2026 erwarten Beobachter eine Vertiefung der KI-Integration. Bei Trello könnte die „Rovo“-KI künftig nicht nur Aufgaben erstellen, sondern proaktiv Workflows optimieren. Bei airfocus dürften die Synergien mit Lucid ausgebaut werden – etwa indem Whiteboard-Skizzen automatisch in priorisierte Roadmap-Punkte umgewandelt werden.
Die Wahl zwischen den Tools ist damit längst keine Entweder-oder-Frage mehr. Sie hängt von der Ebene ab, auf der man arbeitet: Wer Aufgaben effizient abarbeiten muss, profitiert von Trellos Updates. Wer entscheiden muss, welche Aufgaben überhaupt angegangen werden, findet in airfocus das schärfere Werkzeug.
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