Arthrose, Leitlinien

Arthrose: Neue Leitlinien setzen auf Bewegung statt Schonung

10.02.2026 - 08:14:11

Aktuelle medizinische Leitlinien stellen aktive Bewegungstherapie und Eigenverantwortung in den Mittelpunkt der Arthrosebehandlung, um Schmerzen zu lindern und Operationen hinauszuzögern.

Bewegung ist die beste Medizin gegen Gelenkverschleiß. Aktuelle Leitlinien stellen die aktive Therapie und Eigenverantwortung der Patienten in den Mittelpunkt – ein klarer Paradigmenwechsel. Statt Schonung empfehlen Experten nun gezieltes Training, um Schmerzen zu lindern und Operationen hinauszuzögern.

Warum Bewegung den Knorpel schützt

Lange hieß es: Schonen bei Arthrose. Heute ist das Gegenteil wissenschaftlich belegt. Der Gelenkknorpel ernährt sich über die Gelenkflüssigkeit, die nur bei Bewegung produziert und verteilt wird. Dieser „Schwammeffekt“ hält das Gewebe geschmeidig. Bewegungsmangel unterbricht die Nährstoffversorgung und beschleunigt den Abbau.

Zudem wirkt eine kräftige Muskulatur wie ein natürlicher Stoßdämpfer. Sie stabilisiert Hüfte und Knie, fängt Belastungen ab und entlastet so den Knorpel direkt. Studien zeigen: Bewegungstherapie reduziert nicht nur Schmerzen, sondern kann auch Entzündungen hemmen und den Krankheitsverlauf bremsen.

Patienten in der Pflicht: Der neue Therapie-Ansatz

Die kürzlich überarbeitete S3-Leitlinie zur Kniearthrose markiert einen Wendepunkt. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) stellt sie die aktive Rolle des Patienten in den Mittelpunkt. Primäre Maßnahmen sind jetzt bewegungstherapeutische Ansätze, kombiniert mit Aufklärung.

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„Bewegung und Gewichtsreduktion sind zentrale Bausteine“, betont Professor Christoph H. Lohmann, Präsident der DGOU. Der Therapieerfolg hängt maßgeblich von der Mitwirkung ab. Programme wie GLA:D® („Good Life with osteoArthritis“) setzen genau hier an: Sie kombinieren Patientenschulung mit speziellem Training und zeigen rasche Erfolge.

Einfache Übungen für starke Gelenke

Für den Alltag empfehlen Physiotherapeuten einfache, regelmäßige Übungen. Wichtig ist eine Mischung aus Mobilisation, Kräftigung und Dehnung.

Für die Hüfte:
* Hüftrotation im Liegen: In Rückenlage, Knie gebeugt, ein Knie kontrolliert zur Seite sinken lassen und zurückführen.
* Hüftstrecker: In Bauchlage ein Bein gestreckt anheben und senken, um die Gesäßmuskulatur zu kräftigen.

Für das Knie:
* Wandsitz: Mit dem Rücken an einer Wand in eine sitzende Position gleiten, kurz halten.
* Beinpendel: Im Sitzen ein Bein locker vor- und zurückschwingen, um das Gelenk ohne Belastung zu mobilisieren.

Gelenkschonender Sport: Diese Aktivitäten helfen

Neben gezielten Übungen sind gelenkfreundliche Ausdauersportarten ideal. Experten raten zu fließenden Bewegungen:

  • Schwimmen & Aquagymnastik: Das Wasser trägt das Gewicht und entlastet die Gelenke maximal.
  • Radfahren: Die zyklische Bewegung versorgt den Knorpel optimal mit Nährstoffen.
  • Nordic Walking: Stöcke reduzieren die Belastung auf Knie und Hüfte.
  • Yoga & Tai Chi: Fördern Beweglichkeit und stabilisierende Tiefenmuskulatur.

Die Empfehlung: Mindestens dreimal pro Woche 30 bis 40 Minuten aktiv sein.

Vom passiven Patienten zum aktiven Manager

Die neuen Leitlinien spiegeln ein tiefgreifendes Umdenken wider. Der Fokus liegt jetzt auf Prävention und aktivem Management der Erkrankung. Dieser patientenzentrierte Ansatz hat auch einen wirtschaftlichen Vorteil: Er kann teure Operationen wie den Gelenkersatz verzögern und so Kosten im Gesundheitssystem senken.

Die Zukunft liegt in der weiteren Personalisierung. Digitale Gesundheits-Apps und Wearables sollen individuelle Trainingspläne ermöglichen und Fortschritte tracken. Biotechnologische Forschung untersucht sogar, wie Bewegungssignale die Knorpelregeneration anregen könnten. Bis dahin bleibt gezielte Bewegung die wirksamste Waffe gegen den Gelenkverschleiß.

@ boerse-global.de