Aroundtown-Aktie: Platzt jetzt der Knoten nach der Immobilienkrise?
24.02.2026 - 01:01:54 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Die Aroundtown-Aktie bleibt ein Extremwert im europäischen Immobiliensektor – stark gebeutelt von Zinswende, Herabstufungen und Sorgen um Gewerbeimmobilien, zugleich aber mit wachsender Spekulation auf eine Erholung. Für deutsche Privatanleger ist das Papier damit Chance und Risikofalle zugleich.
Was Sie jetzt wissen müssen: Die Märkte preisen weiter hohe Unsicherheit ein, doch Stabilisierungstendenzen am Zinsmarkt, Fortschritte beim Schuldenabbau und erste vorsichtige Analysten-Upgrades sorgen für neue Fantasie. Wer die Aktie handelt, wettet indirekt auf eine Bodenbildung im deutschen Immobilienmarkt.
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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs
Aroundtown SA ist einer der größten börsennotierten Gewerbeimmobilieninvestoren in Europa – mit einem klaren Schwerpunkt auf Deutschland, insbesondere Büro-, Hotel- und Wohnimmobilien in Metropolregionen. Für deutsche Anleger ist die Aktie damit ein direkter Hebel auf die Entwicklung des hiesigen Immobilien- und Zinsumfelds.
Seit Beginn der Zinswende haben Immobilienwerte massiv gelitten. Besonders stark traf es Gesellschaften mit hoher Verschuldung und Gewerbefokus – genau hier liegt das Geschäftsmodell von Aroundtown. Die Folge: Der Aktienkurs ist in den vergangenen Jahren regelrecht kollabiert, während der Markt den Net Asset Value (NAV) des Portfolios immer stärker in Zweifel zog.
In den letzten Monaten zeichnet sich jedoch eine neue Phase ab: Die aggressiven Zinserhöhungen der EZB scheinen vorerst gestoppt, erste Stimmen im Markt diskutieren die Perspektive von Zinssenkungen. Das wirkt wie ein Bremsklotz für den Verkaufsdruck auf Immobilienaktien und eröffnet wieder Raum für selektive Käufe – vor allem dort, wo die Abschläge auf den Substanzwert extrem sind.
Die jüngsten Kursbewegungen der Aroundtown-Aktie lassen sich im Wesentlichen auf drei Einflussfaktoren zurückführen:
- Zinsfantasie: Jede Andeutung einer Lockerung der Geldpolitik oder fallender Renditen bei Staatsanleihen sorgt für kurzfristige Kurssprünge im Sektor.
- Bilanz- und Refinanzierungsangst: Anleiherückzahlungen, Ratingrisiken und mögliche Kapitalmaßnahmen bleiben ein Dauer-Thema bei institutionellen Investoren.
- Portfoliobewertungen: Abwertungen im Portfolio – insbesondere bei Büros und Hotels – können den ausgewiesenen NAV weiter drücken und die Equity-Basis aushöhlen.
Für den deutschen Markt ist Aroundtown doppelt relevant: Zum einen als großer Eigentümer von Büro- und Wohnimmobilien, der Miet-, Arbeits- und Hotelmärkte beeinflusst. Zum anderen als Stimmungssignal für das Vertrauen internationaler Investoren in den Standort Deutschland. Wenn internationale Fonds Aroundtown meiden, ist das oft ein Indiz dafür, dass sie dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt misstrauen.
Umgekehrt kann ein schrittweiser Stimmungsumschwung – etwa durch erfolgreiche Refinanzierungen, Anleiherückkäufe oder Portfolioverkäufe über Buchwert – als Blaupause für eine generelle Entspannung im Sektor dienen. Davon würden neben Aroundtown auch deutsche Vergleichswerte wie LEG Immobilien, Vonovia oder TAG Immobilien indirekt profitieren.
Operativ steht Aroundtown weiter vor großen Aufgaben. Die Gesellschaft arbeitet laut Veröffentlichungen konsequent am Deleveraging:
- Verkauf von nicht-strategischen Assets, um Liquidität zu heben.
- Rückkauf und Rückzahlung ausstehender Anleihen, wo Kurse deutlich unter pari notieren.
- Fokus auf Kernmärkte mit stabiler Nachfrage, insbesondere Wohnimmobilien in Deutschland.
Für Anleger bedeutet das: Die Geschichte hat sich von einem reinen Wachstums- und Dividendenwert hin zu einem Sanierungs- und Turnaround-Case gewandelt. Kurzfristig dominieren Bilanz- und Finanzierungsfragen, erst mittelfristig entscheidet sich, ob die Substanz ausreicht, um die Eigenkapitalbasis nachhaltig zu stützen.
Besonders wichtig aus Anlegersicht ist der Blick auf die Kapitalstruktur:
- Hoher Anteil langfristiger, festverzinslicher Schulden schützt teilweise vor sofortigem Zinsanstieg, begrenzt aber die Flexibilität.
- Ratingagenturen beobachten Aroundtown eng; weitere Herabstufungen könnten Refinanzierungskosten nach oben treiben.
- Der Börsenkurs spiegelt bereits einen massiven Risikoabschlag wider – das kann entweder Übertreibung oder Vorbote weiterer Belastungen sein.
Für deutsche Privatanleger, die über Xetra oder andere inländische Handelsplätze investieren, heißt das: Wer hier einsteigt, setzt nicht auf eine gemütliche Dividendenstory, sondern auf eine spekulative Erholung in einem hochvolatilen Sektor. Stopp-Loss-Strategien, klare Positionsgrößen und ein langer Atem sind Pflicht.
Das sagen die Profis (Kursziele)
Institutionelle Analysten bewerten Aroundtown inzwischen deutlich differenzierter als noch zu Zeiten des Nullzinses. Die Spanne reicht von vorsichtig optimistischen Empfehlungen bis hin zu klaren Warnungen vor anhaltenden Bilanzrisiken.
Auswertungen aktueller Research-Berichte großer Häuser wie europäischer Investmentbanken und deutscher Research-Boutiquen zeigen im Kern drei Lager:
- Bulls (optimistische Analysten): Verweisen auf den extremen Abschlag des Aktienkurses zum ausgewiesenen Nettovermögenswert (NAV). Sie argumentieren, dass ein großer Teil der Bewertungsrisiken bereits eingepreist sei und zusätzliche Portfolioabwertungen den aktuellen Kurs nicht mehr dramatisch treffen würden.
- Neutrale Stimmen: Sehen das Chance-Risiko-Verhältnis als ausgeglichen. Positiv werden Fortschritte beim Schuldenabbau und selektive Asset-Verkäufe gewertet, skeptisch bleibt man jedoch beim Blick auf Büro- und Hotelimmobilien in einer von Homeoffice und veränderter Reisetätigkeit geprägten Welt.
- Bears (pessimistische Analysten): Betonen die Gefahr, dass Ratingdruck, hohe Refinanzierungsrenditen und weitere NAV-Abschläge das Eigenkapital noch stärker erodieren könnten. Aus dieser Perspektive bleibt Aroundtown ein potenzieller Value Trap, bei dem der Buchwert sich weiter an den Aktienkurs annähert – nicht umgekehrt.
Für deutsche Anleger besonders interessant: Mehrere Analysten verweisen explizit auf den Vergleich mit anderen deutschen Immobilienaktien. Während Wohnkonzerne wie Vonovia durch politische Unterstützung (Thema Wohnraummangel) und tendenziell stabilere Cashflows einen gewissen Schutz genießen, sehen sie bei reinen Gewerbeportfolios ein strukturell höheres Risiko.
Daraus ergibt sich ein Muster in den Einstufungen:
- Rating-Empfehlungen: Häufig "Halten" oder spekulatives "Kaufen" für risikobereite Investoren, seltener klare Verkaufsempfehlungen – diese treten eher auf, wenn neue negative Nachrichten zu Rating, Refinanzierung oder größeren Wertberichtigungen anstehen.
- Kursziele: Liegen meist über dem aktuellen Kursniveau, spiegeln aber gleichzeitig eine deutliche Unsicherheit wider; viele Häuser arbeiten mit breiten Szenario-Spannen.
- Fokus-Themen künftiger Studien: Entwicklung der Mieten und Auslastungsquoten im deutschen Portfolio, Fortschritt beim Deleveraging, sowie jede Ankündigung zu größeren Asset-Verkäufen oder Joint Ventures.
Was bedeutet das für deutsche Privatanleger konkret?
- Wer in Aroundtown investiert oder investieren will, sollte die Research-Updates der großen Banken aktiv verfolgen – sie reagieren meist schnell auf neue Unternehmensmeldungen.
- Ein Blick auf die Bandbreite der Kursziele hilft, das Marktrisiko einzuordnen. Geringe Streuung spricht für einen gewissen Konsens, hohe Streuung für maximale Unsicherheit.
- Wichtiger als das exakte Kursziel ist der Qualitative Teil der Analysen: Annahmen zu Zinsen, Portfoliobewertungen und Refinanzierungskosten entscheiden am Ende über die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells.
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Fazit für Ihr Depot: Aroundtown bleibt ein Wert für mutige Anleger, die bereit sind, sich tief mit Bilanz, Zinsumfeld und Immobilientrends in Deutschland auseinanderzusetzen. Wer hingegen auf planbare Dividenden und geringe Schwankungen setzt, findet im DAX- und MDAX-Universum deutlich besser kalkulierbare Alternativen.
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