Arbeitszeitgesetz: Wöchentliche Höchstarbeitszeit spaltet Deutschland
11.02.2026 - 19:01:12Die Debatte um eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes eskaliert. Während Wirtschaftsverbände auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit drängen, warnen Gewerkschaften vor Ausbeutung und Gesundheitsrisiken. Die Bundesregierung sucht unter Druck einen Kompromiss.
Angefacht wurde der Streit durch Vorstöße des Handwerks. ZDH-Präsident Jörg Dittrich forderte kürzlich die im Koalitionsvertrag angekündigte Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Sein Argument: Mehr Flexibilität helfe Betrieben und Beschäftigten gleichermaßen. Der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) konterte scharf und warnte vor einer „Aushöhlung grundlegender Arbeitnehmerrechte“.
Wirtschaft pocht auf Flexibilität für Wettbewerbsfähigkeit
Die Forderung der Arbeitgeber ist klar: Schluss mit der starren täglichen Obergrenze von acht Stunden. Stattdessen soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von beispielsweise 48 Stunden treten. An starken Tagen könnte dann länger gearbeitet werden, an schwächeren Tagen gäbe es entsprechend früher Feierabend.
Für die Wirtschaft ist dies eine Frage der Anpassungsfähigkeit. In Zeiten des Fachkräftemangels und schwankender Auftragslagen brauche es praxisnähere Regelungen, so die Argumentation. Es gehe ausdrücklich nicht um mehr Arbeit, sondern um eine flexiblere Verteilung. Doch ist das realistisch?
Gewerkschaften sehen historischen Schutz in Gefahr
Auf der anderen Seite formiert sich massiver Widerstand. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht von einem „radikalen sozialen Kahlschlag“. Der Kern der Kritik: Der Acht-Stunden-Tag ist ein über hundert Jahre gewachsener Gesundheitsschutz. Seine Aufweichung würde Tür und Tor für Ausbeutung öffnen.
Besonders alarmiert sind die Gewerkschaften über die Möglichkeit von bis zu 13-Stunden-Tagen. Der vmf warnt, dass dies Erholungsphasen massiv gefährden und den Fachkräftemangel sogar verschärfen würde. Die Sorge ist berechtigt: In Branchen mit schwacher Tarifbindung könnten Überstunden zur Regel werden.
Politischer Stillstand heizt Debatte an
Die hitzige Diskussion findet in einem legislativen Vakuum statt. Deutschland muss eigentlich eine EU-Richtlinie zur systematischen Zeiterfassung umsetzen. Ein Referentenentwurf des Arbeitsministeriums liegt vor, doch in der Koalition herrscht Stillstand. Eine Reform ist frühestens 2026 in Sicht.
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Diese Verzögerung nährt die Unsicherheit und schürt den öffentlichen Druck. Jede Seite versucht, die Gestaltung des künftigen Gesetzes in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Gewerkschaften drohen bereits mit Protesten, sollte der Acht-Stunden-Tag infrage gestellt werden.
Die Bundesregierung steht vor einer Richtungsentscheidung. Sie muss einen Weg finden, der die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft erhält, ohne den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer zu opfern. Der Ausgang dieses Ringens wird die Arbeitswelt in Deutschland auf Jahre prägen.
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