Arbeitszeitgesetz, Regierungspläne

Arbeitszeitgesetz: Regierungspläne stoßen auf massive Skepsis

09.02.2026 - 00:09:12

Eine neue Studie zeigt klaren Widerstand gegen eine Ausweitung der Höchstarbeitszeit auf 48 Wochenstunden. Die Regierungspläne zur Flexibilisierung stehen im Widerspruch zum Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit.

Die Bundesregierung will den Acht-Stunden-Tag lockern – doch die Bevölkerung sträubt sich gegen längere Arbeitszeiten. Eine neue Umfrage offenbart eine tiefe Kluft zwischen politischen Zielen und öffentlicher Meinung.

73,5 Prozent der Arbeitnehmer stehen einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von bis zu 48 Stunden kritisch gegenüber. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der IU Internationalen Hochschule. Die Zahlen fallen in eine hitzige Debatte: Die Ampel-Koalition plant eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes.

Flexibilisierung statt starrer Acht-Stunden-Tag

Im Kern will die Regierung das Gesetz von 1994 modernisieren. Künftig soll nicht mehr der Tag, sondern die Woche zählen. Bisher sind acht Stunden pro Werktag die Regel, mit Ausnahmen. Die Neuregelung würde es erlauben, die Arbeitszeit flexibler zu verteilen – etwa für Projektspitzen. An manchen Tagen könnte länger gearbeitet werden, solange der wöchentliche Durchschnitt stimmt.

Besonders Branchen mit schwankendem Aufkommen wie Gastgewerbe und Tourismus erhoffen sich Entlastung. Ein Referentenentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet. Doch der politische Widerstand wächst.

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CDU-Vorstoß heizt „Lifestyle-Teilzeit“-Debatte an

Zusätzlichen Zündstoff lieferte kürzlich der Wirtschaftsflügel der CDU. Er fordert, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. Nur bei „besonderen Gründen“ wie Kindererziehung oder Pflege soll er gelten. Die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ will die Union unterbinden.

Der Vorstoß stieß auf scharfe Kritik von Gewerkschaften und Opposition. Während Arbeitgeberverbände mehr Flexibilität für den Wettbewerb fordern, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor einer Aushöhlung des Arbeitsschutzes. Auch innerhalb der Ampel-Koalition gehen die Meinungen weit auseinander. Ein schwieriges Gesetzgebungsverfahren zeichnet sich ab.

Umfrage: Arbeitnehmer wollen kürzer, nicht länger arbeiten

Die politische Agenda steht im krassen Kontrast zu den Wünschen der Beschäftigten. Laut der IU-Studie wünschen sich 33,9 Prozent eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn. Das Modell sieht 32 Wochenstunden vor. Ein klares Signal für mehr Lebensqualität statt mehr Arbeit.

Experten zeigen sich überrascht von der deutlichen Diskrepanz. Die Ergebnisse legen nahe: Eine reine Flexibilisierung zu Lasten der Arbeitnehmer wird kaum akzeptiert. Erfolgversprechender sind Modelle, die die Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten stärken.

EU-Rahmen: Pflicht zur Zeiterfassung als Grenze

Die deutsche Debatte findet im Schatten europäischer Vorgaben statt. Ein EuGH-Urteil von 2019 verpflichtet zur Einführung systematischer Arbeitszeiterfassung. In Deutschland leitete das Bundesarbeitsgericht diese Pflicht 2022 bereits aus dem Arbeitsschutzrecht ab.

Diese Regelung bildet den unverrückbaren Rahmen. Jede Flexibilisierung muss sicherstellen, dass Ruhezeiten und Höchstgrenzen kontrollierbar bleiben. Die Gesundheit der Arbeitnehmer steht im Zentrum des europäischen Rechts.

Komplizierter Weg zur Reform

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Mit dem Referentenentwurf tritt die Debatte in die heiße Phase. Die Regierung steht vor einer Zerreißprobe: Sie muss die Flexibilitätswünsche der Wirtschaft mit dem Schutzbedürfnis der Arbeitnehmer in Einklang bringen.

Angesichts des klaren Widerstands in der Bevölkerung und von den Gewerkschaften wird ein Kompromiss schwer zu finden sein. Die Reform wird die Arbeitskultur in Deutschland nachhaltig verändern – und zeigt schon jetzt, wie tief der Graben zwischen Politik und Bürgern in sozialen Fragen sein kann.

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