Arbeitszeitgesetz: Reformdebatte zwischen Flexibilität und Schutz
12.01.2026 - 07:21:12Die Diskussion um eine längere Wochenarbeitszeit hat die Reform des deutschen Arbeitszeitgesetzes neu entfacht. Arbeitgeber fordern mehr Flexibilität für die Wettbewerbsfähigkeit, Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken.
Berlin. Kaum ein Thema spaltet die deutsche Arbeitswelt derzeit so sehr wie die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Ein Vorstoß von CSU-Chef Markus Söder, die Wochenarbeitszeit zu erhöhen, hat die festgefahrene Debatte zwischen Wirtschaft und Gewerkschaften neu angefacht. Im Kern geht es um einen Paradigmenwechsel: Weg von der starren täglichen, hin zu einer flexibleren wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Doch kann mehr Flexibilität die deutsche Wirtschaft retten, ohne die Beschäftigten zu überlasten?
Das Herzstück der geplanten Reform ist ein grundlegender Wechsel. Bisher gilt eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht, maximal zehn Stunden. Künftig soll eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden treten. Unternehmen könnten die Arbeitszeit dann bedarfsgerechter verteilen – etwa mit langen Tagen in Projektphasen und kürzeren zum Ausgleich.
Befürworter argumentieren, dies komme nicht nur der Wirtschaft in einer globalisierten Welt entgegen, sondern auch dem Wunsch vieler Beschäftigter nach mehr Selbstbestimmung. Denkbar wäre etwa eine Vier-Tage-Woche bei entsprechend längeren Tagen. Obwohl die Ampel-Koalition die Flexibilisierung im Vertrag stehen hat, liegt der Gesetzentwurf seit 2023 auf Eis. Eine Verabschiedung wird frühestens 2026 erwartet.
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Zwei unversöhnliche Lager: Wirtschaft gegen Gewerkschaften
Die Fronten sind verhärtet. Arbeitgeberverbände wie die BDA sehen in der wöchentlichen Obergrenze eine überfällige Entbürokratisierung. Sie betonen, es gehe nicht um mehr Arbeit, sondern um eine sinnvollere Verteilung. Eine Forsa-Umfrage scheint ihnen Recht zu geben: Zwei Drittel der Beschäftigten befürworten flexiblere Wochenmodelle.
Gewerkschaften wie der DGB laufen dagegen Sturm. Sie warnen vor gesundheitlichen Risiken und einer Aushöhlung des Arbeitsschutzes. Arbeitsmediziner weisen darauf hin, dass das Unfallrisiko nach der achten Stunde exponentiell steigt. Zudem fürchten sie mehr unbezahlte Überstunden und weniger Planbarkeit für Familien. Laut einer DGB-Umfrage wünscht sich eine große Mehrheit der Beschäftigten die Beibehaltung der täglichen Acht-Stunden-Grenze.
Die unumstößliche Realität: Die Pflicht zur Zeiterfassung
Unabhängig vom Ausgang der Flexibilisierungsdebatte hat die Justiz bereits Fakten geschaffen. Seit einem Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitszeiten lückenlos zu erfassen. Diese Pflicht soll der Gesetzentwurf nun konkretisieren und eine elektronische Erfassung vorschreiben.
Das bedeutet: Jede künftige Flexibilität wird an die Kandare einer lückenlosen Dokumentation gelegt. Für kleine Unternehmen sind Übergangsfristen geplant. Der Spielraum für Unternehmen wird also größer – die Kontrolle aber auch.
Hintergrund: Schwache Konjunktur und Fachkräftemangel
Die hitzige Debatte findet vor einem düsteren wirtschaftlichen Hintergrund statt. Die Konjunktur schwächelt, der Fachkräftemangel verschärft sich. Befürworter der Reform erhoffen sich, mit flexibleren Modellen mehr Leistung aus der vorhandenen Arbeitskraft zu pressen.
Doch Ökonomen mahnen: Mehr Stunden sind nicht automatisch mehr Wohlstand. Entscheidend ist die Produktivität, die bei überlangen Arbeitstagen sogar sinken kann. Die Diskussion offenbart damit den grundlegenden Zielkonflikt zwischen Arbeitnehmerschutz und Standortsicherung.
Was kommt auf Unternehmen und Beschäftigte zu?
Wann und in welcher Form ein Kompromissgesetz kommt, ist völlig offen. Klar ist nur, dass der politische Druck wächst. Die anstehenden Tarifverhandlungen, etwa im öffentlichen Dienst, werden die Debatte weiter befeuern.
Unternehmen und Beschäftigte müssen sich darauf einstellen, dass die Themen Flexibilisierung und lückenlose Zeiterfassung die Agenda 2026 dominieren werden. Die Gretchenfrage bleibt: Findet Deutschland einen Weg, der die Wirtschaft stärkt, ohne die Gesundheit der Beschäftigten aufs Spiel zu setzen?
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