Arbeitszeitgesetz: Deutschland streitet über Abschaffung des Achtstundentags
12.02.2026 - 00:23:12 | boerse-global.deDie Forderung nach einer flexiblen Wochenarbeitszeit spaltet Politik und Gesellschaft. Gewerkschaften drohen mit massivem Widerstand gegen die Pläne von Union und FDP.
Die Debatte um die Zukunft des deutschen Arbeitszeitgesetzes hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Vorstöße von Union, FDP und Wirtschaftsverbänden, den starren Achtstundentag durch eine wöchentliche Obergrenze zu ersetzen, treffen auf erbitterten Widerstand. Die Diskussion rührt an den Grundfesten des deutschen Arbeitnehmerschutzes und könnte zu einer der tiefgreifendsten Sozialreformen der letzten Jahre führen.
Flexibilisierung versus Schutz: Die Fronten verhärten sich
Im Zentrum des Streits steht ein historischer Pfeiler: der Achtstundentag, seit 1918 gesetzlich verankert. Befürworter einer Reform sehen darin ein Relikt aus analoger Zeit. Ihr Vorschlag: Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden zugunsten einer wöchentlichen Obergrenze von 48 Stunden, wie sie die EU-Richtlinie vorsieht.
„Das bestehende Gesetz passt nicht mehr in die moderne Arbeitswelt mit Homeoffice und agilen Projekten“, argumentieren Wirtschaftsverbände wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Sie versprechen mehr Souveränität für Beschäftigte und höhere Agilität für Unternehmen. An einem Tag könnte länger gearbeitet werden, um an einem anderen früher Feierabend zu machen. Gerade im Fachkräftemangel sei mehr Flexibilität notwendig, um Produktivität zu steigern.
Gewerkschaften drohen mit Kampf „auf der Straße“
Auf der Gegenseite formiert sich massiver Protest. Gewerkschaften wie ver.di und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sehen in den Plänen einen gesetzlichen Freibrief für Ausbeutung. „Das wäre eine Rückkehr zu Verhältnissen des 19. Jahrhunderts“, warnt ver.di-Chef Frank Werneke. Der Achtstundentag sei ein unverhandelbarer Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit.
Die Gewerkschaften befürchten längere Arbeitstage, weniger Erholung und mehr psychischen Druck – besonders für Beschäftigte ohne Tarifbindung. Unterstützung erhalten sie von SPD, Grünen und Linken. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat bereits signalisiert, einen Kampf „in den Betrieben und auf der Straße“ nicht zu scheuen.
Gesundheitliche Risiken und der europäische Rahmen
Wissenschaftliche Stimmen untermauern die Bedenken. Forscher der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung warnen: Arbeitstage von über zwölf Stunden könnten bestehende Gesundheitsprobleme verschärfen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter erschweren. Das wäre auch wirtschaftlich kontraproduktiv, wenn Krankheitsstände steigen.
Die Debatte wird zusätzlich durch ein anderes Thema befeuert: die noch ausstehende gesetzliche Umsetzung eines EuGH-Urteils zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung. Derzeit darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf zehn Stunden ist nur mit Ausgleich innerhalb von sechs Monaten erlaubt.
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